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Das Unfallrisiko ist für Kinder zu Hause am größten

02.09.2012 | 05:45 Uhr
Das Unfallrisiko ist für Kinder zu Hause am größten
Ein gefährliches Manöver: Arthur (7) lässt am offenen Fenster Seifenblasen steigen.Foto: Paul Hahn

Berlin.   Zwar glauben über 80 Prozent der Mütter und Väter, dass das Unfallrisiko für ihr Kind zuhause oder im Garten gering ist. Doch gerade in den eigenen vier Wänden oder in der Freizeit passieren den Sprösslingen die meisten Unfälle. Das ergab eine Studie im Auftrag der deutschen Versicherer.

Fensterstürze, Verbrennungen oder Vergiftungen: Eltern unterschätzen die Gefahren, die im Haushalt auf ihre Kinder lauern. Zwar glauben über 80 Prozent der Mütter und Väter, dass das Unfallrisiko für ihr Kind zuhause oder im Garten gering ist. Doch gerade in den eigenen vier Wänden oder in der Freizeit passieren den Sprösslingen die meisten Unfälle. Ein Überblick.

Der Trugschluss

Jedes Jahr verletzen sich in Deutschland 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren. 60 Prozent der Unfälle passieren zuhause oder in der Freizeit, 18 Prozent in der Kindertagesstätte oder Schule und 14 Prozent im Straßenverkehr. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. „Der Straßenverkehr wird als Unfallrisiko Nummer eins angesehen“, beobachtet Jürgen Engel, Vorsitzender der GDV-Kommission Unfallversicherung. Das sei ein Trugschluss.

Mehr als die Hälfte der Unfälle gehen auf das Konto von Stürzen. Da wird die Teppichkante für den Vierjährigen zur Stolperfalle oder die Siebenjährige fällt im Tiefschlaf aus dem Hochbett. Auch solche Gefahren verkennen die Eltern häufig. Nur ein Viertel der Mütter und Väter sieht in Stürzen die größte Unfallgefahr. „Selbst kleine Stürze können für Familien ein einschneidendes Erlebnis sein“, sagt Stefanie Märzheuser, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder (BAG). Gerade kleine Kinder fielen häufig auf den Kopf, weil ihr Körperschwerpunkt dort liege. Dann müsse vielleicht eine Platzwunde genäht werden und es bleibe eine Narbe.

Die Fehleinschätzung

„Mindestens einmal pro Monat fällt allein in Berlin ein Kind aus dem Fenster“, zeigt sich Märzheuser besorgt. Doch nicht nur Stürze, sondern auch die Schwimmfähigkeit ihrer Sprösslinge unterschätzen Eltern. Zwar haben die Studienmacher für ihre Untersuchung nur 331 Elternteile mit Kindern unter 15 Jahren befragt, was an der Repräsentativität der Ergebnisse zweifeln lässt. Dennoch dürften die Befunde Mütter und Väter nachdenklich stimmen.

„Sobald das Kind das Seepferdchen hat, haben viele Eltern das trügerische Gefühl, es wäre im Wasser sicher“, erläutert Markus Schmidt von der Gesellschaft für Konsumforschung, die mit der Durchführung der Studie beauftragt war. Rund 70 Prozent der Eltern sagten dann, ihr Kind könne gut oder sehr gut schwimmen. Dabei müssten die kleinen Schwimmer für das Abzeichnen nur eine 25-Meter-Bahn durchhalten. Erst bei acht Bahnen, was dem Bronze-Abzeichen entspreche, könne man von einem sicheren Schwimmer sprechen.

Die Verantwortung

„Kinderunfälle sind vermeidbar“, sagt BAG-Präsidentin Märzheuser. „Kinder erlernen Gefahrenbewusstsein über Erfahrungen, zum Beispiel durch Klettern oder Fußball spielen.“ Gerade in Städten hätten die Sprösslinge weniger Möglichkeiten, sich altersgemäß zu bewegen. Das sei ein Problem. Eltern ruft die BAG-Präsidentin zu mehr Risikobewusstsein auf. In den eigenen vier Wänden läge es in der Verantwortung der Mütter und Väter, Unfälle möglichst zu verhindern. Jürgen Engel vom GDV schreibt im Vorwort des Ratgebers „Mit Kindern leben – Unfälle vermeiden“: „Unfallverhütung heißt nicht, die Kleinen in Watte zu packen. Kinder sollten möglichst früh in die Abläufe des täglichen Lebens einbezogen werden, Gefahren kennenlernen und den sicheren Umgang mit Geräten lernen.“

Mandy Kunstmann

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Panorama