Chefarzt streitet Vorwurf des sexuellen Missbrauchs ab

Im Klinikum Bamberg soll der Chefarzt mehrere Frauen missbraucht haben.
Im Klinikum Bamberg soll der Chefarzt mehrere Frauen missbraucht haben.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Hat er unter dem Vorwand einer medizinischen Studie Frauen betäubt und missbraucht? In Bamberg beginnt der Prozess gegen einen ehemaligen Chefarzt.

Bamberg.. Ein ehemaliger Bamberger Chefarzt hat den Vorwurf zurückgewiesen, Patientinnen sexuell missbraucht zu haben. Der 49-Jährige kündigte über seinen Anwalt an, im Prozess vor dem Landgericht Bamberg ausführlich Stellung zu nehmen. "Er wird der Wucht der erhobenen Vorwürfe entgegentreten", teilte der Verteidiger Klaus Bernsmann am Dienstag zum Prozessauftakt mit.

Zugleich kritisierte der Anwalt eine Vorverurteilung seines Mandanten. Die Unschuldsvermutung sei grob missachtet worden. So sei die Staatsanwaltschaft früh und detailliert mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen. Das Klinikum habe schon jetzt Geld an die betroffenen Frauen gezahlt. "Warum wird nicht abgewartet, bis ein rechtskräftiges Urteil gefallen ist?", sagte Bernsmann.

Klinikum Bamberg kündigte dem Chefarzt sofort

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Spezialisten für Gefäßchirurgie Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vor. Im vergangenen Sommer waren die Vorwürfe ans Licht gekommen. Das Klinikum Bamberg kündigte dem ehemals angesehenen Mediziner daraufhin. Dieser hatte erklärt, nur medizinisch plausible Untersuchungen ohne sexuelle Motivation vorgenommen zu haben. Zwölf mutmaßliche Opfer treten als Nebenklägerinnen auf. Vier von ihnen waren auch am Dienstag im Gerichtssaal dabei.

Körperverletzung Laut Anklage hat der 49-Jährige junge Frauen im Klinikum ohne deren Wissen betäubt. Diesen Zustand habe er dann ausgenutzt, "um sich sexuell an ihnen zu vergehen". Dabei soll er auch den Intimbereich der Frauen fotografiert und gefilmt haben.

Eine Medizinstudentin hatte den Fall ins Rollen gebracht: Unter dem Vorwand einer Studie, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nie existierte, soll der Arzt sie missbraucht haben. Erinnern könne sich die junge Frau an nichts, da sie betäubt worden sei. Der Mediziner habe dagegen gesagt, er spritze lediglich Kontrastmittel. Die Studentin wurde wegen ihrer Erinnerungslücken stutzig und ließ ihr Blut untersuchen. Dabei wurde das betäubende Medikament nachgewiesen.

Jüngstes Opfer war erst 17 Jahre

Das jüngste mutmaßliche Opfer war zum Tatzeitpunkt laut Anklage 17 Jahre alt. Die Frau war zuvor wegen einer Erkrankung des Beckens im Klinikum Bamberg behandelt worden, der damalige Chefarzt soll sie am frühen Abend erneut zu einer Untersuchung gebeten haben. (dpa)