Der deutsche TV-Krimi „Wilsberg“ startet durch

Alex Holtkamp (Ina Paule Klink) und Georg Wilsberg (Leonard Lansink) im Konflikt.
Alex Holtkamp (Ina Paule Klink) und Georg Wilsberg (Leonard Lansink) im Konflikt.
Foto: ZDF/Thomas Kost
Was wir bereits wissen
Die ZDF-Reihe verkam langsam aber sicher zum Kasperle-Theater. Doch die neuen Fälle haben wieder etwas Spannung aufzuweisen. Jetzt gibt’s wieder einen echten Krimi.

Mainz/Münster.. Der deutsche TV-Krimi wurde zuletzt immer öfter vom „Morbus Münster“ befallen. Wie ein hässlicher Virus infizierte das Strickmuster des erfolgreichsten „Tatorts“ ein ganzes Genre. Jeder Kommissar muss inzwischen so lustig sein wie der Thiel, und auch beim unappetitlichsten Serienmord wird gelacht, bis der Professor Börne kommt. Angefangen hatte der Münsteraner Schlamassel aber eigentlich mit dem ortsansässigen „Wilsberg“, einem verknautschten Schnüffler, dessen ewig gleiche Knurrigkeit gern unter dem Etikett „Kult“ verkauft wird. Die neue Folge markiert allerdings einen Kurswechsel: Wilsberg (Leonard Lansink) ist zwar immer noch knurrig, Ecki (Oliver Korittke) naiv und Overbeck (Roland Jankowsky) doof, aber endlich hat man dem westfälischen Panoptikum wieder einen ernsthaften Fall gegönnt.

Jörg Schüttauf gibt den Macho von der Muckibude

„Bauch, Beine, Po“ von Regisseur Dominic Müller nach einem Drehbuch von Sandra Lüpkes und „Wilsberg“-Erfinder Jürgen Kehrer ist spannend erzählt, mit stimmigen Dialogen gesegnet und deshalb mehr als nur eine Bühne für Kalauer. Dem sensiblen Thema tut die angenehme Zurückhaltung auch gut. Es geht um eine Vergewaltigung. Micki Hobelmeyer, ein ehemaliger Studienkollege von Wilsberg, wird aufgrund des Gutachtens einer Gerichtspsychologin freigesprochen. Wilsbergs Ziehtochter Alex (Ina Paule Klink), die Hobelmeier verteidigte, kommen allerdings schnell Zweifel an der Unschuld ihres Mandanten.

ZDF Dann geschieht ein Mord, gefolgt von einem zweiten, und die Münsteraner Riege tut, was sie kann. Und dennoch geht die schwierige Diskussion um ein Verbrechen ohne Zeugen nicht baden.

Positive Entwicklung in der Krimi-Reihe

Diesmal hat das Drehbuch den allseits bekannten Karikaturen nämlich die schärfsten Kanten abgeschliffen. Nicht alles ist mehr so vorhersehbar wie zuletzt, die Gier nach Pointen wird gezügelt, und seriöse Schauspielkunst verknüpft mit Anstand die zuweilen etwas konfusen Handlungsstränge. Jörg Schüttauf als Besitzer eines Fitness-Studios legt seinen Hobelmeyer vielleicht etwas überdeutlich als lärmenden Macho an, aber so was soll es ja auch in der Muckibude geben, und Rebecca Immanuels („Edel & Starck“) Gerichtsgutachterin ist authentisch in ihren Zweifeln an der eigenen Arbeit.

Fazit: Wilsbergs Comeback. Die erfolgreichen Hauptfiguren der Münsteraner Krimiposse wurden zwar nicht völlig neu erfunden, doch sie gehen dem Zuschauer nicht mehr auf die Nerven. Erwartbare Gags wie die Bielefeld-Connection fehlen nicht, aber vom „Angriff auf die Lachmuskeln“ auf dem Niveau eines Alleinunterhalters auf Onkel Willis Geburtstag hat sich die Reihe distanziert. Weiter so.

ZDF, Samstag 20.15 Uhr