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Der Großvater des Personalcomputers wird 30

11.08.2011 | 17:44 Uhr
Der Großvater des Personalcomputers wird 30
Der IBM 5150 gilt als Uropa des modernen PC. Wer es sich leisten konnte, gönnte sich das Komplettpaket mit Monitor und Nadeldrucker. Foto: IBM

Essen.   Er gilt als der Begründer eines neuen Computerzeitalters. Vor 30 Jahren, am 12. August 1981, stellte IBM den 5150 vor. Generationen von Personalcomputern drückte er seinen Stempel auf.

Nein, an seinen Erfolg wollte bei IBM keiner so recht glauben. Denn der 5150 war keine Innovation, als er vor genau 30 Jahren, am 12. August 1981, das Licht der Welt erblickte. Der US-Computerhersteller, der bis dahin nur schrankgroße Rechenmaschinen für andere Unternehmen gebaut hatte, die dann in irgendeinem dunklen Kellerraum ihr elektronisches Dasein fristeten, sah seine Felle davonschwimmen.

So bewarb IBM sein neuestes Produkt: Der 5150 richtete sich an Rechtsanwälte, Ärzte und Privatkunden, die die umgerechnet 3500 Mark übrig hatten. Foto: IBM

Firmen wie Apple und Commodore brachten Computer heraus, die so günstig waren, dass sie auch für Heimanwender erschwinglich wurden – und, was mindestens genauso wichtig war – auch auf einen Schreibtisch passten. Und an diesem Erfolg wollte IBM teilhaben. Fünf Monate grübelten die IBM-Ingenieure darüber nach, wie sie der Konkurrenz etwas entgegensetzen konnten. Dabei heraus kam der 5150.

Sein Herz schlug mit schlappen vier Megahertz

Es sollte die Geburtsstunde des Personalcomputers sein, wie wir ihn noch heute kennen. Und ein gewisser Bill Gates soll dabei nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Denn IBM, damals wie heute Marktführer bei Großrechnern, kaufte das Know-how kleiner Firmen ein, um seinem „Mini-Computer“ auf die Sprünge zu helfen. Mi­crosoft, heute eines der größten Software-Unternehmen der Welt, damals mehr Garagenfirma als weltumspannender Konzern, lieferte das Betriebssystem für den Neuling von IBM: MS-DOS, das bis Mitte der 90er-Jahre den Markt für PC-Software nach Belieben beherrschte, bevor es nach und nach vom Windows-System aus selbem Hause abgelöst werden sollte.

Auch Ärzte sollten mit dem 5150 das Computerzeitalter in ihrer Praxis einziehen lassen. Foto: IBM

Seit dem 12. August 1981 hat sich eine Menge getan: Denn der 5150 war aus heutiger Sicht kein Rechenmonster. Das Herz des Computers tickte mit schlappen 4,77 Megahertz, moderne PC leisten heute das 1000-fache. Noch viel krasser der Unterschied beim Arbeitsspeicher: 16 Kilobyte steckten im IBM-Urgestein, heute sind vier Gigabyte die Regel, also 4 194 304 Kilobyte, das 262 144-fache des 5150. Eine Festplatte suchte man im IBM übrigens vergebens. Disketten nannte man die Datenspeicher aus der Steinzeit der Personalcomputer, die es bis heute noch als Nischenprodukt zu kaufen gibt. Gleich zwei konnte der 5150 lesen und beschreiben, in der Edelvariante hatte er nämlich auch zwei Laufwerke, die sogenannten Floppys. Das Luxuspaket aus Computer, Tastatur, Monitor und Nadeldrucker kostete stolze 3000 Dollar. Das Einsteigermodell gab es für die Hälfte, was damals aber auch immerhin rund 3500 Mark waren.

Ein grauer Schreibtischklotz mit zweifarbigem Bildschirm

Mit seinen Leistungsdaten konnte der IBM also nicht überzeugen. Was also beschleunigte seinen Siegeszug? Es war schlicht und einfach der Firmenname, der nicht nur bei Entscheidern in den Chefetagen großer Konzerne einen gewissen Ruf genoss. Computer von „Big Blue“, wie IBM aufgrund der Firmengröße und seines blauen Logos genannt wurde, galten als zuverlässig. Und der 5150 kam zum richtigen Zeitpunkt.

Anfangs verkaufte sich der graue Schreibtischklotz mit dem zweifarbigen Bildschirm auch wie geschnitten Brot, er wurde zum Industriestandard für den modernen PC. IBM wollte anfangs pro Jahr nur 200 000 Stück absetzen, musste dann aber anbauen, um genug PC liefern zu können. Der Computer-Hersteller konnte später aber nur bedingt vom PC-Boom profitieren. Denn die Konkurrenz kupferte gnadenlos ab. Compaq, Hewlett-Packard und andere bauten bald auch Computer nach PC-Standard – und jagten IBM Marktanteile ab.

Und Microsoft-Boss Gates war schlau genug, die Rechte an seinem Betriebssystem MS-DOS nicht an IBM zu verhökern. So konnte er auch anderen PC-Herstellern sein Betriebssystem andrehen – und dafür saftige Gebühren verlangen. Der Rest ist eine (andere) Erfolgsgeschichte.

Sven Frohwein

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