Der schüchterne Frauenheld

Hamburg..  Groß, kräftig, volles Haar wie aus der Shampoowerbung und dazu dieser markante Schnurrbart: Tom Selleck – Millionen Fernsehzuschauern als Privatdetektiv Thomas Magnum bekannt – galt in den 80ern als einer der attraktivsten Männer der Welt. Noch um die Jahrtausendwende konnte der Amerikaner bei der Fernsehserie „Friends“ inmitten einer Clique von Leuten um die 30 den Nebenbuhler spielen – über 50, halb Sexsymbol, halb Vaterfigur. Am 29. Januar wird „Magnum“ 70 Jahre alt. Seinen bekanntesten Satz sprach der TV-Detektiv stets aus dem Off: „Ich weiß genau, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht, aber...“ Und dann gingen immer Scherereien los.

Der Bart war bei Selleck mal ab („Mr. Baseball“), mal dran („Noch drei Männer, noch ein Baby“), mal buschig („Quigley der Australier“, obwohl er auch im Film gar kein Australier war), mal dünner („Blue Bloods – Crime Scene New York“), aber er war immer ein Markenzeichen des Amerikaners.

„Ich sehe mich als Schauspieler, nicht als Sexsymbol“, sagte Selleck selbst einmal. „Halte ich mich für sexy? Nein, das mögen andere entscheiden. Aber ich glaube nicht, dass man wirklich erfolgreich sein kann, wenn man versucht, sexy zu sein.“ Und erfolgreich war Selleck durchaus. Obwohl er ein typischer Star der Achtziger ist, hatte er danach in jedem Jahrzehnt Filme und/oder Fernsehserien mit großem Erfolg.

Doch der größte, mit dem er ein Stück Kulturgut wurde, war natürlich „Magnum, P.I.“. Ob in Amerika, in Deutschland, wo man die Abkürzung für „Privatdetektiv“ aus dem Serientitel strich, oder etwa 50 Ländern der Erde – Selleck war Kult. Dabei war die Grundlage der Serie mehr als dünn: Man gibt einem gut aussehenden Typen den Namen eines großen Revolverkalibers, lässt ihn im Ferrari durch Hawaii brausen oder im bunten Hubschrauber darüberhinwegdüsen und dabei Kriminalfälle lösen. Aber so waren die Achtziger und da gehörte „Magnum“ noch zu den guten Serien, bemühte man sich doch immer auch um ein bisschen Psychologie. Doch die Serie forderte auch ihren Tribut. So musste sich Selleck mühsam wieder von der Rolle des freundlichen Hallodris lösen. Und weil er unter Vertrag stand, musste er eine andere Rolle ablehnen, die eines Archäologen: Denn eigentlich hatte er, nicht Harrison Ford „Indiana Jones“ sein sollen. Dann wäre „Magnum“ heute nur noch eine Randnotiz in Sellecks Biografie.

Selleck treibt keinen Sport und findet Muckibuden langweilig

Zehn Staffeln spielte Selleck den braun gebrannten, sporttreibenden Hawaiihemdenträger. „Ich glaube, „Magnum“ hatte viel von mir“, sagte Selleck einmal. Dabei treibt er nach eigenen Angaben gar nicht viel Sport, erst recht nicht in Fitnessstudios. „Etwas Langweiligeres gibt es wohl nicht“, sagt Selleck dazu. Dafür schwitzt er auf seiner Avocado-Farm, auf der er mit seiner Frau lebt. Er liebt es, sagt er selbst, auf dem Land zu arbeiten, Büsche zu beschneiden und die Pflanzen zu wässern.

Selleck und seine zweite Frau Jillie sind knapp 30 Jahre verheiratet. „Meine Hauptrolle ist Familienvater“ sagt er und er liebt das einfache, konservative Leben. Als Mitglied des Waffenvereins NRA muss er sich aus dem linksliberalen Hollywood manchmal Kritik anhören, dabei sieht er sich doch eher als Liberalen, der sein Leben leben will und die Einsamkeit liebt. Und ob man es glaubt oder nicht: Sexsymbol Selleck gilt als schüchtern.