Der Schweizer Steve Schild macht mobil für den Mars

Steve Schild aus der Schweiz will zum Mars. Unbedingt.
Steve Schild aus der Schweiz will zum Mars. Unbedingt.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Manche erklären ihn für verrückt. Aber Steve Schild lässt sich nicht beirren. Er will zum Mars. Obwohl er weiß, dass es eine Reise ohne Rückkehr ist.

Köln.. Steve Schild will weg. Weit weg. So etwa 200 Millionen Kilometer. Grob geschätzt, versteht sich. Schild will zum Mars. Einfache Fahrt, kein Rückflugticket. Nein, das ist nicht ganz so verrückt, wie es sich anhört. Denn für 2024 ist tatsächlich ein bemannter Flug zum Roten Planeten geplant. Dafür hat der 30-Jährige sich beworben. Wie rund 200.000 andere Menschen aus aller Welt auch. 199.335 sind bereits ausgeschieden. Nächste Woche geht es in die nächste Runde, dann werden noch 90 Kandidaten im Rennen sein. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt der Schweizer und will sich „einen Kindheitstraum erfüllen“.

„Mars One“ heißt das Projekt des niederländischen Unternehmers Bas Lansdorp, das vier Menschen auf den Mars bringen und dort in zuvor installierte Module einquartieren will. Das klingt verwegen, dennoch waren die Voraussetzungen zunächst nicht allzu streng. Interessenten sollten gut englisch sprechen, sozial kompetent und körperlich fit sein. „Bin ich alles“, sagt Schild, der schon immer davon geträumt hat, „ins All zu fliegen.“ Nicht, dass es ihm nicht gefällt hier unten auf der Erde. „Aber ich liebe die Herausforderung.“

Noch ist die Technologie nicht so weit

Und die ist groß bei diesem Unternehmen. „Die Technologie ist einfach noch nicht so weit“, warnt Ulrich Walter, ehemaliger Astronaut und Leiter des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der TU München. Er schätzt, die Wahrscheinlichkeit, dass die Mars-One-Crew lebend ihr Ziel erreicht, bei lediglich 30 Prozent liegt.

Und selbst wenn es klappt, wird das kein Urlaub oben im All. Nicht bei einer Durchschnittstemperatur von minus 55 Grad, die auf dem Mars herrscht. Oder den Sonnenstürmen mit ihrer schädlichen Strahlung. Und erst recht nicht mit den Meteoriten, die immer wieder auf die Marsoberfläche prasseln und die Wohnmodule nach Einschätzung vieler Wissenschaftler mühelos durchschlagen können. Schild weiß das alles, doch es kann ihn nicht bremsen. „Ich habe mit vielen Experten gesprochen. Es ist machbar.“

Aber es ist teuer. 100 Milliarden Dollar hat die Nasa mal geschätzt. Aber die will ihre Astronauten auch zur Erde zurückbringen. Mars-One-Teilnehmer dagegen sollen für immer dort bleiben, lebend versteht sich. Deshalb will Lansdorp mit sechs Milliarden Euro auskommen. Geld, das überwiegend durch die weltweite TV-Vermarktung des Unternehmens hereinkommen soll. Schon die Endauswahl der Kandidaten soll zum Fernsehereignis werden, bei dem die Zuschauer teilweise mitentscheiden können, wer in die Rakete steigt Und auch auf dem Flug sollen die Kameras stets eingeschaltet sein. „Big Brother“ im Weltraum.

Zehn Monate zu viert, auf nur 30 Quadratmetern

Dafür hat es bereits viel Kritik gegeben, doch Schild hält alles für „seriös“. Und so hat er sich auch bereits Gedanken darüber gemacht, wie es denn so sein wird, wenn er es tatsächlich unter die letzten vier schafft. „Gutes Essen, frische Luft, ich werde bestimmt vieles vermissen.“ Selbst die Freunde, die ihn für „verrückt“ erklärt haben, vor allem aber natürlich Freundin Corinna, die hofft, dass er ausscheidet. Anfangs hatte er noch geplant, vor dem Abflug ein Kind mit ihr zu zeugen. Den Plan hat er mittlerweile aufgegeben. „Das wäre nicht richtig.“ Aber die Zeit bis zum möglichen Start, die will er mit ihr „in vollen Zügen genießen“.

Einmal gestartet wird es dann eng, vielleicht auch langweilig. Gut zehn Monate soll die Reise der vier Astronauten in ihrer 30 Quadratmeter großen Kapsel dauern. „Deshalb muss die Zusammensetzung der Besatzung stimmen“, sagt der Industrieelektroniker und Sicherheitstechniker und wünscht sich einen „Gegenpol“ in der Crew, „einen, der nicht nur das große Ganze sieht wie ich, sondern auch auf die Details achtet“.

Kommenden Montag wollen die Niederländer bekanntgeben, wer in die nächste Runde einzieht und damit in die Fernseh-Show kommt. Alle Tests sind gemacht, „jetzt heißt es warten“. „Das macht mich ein bisschen nervös.“ Und wenn nun alles vorbei ist und er ausscheidet? „Vielleicht ist es dann nicht der Mars, dafür aber der Mond“, ist der Mann aus dem Thurgau überzeugt. „Der Weltraum ist mein Ziel. Und davon lasse ich mich nicht abbringen.“