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Das Bangen der Flutopfer - Was kommt nach der Katastrophe?

15.06.2013 | 12:05 Uhr
Sperrmüll nach der Flut.Foto: dpa

Havelberg.  Dicht an dicht stehen die Betten der Flutopfer im Notquartier. Die Menschen harren geduldig aus - und sorgen sich um die Zukunft. Immer mehr wird die Frage laut: Was wird nach der Katastrophe? Kann ich jemals in mein Haus zurück, und steht mein Dorf überhaupt noch?

Das Leid und das Bangen einer ganzen Region sind in der Sporthalle in Havelberg zum Greifen nah. Dicht an dicht stehen die Betten in dem Notquartier für die Flutopfer des Landkreises Stendal. Mehr als 100 Menschen haben dort Zuflucht gesucht, deren Dörfer und Häuser wegen des Hochwassers von Havel und Elbe überspült wurden. Noch tragen es die Frauen, Männer und Kinder mit Fassung. Doch immer mehr wird die Frage laut: Was wird nach der Katastrophe? Kann ich jemals in mein Haus zurück, steht mein Dorf überhaupt noch?

"Ich kann es nicht ertragen"

"Ich schaue mir die Bilder nicht an, ich kann es nicht ertragen", sagt Hans-Peter Janitza mit Tränen in den Augen. Der Mann ist mit seiner 44 Jahre alten Frau und seinen Hunden "Bella" und "Bootsmann" seit vergangenem Montag in dem Notquartier. Seit jenem Tag, als kurz nach Mitternacht das Desaster in Fischbeck seinen Anfang nahm. Ein Deich der Elbe war gebrochen , riesige Wassermassen stürzten über den kleinen Ort herein. "Es gab keine Vorwarnung, es gab ein Knack und dann das große Rauschen", erinnert sich der 52-Jährige, dessen Haus etwa 500 Meter von der Elbe entfernt liegt. Soldaten der Bundeswehr retteten ihn. Viel mitnehmen konnte er nicht.

Er sei gut in Havelberg untergekommen, die Betreuung sei vorbildlich. Seelsorger und ein medizinischer Dienst stünden bereit, sagt Janitza. "Doch was wird danach, wo komme ich unter?", fragt er sich. Von seinem Haus sei nur noch der Schornstein zu sehen. "Soll ich es umschieben oder neu aufbauen?" fragt sich der Invalidenrentner, der wegen eines Arbeitsunfalls seinen Beruf als Anlagenbauer nicht mehr ausüben kann. Einen Bankkredit könne er deshalb wohl vergessen, meint er.

Häuser sind vom Wasser umzingelt

Nach dem Deichbruch in Fischbeck suchten sich die Fluten weitere Ortschaften, bedrohen auch den Ort Wulkau. Ein älteres Ehepaar, das seinen Namen nicht nennen will, hat deshalb seit Montag auch Zuflucht in dem Notquartier in Havelberg gesucht. "Wir waren am Wochenende noch einmal in unserem Haus, haben die Hühner gefüttert" sagt der Mann. "Das war wahrscheinlich das letzte Mal", ergänzt seine Frau. Das Haus sei vom Wasser umzingelt. Noch hoffen sie, wie 2002 mit einem blauen Auge davon zu kommen, doch die Chance sei eher gering. "Mein Mann kennt sich da aus, er hat seit 1954 als Wächter auf dem Deich gestanden", sagt sie.

Hochwassereinsatz beendet

In Wulkau selbst herrscht gespenstische Ruhe. Einige Menschen harren aus, wollen nicht gehen. Toralf Hennig von der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes fährt das, was von dem Ort übrig blieb, regelmäßig mit dem Fahrrad ab. "Hochwasser gab es hier schon immer mal, aber das hier ist neu", sagt er. "Wir müssen wieder mehr auf die Alten hören und gucken, wo die alten Deiche standen", ruft eine Frau. Die seien in letzter Zeit vernachlässigt worden. Das sei die erste wichtige Erkenntnis aus der Katastrophe.

Wegen des Hochwassers der Elbe wurden am Samstag im Landkreis Stendal zwei weitere Orte evakuiert. Die Menschen in den Ortschaften Jederitz und Kuhlhausen wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Weitere Menschen werden so in Havelberg Zuflucht suchen. Das sei nicht das Problem, ist aus dem Krisenstab des Landkreises zu hören, mehr als 900 Notbetten stünden allein in dem Ort bereit.

Hans-Peter Janitza und das Paar aus Wulkau richten sich auf weitere Tage in dem Notquartier ein. Selbst wenn es gelänge, den Deich bei Fischbeck am Wochenende zu schließen, können sie sich nicht vorstellen, schnell in ihre Orte zurückzukehren.

Aufräumen nach der Flut

 

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Kommentare
15.06.2013
12:43
Das Bangen der Flutopfer - Was kommt nach der Katastrophe?
von Karlot | #2

Warum?
Weil es Geld kostet!
Man ist sparsam.
Elb-Hochwasser sind selten, aber sie kommen vor. Auch in Vergangenheit. Auch wenn das Klima-Alarmisten nicht erfreut, denn gerne hätte sie es ja, wenn man die Katastrophe auf den Klimawandel könnte.

Man spart eben, wo man kann.

15.06.2013
12:21
Das Bangen der Flutopfer - Was kommt nach der Katastrophe?
von Pucky2 | #1

Also viele Flutopfer im Osten kommen noch mal mit einem Blauen Auge davon, da sie noch alte Vorkriegs-Elementarversicherungen haben, die heutzutage überhaupt nicht mehr abgeschlossen werden können.

Viel, viel stehen aber vor einem Scherbenhaufen

Mein Mitleid und Verständnis für die Not hat aber zwei dicke Abers!

Nämlich das die örtlichen Politiker Überschwemmungsgebiete als Bauland ausgegeben haben und das es Menschen gab, die da auch noch gekauft und gebaut haben... und das sogar nach den so genannten Jahrhundertfluten an Oder und Elbe.
Und Nummer 2, warum wurde in den letzten 10 Jahren nicht mehr zum Hochwasserschutz unternommen? Warum war der Flussblick wichtiger? Warum wurden so wenig Polder geschaffen?

Diese Katastrophe ist zum Teil selbst verursacht - durch Egoismus, Unbelehrbarkeit und Geldgier

2 Antworten
Das Bangen der Flutopfer - Was kommt nach der Katastrophe?
von kuhermi | #1-1

Ich frage mich ja auch warum das Umspannwerk in Magdeburg, was für mich aus sieht das erst nach 2002 gebaut worden ist.
Wenn man doch weiß das man in einem Flutgebiet lebt, warum baut man dann die endfindlichen Teile , die kein Wasser vertragen, nicht entsprecht höher aus?

Das Bangen der Flutopfer - Was kommt nach der Katastrophe?
von meinemeinung47 | #1-2

In Deutschland etwas zu bauen ist äußerst schwierig!
Häufig sind es gerade Bürger, die sich gegen solche Schutzmaßnahmen wie Deiche oder Überflutungspolder wehren. Den einen wird der doch so schöne Ausblick auf den Fluß versperrt, den anderen werden landwirtschaftliche Flächen genommen.
Außerdem war das letzte "Jahrhunderthochwasser" ja erst 11 jahre her, da hatte man ja noch 89 Jahre Zeit!

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