Der Wein, die Liebe und ein Mord

Konstanz..  Es geht um sündhaft teuren Wein, um eine heimliche Liebschaft der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, um enttäuschte Gefühle - und natürlich um einen Mordfall. Die Ermittlungen im neuen Bodensee-“Tatort“ führen die Konstanzer Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) zu Verstrickungen, die ihre Wurzeln mitten in der badischen Revolution von 1848 haben. Das Erste zeigt „Château Mort“ wie immer um 20.15 Uhr.

Zu Beginn stoßen Blum und Perlmann am Bodenseeufer auf die Leiche von Enrico Schmitz; und in seinem Rucksack auf eine Flasche Wein, die sehr alt zu sein scheint. Sie lassen den Fund von einem Schweizer Weinkenner überprüfen, der wiederum mit Wein aus dem Besitz der Dichterin Droste-Hülshoff (1797-1848) Schlagzeilen machte. Parallel dazu ist Mattheo Lüthi, Perlmanns und Blums Schweizer Kollege, deutschen Steuerflüchtlingen auf der Spur, die einen solchen Wein kaufen, um ihr in der Schweiz gelagertes Geld unauffällig anzulegen.

Die Dichterin hatteeinen jungen Liebhaber

Bei den weiteren Recherchen fällt Perlmann auf, dass sich das Mordopfer auffallend stark für Droste-Hülshoff interessierte. Er arbeitet sich immer tiefer ein in die Erzählungen und Briefe rund um die Dichterin, die ihre letzten Lebensjahre in Meersburg am Bodensee verbrachte. Dabei stößt Perlmann auf ein pikantes Geheimnis: Droste-Hülshoff hatte einen deutlich jüngeren Liebhaber, der die badische Revolution unterstützte...

Klara Blum konzentriert sich währenddessen auf den Mordfall in der Gegenwart - und kommt dabei erst ins Grübeln über ihre eigene Einsamkeit und dann ihrem Kollegen Lüthi überraschend nahe. Mit aller Macht stürzt Blum sich in die aufkeimenden Gefühle (wunderbar gespielt von Eva Mattes). Die sonst so disziplinierte Kommissarin bekommt etwas mädchenhaft Leichtes, das zugleich auch ein wenig albern wirkt:

Es sind nur wenige Szenen, in denen Eva Mattes ihrer Rolle völlig neue Charakterzüge geben kann. Denn als Klara Blum eine Kette von Lüthi bei dessen Schweizer Kollegin sieht, begreift sie plötzlich. Viel sagen muss sie nicht: Eva Matthes gibt ihrer Figur eine solch intensive Mimik, dass sich die enttäuschten Gefühle nur allzu deutlich auf dem Gesicht widerspiegeln. Man möchte sie in den Arm nehmen und sagen: Es wird schon alles wieder gut.

„Château Mort“ ist überzeugend, stringent und kreativ durcherzählt. Es ist zugleich der erste Bodensee- „Tatort“ nach der Ankündigung des SWR im Dezember, diesen 2016 auslaufen zu lassen. Der Sender habe die Entscheidung gemeinsam mit den Hauptdarstellern getroffen, teilte der SWR dazu mit. „Nach vierzehn erfolgreichen gemeinsamen Jahren der beiden großartigen Schauspieler und des Senders mit dem Tatort aus Konstanz werden wir uns dann von ihm verabschieden.“ 2015 sollen demnach noch zwei Episoden gedreht und 2016 ausgestrahlt werden.