Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Fall Mirco

Chefermittler im Fall Mirco gibt Pannen bei Ermittlungen zu

09.11.2012 | 12:17 Uhr
Der Chef-Ermittler im Fall Mirco schildert in seinem Buch die intensive und emotional aufwühlende Suche nach dem zehn Jahre alten Mirco Grefrath am Niederrhein.Foto: dapd

Grefrath.  Auf 224 Seiten gibt der Chefermittler im Fall Mirco, Ingo Thiel, in seinem Buch "Soko im Einsatz" Einblick in die Ermittlungsarbeit im Fall Mirco. Thiel schildert die Suche nach dem Jungen als intensives, kräftezehrendes Unterfangen - bei dem auch Fehler passiert sind. Die jedoch, will kaum einer gern zugeben.

Ingo Thiel hat in seinem Berufsleben in fast alle Abgründe der menschlichen Seele geblickt. Der Kriminalhauptkommissar müsste abgehärtet sein, vielleicht sogar abgestumpft, doch als der Entführer und Mörder des kleinen Mirco schließlich gesteht, rinnen Tränen über sein Gesicht. "Da brach sich plötzlich alles Bahn, was sich über viereinhalb Monate angestaut hatte", erinnert sich der 48-Jährige.

Ingo Thiel leitete 145 Tage lang die akribische Suche nach dem zehn Jahre alten Mirco aus Grefrath am Niederrhein, einem der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Nun verarbeitet er seine Erlebnisse in einem Buch, das am Montag (12. November) erscheint.

Ermittler im Fall Mirco lässt tief blicken

Thiel, der von seinen Kollegen auch "Terrier" genannt wird, zeichnet die Ermittlungen im Detail nach. Zeugenaussagen, Termine vor Ort, Gespräche mit Mircos Eltern. Rückschläge und hoffnungsfrohe Momente im Hauptquartier der Ermittler in Dülken, einem Ort nahe Mircos Herkunftsort Grefrath.

Cover des neuen Buchs des Chefermittlers im Fall Mirco.Foto: Ullstein

Doch er belässt es nicht bei der puren Schilderung von Fakten. Der routinierte Thiel lässt tief blicken - in das Innerste des Polizeiapparats und das Innerste seines Herzens. Neben dem Fall Mirco schildert er im Buch auch, was im Fall des ermordeten Sascha aus Willich geschah und wie er und seine Kollegen einen Triebmörder fassten.

"Terrier" Thiel hatte kaum noch Freizeit bei Ermittlungen

Thiel ist ironischerweise Hobby-Jäger, doch er weiß: "Mörder und Entführer spürt man nicht so vergleichsweise einfach auf wie einen wilden Keiler." Für ihn und sein Team, das zeitweise bis zu 80 Leute umfasst und unglaublichen 9.900 Hinweisen nachgeht, gibt es kaum noch Freizeit, seine Frau Uta sieht er im Herbst und einen Teil des Winters 2010 praktisch nicht mehr.

Thiel lästert über Münster-"Tatort"

"Wir arbeiten an Weihnachten, an Silvester und an Neujahr. Wir arbeiten jeden Tag", lautet seine trockene Zusammenfassung. Echte Ermittlungsarbeit ist Knochenarbeit, da wirkt es wie Hohn und Spott, dass sein "Kollege" von der Fernsehreihe "Tatort" aus dem nicht weit entfernten Münster auch Thiel heißt, aber angesichts eines frischen Falls auch mal gerne alles Mögliche macht, nur nicht ermittelt.

Ermittler von Mircos Eltern berührt

Dagegen zeichnet der richtige Thiel das Selbstbildnis eines unerschütterlichen Idealisten: "Wir machen das hier nicht bloß, weil es halt irgendwer machen muss. Wir machen das vor allem für Sandra und Reinhard." Das sind die Eltern von Mirco, denen Thiel zu Beginn der Ermittlungen das Versprechen gibt, ihren Jungen zu finden.

Zu den beiden baut Thiel, der einen Sohn im gleichen Alter wie Mirco hat, eine persönliche Beziehung auf. Und er ist nicht der einzige. Thiel schildert, wie auch manche seiner Kollegen im Hauptquartier der Ermittler in Dülken von ihren Gefühlen übermannt werden, als Mircos Eltern im WDR Fernsehen einen flammenden Appell an den Täter senden.

Thiel gibt Pannen bei Mirco-Ermittlungen zu

Der Polizist Thiel bekennt sich aber auch offen zu Fehlern und schildert, wie Leute aus seinem Team gleich zu Beginn des Falls Mircos Eltern den Fund der Kleidung berichten, ohne dass klar ist, dass sie wirklich Mirco gehört. Ob sich jemand auch zu entschuldigen versucht? Wohl kaum. Allenfalls streichelt da ein Beamter sein eigenes Ego - nach mehr als 20 Jahren in der Abteilung 11 für Tötungsdelikte bei der Mönchengladbacher Polizei, nach denen er laut Verlag eine lupenreine Aufklärungsquote von 100 Prozent bei allen Fällen hat, die er von Anfang an betreute.

Mirco-Prozess
Höchststrafe für grausamen Mord

Am 3. September 2010 kehrte der zehnjährige Mirco nicht in sein Elternhaus zurück. Monate später wurde seine Leiche gefunden. Sein Mörder wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Dieses Buch verschafft nicht nur lebendige Einsicht in hoch spannende Polizeiakten und nächtliche Runden erschöpfter Ermittler beim Feierabendbier. Es ist auch eine Abschreckung für potenzielle Täter.

Denn Thiel schildert im Gegensatz zur simplen Welt der Fernsehermittler den Alltag einer gigantischen Fahndungs-Maschine, die schon nach kurzer Zeit in vollem Gange ist - bis zur Festnahme des Täters, die so geräuschlos und unspektakulär verläuft, dass man es Krimifan kaum glauben mag. Als der Hauptkommissar das erste Mal dem Täter Olaf H. gegenübersteht, sagt er schlicht: "Hab dich!" - wie ein Kind beim Fangenspielen. Er braucht diesen Satz vor allem als persönliche Genugtuung. (dapd)

  • Ingo Thiel, Bertram Job: Soko im Einsatz. Der Fall Mirco und weitere brisante Kriminalgeschichten, Ullstein extra, 222 Seiten, 14,99 Euro.

  • Auch die Eltern von Mirco haben ihre Eindrücke niedergeschrieben: Sandra und Reinhard Schlitter, mit Christoph Fasel: Mirco. Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen. Adeo-Verlag, 192 Seiten, 17,99 Euro.

Prozess im Fall Mirco
Trauer um Mirco

 


Kommentare
09.11.2012
17:48
Chefermittler im Fall Mirco gibt Pannen bei Ermittlungen zu
von Friendly_Fire | #2

Wieso darf dieser arme Junge nicht endlich in Frieden ruhen?

Stattdessen wird jetzt noch versucht, mit dem Schicksal des Jungen Geld zu verdienen.

Das gilt sowohl für die verantwortungslosen Eltern (Wie kann man einen 10jährigen Jungen Abends um 22 Uhr draußen sich selbst überlassen?), als auch für den Herrn Chefermittler, der immerhin für eine Reihe von Ermittlungsfehlern Verantwortung trägt.

R.I.P. Mirco !

09.11.2012
17:43
Chefermittler im Fall Mirco .............
von spruehsahne | #1

Was springt denn für „der Westen“ bei dieser großformatigen Werbekampagne heraus?

Aus dem Ressort
Zwölf Menschen sterben in Lawine am Mount Everest
Unfälle
Es ist das schwerste Unglück in der Geschichte des Bergsteigens am Mount Everest. Eine Lawine hat am Freitag mindestens zwölf Nepalesen in den Tod gerissen. Sieben weitere Bergführer und Träger seien geborgen worden. Mehrere Menschen werden noch vermisst.
Schweres Erdbeben erschüttert Mexiko
Erdbeben
Ein schweres Erdbeben hat am Freitag das mittlere und südliche Mexiko erschüttert. Das Zentrum des Bebens der Stärke 7,2 lag rund 36 Kilometer nordwestlich der Ortschaft Tecpan im Bundesstaat Guerrero nahe der Pazifikküste, wie die US-Erdbebenwarte USGS mitteilte.
"Kepler" erspäht erdgroßen Planeten in bewohnbarer Zone
Wissenschaft
Astronomen haben nach eigenen Angaben erstmals einen erdgroßen Planeten in der bewohnbaren Zone nahe eines anderen Sterns entdeckt. Wasser könnte auf der fernen Welt flüssig sein, wie die Forscher um Elisa Quintana vom US-amerikanischen Seti-Institut im Fachjournal "Science" berichten.
Schulleiter begeht Selbstmord nach Fährunglück in Südkorea
Fähr-Katastrophe
Nach dem Fährunglück in Südkorea mit wahrscheinlich 300 Toten haben die Ermittler Haftbefehl für drei Besatzungsmitglieder beantragt, darunter auch der Kapitän. Unterdessen hielt der Vize-Direktor der am schlimmsten betroffenen Schule die Selbstvorwürfe nicht aus — er beging Selbstmord.
Ex-Computer von Bill Clinton bringt über 60.000 US-Dollar
Auktion
Bei Ebay hätte ein Gerät dieses Typs umgerechnet vielleicht noch 50 Euro gebracht. Auf einer Auktion in Boston waren es ein paar Tausend Euro mehr. Ein Laptop, das einst Ex-US-Präsident Bill Clinton genutzt hatte, brachte auf einer Auktion in den USA nun ein hübsches Sümmchen.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

 
Fotos und Videos