Das aktuelle Wetter NRW 3°C
Filmkritik

„Cold Blood“ bietet Westernstoff in eisiger Winterkulisse

21.11.2012 | 18:07 Uhr
Zu allem bereit: Addison (Eric Bana) stapft durch das verschneite Michigan in Richtung Kanada.Foto: Jan Thijs/Studio Canal

Essen.   Vom Oscar zum Mainstream ist es kein weiter Weg. Diese Verlockung führte auch den Österreicher Stefan Ruzowitzky nach seinem prämierten Höhenflug „Die Fälscher“ in den Hollywood-Kommerz. Sein Erlebnis dort ist ein Thriller – und eine Art Western in eisiger Winterkulisse.

Vom Oscar zum Mainstream ist es kein weiter Weg. Diese Verlockung führte auch den Österreicher Stefan Ruzowitzky nach seinem prämierten Höhenflug „Die Fälscher“ in den Hollywood-Kommerz. Sein Erlebnis dort ist ein Thriller, der nun unter dem reißerischen Titel „Cold Blood – Kein Ausweg. Keine Gnade“ in unsere Kinos gelangt. Ein verbrecherisches Geschwisterpaar will nach einem Casinoüberfall über die Grenze nach Kanada. Auf der Flucht müssen sie nach einem Autounfall auf getrennten Wegen zu Fuß weiter. Addison (Eric Bana) trifft dabei auf einen Indianer, der im Wald arbeitet. Er tötet den Mann, weil er einen Motorschlitten mit sich führt.

Später gelangt er an ein entlegenes Haus, wo ein Mann lebt, der seiner Frau, die gerade ein Baby bekommen hat, übel mitspielt. Addison ist kein Unmensch. Er zahlt es dem Mann mit doppelter Münze zurück, der Frau und dem Kind gewährt er Schutz und Sicherheit in Form von gestohlenen Dollar.

Addison ist kein Unmensch – und zahlt mit doppelter Münze zurück

Addisons Schwester Liza (Olivia Wilde) trifft derweil auf den Ex-Boxer Jay (Charlie Hunnam), der seine viel versprechende Sportlerkarriere wegen eines Bandendelikts mit mehrjähriger Knaststrafe verkorkste. Als er wieder frei war und seinen Anteil einforderte, wollte man ihn über den Tisch ziehen. Jay wurde Opfer eines Temperamentsausbruchs und hat nun auch einen Toten im Kielwasser schwimmen.

Video
Nach einem Casino-Raub wollen sich Addison und seine Schwester Liza im verschneiten Michigan zur Grenze durchschlagen. Doch ein Autounfall setzt eine blutige Kettenreaktion in Gang. Thriller von Stefan Ruzowitzky. USA '12, FSK: ab 16. Start: 22.11.12

Liza ist ein Mädchen, das ihm gefällt. Er möchte sie seinen Eltern (der arg verwitterte Kris Kristofferson und die zur Grandma gereifte Sissy Spacek) vorstellen, die in einem Haus nahe der kanadischen Grenze wohnen. Liza informiert Addison von dem Treffpunkt. Der Polizeichef der Gegend und dessen Tochter (Treat Williams und Kate Mara) jagen die Geschwister und den Ex-Boxer. Im Hause von Jays Eltern treffen alle aufeinander.

Es ist zu viel Wasser und zu wenig Fleisch in der Suppe

Stefan Ruzowitzky kennt sich aus im harten Genre, immerhin inszenierte er mit „Anatomie“ den einzigen legitimen Horrorthriller deutscher Prägung, der auch beim Publikum gut ankam. Sein US-Debüt ist im Prinzip ein klassischer Westernstoff in eisiger Winterkulisse, faktisch hingegen das abschreckende Beispiel, was passiert, wenn ein renommierter Autorenfilmer aus Europa in Hollywood Genrekino mit psychologischem Tiefgang und Referenzen auf klassischen Suspense aufmischen will und dann erleben muss, was passiert, wenn die Produzenten plötzlich mitreden.

Es ist zu viel Wasser und zu wenig Fleisch in der Suppe. Tendenziell löbliche Actionhärten werden durch auffallend holprige Szenenwechsel, billige Dialogsätze und eine Soft-Erotikszene aus dem Gleis geworfen. Die Folge davon sind dramatische Ungereimtheiten wie etwa der Umstand, dass es für einen Film, der im eisigsten Winter spielt, eigentlich nicht sonderlich kalt sein kann, wenn Olivia Wilde in Jeans und Hochhackigen erst am Ende einer Fluchtnacht zu frieren beginnt und Eric Bana zwar einen Motorschlitten klaut, aber die Fahrt locker ohne Handschuhe übersteht.

Es liegt also etwas im Argen, wenn man mitten in einem Thriller über Logik nachzudenken beginnt. Es zeigt allerdings auch, was hier eigentlich möglich gewesen wäre, wenn man Ruzowitzky nicht ins Zeug gepfuscht hätte.

Uwe Mies



Kommentare
Aus dem Ressort
Medien: Studentin nach Prügelattacke für hirntot erklärt
Kriminalität
Gut elf Tage nachdem eine junge Türkin in Offenbach bei einer Prügelattacke lebensgefährlich verletzt wurde, ist die Frau von Ärzten nun für hirntot erklärt worden. Das jedenfalls wird in örtlichen Medien berichtet. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.
Stuttgart 21 - Prozess um Wasserwerfer-Einsatz eingestellt
Bahnhof
Mehrere zum Teil schwer Verletzte und kein Urteil: Gut vier Jahre nach dem harten Wasserwerfereinsatz gegen Stuttgart-21-Demonstranten ist der Prozess gegen zwei Polizisten eingestellt worden. Die Gegner des Bahnprojekts sprechen von einem "Justizskandal".
Kino-Spots von Hanf-Lobbyisten werben für legales Kiffen
Hanf
Der Deutsche Hanfverband will im Kino zeigen, welche Nachteile ein Verbot der Droge angeblich hat. Möglich wurden die Werbe-Spots, weil Hanfverbands-Chef Wurth in einer TV-Show eine Million Euro gewann. Bei der "Millionärswahl" versprach er, das Geld für die Cannabis-Legalisierung einzusetzen.
Bizarrer Auftritt von AC/DC-Schlagzeuger vor Gericht
Drogen-Prozess
AC/DC-Schlagzeuger Phil Rudd hat einen Gerichtstermin zum Spektakel gemacht: Unrasiert und ungekämmt erschien er nach Androhung eines Haftbefehls. Rudd erzürnte den Richter, irritierte Reporter und baute fast einen Unfall. Dabei waren größere Anklagepunkte gerade wieder fallengelassen worden.
Jeder dritte Jurastudent würde die Todesstrafe einführen
Todesstrafe
Junge Jurastudenten am Anfang ihrer Ausbildung würden die Todesstrafe wieder einführen. Laut einer Studie wächst bei ihnen insgesamt der Wunsch nach höheren Strafen. Auch bei den Ermittlungsmethoden können sich die angehenden Juristen vorstellen, zu drastischen Maßnahmen zu greifen.
Umfrage
Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?

Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?