Chinesische Firma baut Villa komplett aus dem 3D-Drucker

Die Villa sieht aus wie andere Gebäude im viktorianischen Stil. Sie stammt jedoch - bis auf die Fenster - aus einem 3D-Drucker.
Die Villa sieht aus wie andere Gebäude im viktorianischen Stil. Sie stammt jedoch - bis auf die Fenster - aus einem 3D-Drucker.
Foto: Felix Lee
Was wir bereits wissen
Die chinesische Firma WinSun fertigt erstmals gedruckte Fertighäuser an. Sie sind schnell fertig und billig – es gibt schon Häuser ab 5000 Euro.

Peking.. Im Zickzack fährt eine überdimensionierte Düse eine vorprogrammierte Bahn ab und schichtet eine wurstförmige graue klebrige Masse auf. Das ganze Prozedere erinnert an einen Konditor, der eine Torte mit dem Spritzbeutel verziert. Nur dass hier keine Sahne verspritzt wird, sondern ein Gemisch aus Zement, Bauschutt und Industrieabfällen. Bei der Düse handelt es sich um einen 3D-Drucker. Und „gespritzt“ werden eine Villa und ein fünfstöckiges Appartementhaus.

3D-Drucker fertigen längst Plastikskulpturen, Spielzeug, Maschinengewehre, sogar Autos. Und im vergangenen Jahr hat die chinesische Firma WinSun erstmals Fertighäuser gedruckt. An nur einem Tag spuckte der Drucker die Wände für zehn einstöckige Gebäude aus.

Medizin Nun sorgt das Unternehmen für eine weitere Premiere: In einem Industriepark im ostchinesischen Suzhou druckte WinSun eine zweistöckige Villa mit insgesamt 1.100 Quadratmeter Wohnfläche sowie einen fünfstöckigen Wohnblock - das bislang größte Objekt aus einem 3D-Drucker.

Wiederverwertung von Bauschutt

„Für ein Haus aus echtem Stein müssen Bergarbeiter mühselig die Steinblöcke frei klopfen und sie zur Baustelle schleppen“, sagt Firmenchef Ma Yihe. Das schade Mensch und Umwelt. „Mit dem 3-D-Drucker verwerten wir Bauschutt wieder.“ Das sei sehr viel schneller und günstiger. Der Drucker ist rund sechs Meter hoch und hat ein Druckbrett von mehr als 350 Quadratmetern Fläche. Für die Füllmasse verwendet das Unternehmen Bauschutt, schnell trocknenden Zement und ein spezielles Härtungsmittel. Diese Mischung wird erhitzt und durch Kanülen geleitet. Mit den Düsen spritzt der Drucker dann auf den Millimeter genau die vorher auf einem Computer entworfenen Wände und Dachteile.

Diese Elemente werden auf der Baustelle an herkömmliche Stahlträger gesteckt, mit Drahtgestellen verbunden und die Hohlräume mit Isolierstoffen gefüllt. Schon ist das Gebäude fertig. Nur die Fenster – sie werden weiterhin regulär geliefert. Das ist wie Lego, nur für Erwachsene.

Rasend schnell und kaum Abfall

Was vor allem am 3D-Drucker chinesischer Fabrikation beeindruckt, ist die Geschwindigkeit. Einen Tag dauert der Druckprozess, weitere fünf Tage der Zusammenbau. Das schaffen andere 3-D-Drucker bislang noch nicht. „Wir können mit dieser Technik so ziemlich jedes Gebäude entwerfen und drucken“, sagt Ma. Er tüftelt seit zwölf Jahren an der Technik und hat diesen speziellen 3D-Drucker entwickelt .

Gesundheit Von außen ist die ausgedruckte Villa kaum von einem anderen Gebäude im viktorianischen Stil zu unterscheiden. Dass sie quasi aus einem Guss kommt, hat sogar Vorteile: Risse an den Wänden wie sie häufig an chinesischen Häusern zu sehen sind, finden sich keine. Was den Innenausbau betrifft, dürfte sich der eine oder andere potenzielle Häuslekäufer ein Treppengelände aus echtem Holz wünschen und nicht eine Nachahmung aus Mischbeton.

Das Tolle: Es entstehe so gut wie gar kein Abfall, behauptet die Firmaq. Im Gegenteil: Bei dem Schutt handele es sich um Bau- und Industrieabfall, der so recycelt wird. Zudem verwendet der 3D-Drucker haargenau die Menge an Material, die der Computer vorher berechnet hat.

Messe Weniger Arbeitskraft

Auch die Kosten sind vergleichsweise gering. Bei nicht einmal einer Million Yuan liegt der Preis für die zweistöckige Villa, umgerechnet rund 140.000 Euro. Die einstöckigen Häuser, die die Firma vor einem Jahr gedruckt hat, sind bereits für umgerechnet rund 5000 Euro zu haben.

Die Firma WinSun geht davon aus, dass der 3-D-Druck im Vergleich zum herkömmlichen Hausbau 60 Prozent an Materialien einspart, 70 Prozent an Zeit und 80 Prozent an Arbeitskraft.