Constantin von Jascheroff findet Monarchie überholt

Die spanische Schauspielerin Diana Gomez als Infanta und der deutsche Schauspieler Constantin von Jascheroff als Prinz von Wales posieren am Set der Serie "Mit Dolch und Degen".
Die spanische Schauspielerin Diana Gomez als Infanta und der deutsche Schauspieler Constantin von Jascheroff als Prinz von Wales posieren am Set der Serie "Mit Dolch und Degen".
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Fürs Fernsehen schlüpft Constantin von Jascheroff gern in Kostüme. In der Arte-Serie „Dolch und Degen“ zeigt er, dass er auch reiten und fechten kann.

Straßburg.. Prinz Charles will die Infantin heiraten. Nein, Camilla Parker-Bowles hat keinen Grund, eifersüchtig zu sein, und auch das spanische Königshaus bleibt von einem weiteren Skandal verschont. Vielmehr spielt Constantin von Jascheroff den historischen Charles in der Serie „Mit Dolch und Degen“, die auf den Erfolgsromanen der Alatriste-Reihe von Arturo Pérez-Reverte basiert. Mit dem 29-jährigen Berliner sprach Hendrik Schulz.

Für „Mit Dolch und Degen“ haben Sie Reiten und Fechten gelernt. Was lag Ihnen als Kind eher?

Constantin von Jascheroff: Fechten. Aber Reiten ist auch eine tolle Sache! Und noch toller ist fechten beim Reiten. Beim Dreh zu „Mit Dolch und Degen“ gab es eine Szene, da musste ich vom Pferd springen und kämpfen. Das war schon sehr cool.

Wie kämpft und reitet es sich in den historischen Gewändern? Darin wird es doch sicher recht warm.

Von Jascheroff: Ich bin zerlaufen! Ich habe wirklich Männerstrapse getragen, darüber Stiefel bis zum Oberschenkel, Unterhemd, Rüschenhemd, Jacke und Mantel und dann bei 40 Grad in der prallen Sonne gefochten. Fünf Liter Wasser habe ich getrunken und war nicht einmal auf Toilette. Es soll authentisch und historisch korrekt aussehen – wunderschön, aber wirklich, wirklich warm.

Hilft es dabei, Parkourläufer zu sein?

Von Jascheroff: Ich bin kein wirklich guter Parkourläufer, ich habe das für einen Film gelernt. Aber Sportlichkeit hilft, grade bei so körperlichen Drehs.

Es spielen hauptsächlich Spanier mit. Wie haben Sie sich verständigt?

Von Jascheroff: Die Texte in Altspanisch musste ich lernen, Tag und Nacht (lacht). Hart wird es dann bei den Einsätzen, die Spanier plappern unheimlich schnell (lacht). Ich muss mich auf die Fecht-Choreografie konzentrieren, dabei reiten und den Einsatz erwischen. Eine tolle Herausforderung, es hat einen Riesenspaß gemacht. Ich bin sehr froh, dass Peter Lohner von Beta Film an mich geglaubt hat und wir das so toll zusammen hinbekommen haben.

Sie sind, zumindest bei den größeren Rollen, der einzige deutsche Schauspieler. Wie kommt’s?

Von Jascheroff: Weiß ich auch nicht. Ursprünglich hatte ich für den spanischen König vorgesprochen. Ich konnte kein Spanisch, aber dass sich da jemand ins kalte Wasser stürzt, hat offenbar Eindruck hinterlassen. Als ich ankam, sagten die Produzenten „Du bist unser Prinz“ (lacht). Innerlich hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, zum Cast zu gehören. Die haben sich natürlich kaputt gelacht, wie ich mit meinem falschen Spanisch den König gegeben habe.

Sind Sie froh dass Sie die Rolle des Charles bekommen haben und nicht die des Königs?

Von Jascheroff: Absolut! In meinen Augen die wesentlich schönere Rolle. Ich meine – ich durfte einen Prinzen spielen, genial! Ein großes Lob für mich, das tun zu dürfen.

Unter anderem sprechen Sie Russisch und Jascheroff klingt zumindest auch nach Russland. Hängt das zusammen?

Von Jascheroff: Mein Russisch ist ungefähr so wie mein Spanisch, das habe ich für einen Film gelernt. Und der Name stammt aus dem russischen Uradel, aus der Zeit Iwans des Schrecklichen. Mein Urururur-Großvater war ein Kriegsherr des Zaren. „Jascheroff“ war ein altes Fabelwesen, eine Mischung aus Dinosaurier und Salamander. Mein Urahn bekam den Namen als Adelstitel.

Was blaues Blut und das Kriegerische betrifft, sind sie also mit der Serie in gewisser Weise in die Fußstapfen ihres Vorfahren getreten – auch wenn Sie einen englischen Thronfolger namens Prinz Charles spielen. Halten Sie die Monarchie noch für zeitgemäß?

Von Jascheroff: Meiner Meinung nach haben Diktatur und Monarchie in der heutigen Zeit nichts verloren.

Ihr Lieblingswerk des Mantel- und Degen-Genres?

Von Jascheroff: Die Alatriste-Verfilmung (mit Viggo Mortensen, d. Red.) ist klasse, genauso dreckig wie ich mir das vorstelle. Dieses Zwiespältige, Brutale, außen hui, innen pfui – das hat der Film toll rübergebracht.

Sind Sie im Vergleich dazu zufrieden mit „Mit Dolch und Degen“?

Von Jascheroff: Dazu kann ich mir noch kein Urteil erlauben, weil außer den Szenen, die ich synchronisiert habe, nicht viel angeschaut habe. Ich kann nur sagen, dass der Dreh riesig viel Spaß gemacht hat.

Wo würden Sie „Mit Dolch und Degen“ in der Serienlandschaft einordnen? Liegt der Fokus auf dem Geschichtlichen, auf Politik? Es geht ja um politische und religiöse Verstrickungen.

Filmfestspiele Von Jascheroff: Ich glaube, es geht um interessante Charaktere, das ist gar nicht an die Zeit gebunden. Wenn man sich zum Beispiel die neue Serie Empire anguckt – das ist „Die Tudors“, nur in unserer Zeit. Das interessante an Serien ist, dass man hat nicht nur zwei Stunden hat, in denen der Schauspieler die Rolle spielt, sondern er sich entwickeln kann. Ob 16. Jahrhundert oder 2020 spielt keine Rolle. Ich mag das historische Genre, als eine Art Zeitreise. Die Leute und das Set verschmelzen mit der Vergangenheit, ein überwältigendes Gefühl.

Sie sind offenbar auf den Geschmack gekommen – in welcher Zeit würden Sie gern drehen?

Von Jascheroff: Berlin, 1920er Jahre, das goldene Zeitalter. Eine spannende Zeit, es gab tolle Autos und Erfindungen, die Musik hat sich weiterentwickelt, es wurde gefeiert und getrunken; die Kunst stand im Vordergrund, nicht der Profit.

Steht da zufällig etwas an?

Von Jascheroff: Wer weiß, wer weiß... Eventuell steht da etwas an (lacht).

Bekommen Sie als Musiker schonmal Lust, Filmmusik zu machen?

Von Jascheroff: Ich habe schon viele Filmmusiken geschrieben und in Griechenland sogar den goldenen Pegasus gewonnen. Musik ist eine große Leidenschaft und ein wichtiges Medium des Films. Sie transportiert Stimmungen und Emotionen.