Brummiger Macho mit Herz

Hamburg..  Jetzt ist, wie er sagt, wieder alles „tippitoppi“. Lange Zeit sah’s anders aus. Im vorigen Jahr traf Jan Fedder eine „Doppelklatsche“, Mundhöhlenkrebs, gefolgt von Blutvergiftung. Reha war unumgänglich. Sie hat was gebracht. Der Hamburger Jung’ durfte sich rechtzeitig zum runden Geburtstag gesund zurückmelden. Am Mittwoch wird er 60.

Jan Fedder ist ein Original. Knautschgesicht, Dreitagebart, skeptischer Blick: Glamour geht anders. Fedders Gesicht verrät, dass er gern gelebt hat und dabei nicht immer vorsichtig war. Es verrät auch, dass der heutige Nichtraucher für seine wilden Jahre einen hohen Preis zahlen musste. Fedder versteckt das nicht. Im Gegenteil: Manchmal kokettiert er sogar damit.

Für den roten Teppich ist Fedder nicht. Dafür ist er – Markenzeichen: Lederjacke, Stricktroyer, Jeans – aber stets auf dem Teppich geblieben. Zwischen ihm und seinen Rollen gibt’s eine große Schnittmenge – die beste Voraussetzung für einen Volksschauspieler.

Kiez-Polizist Dirk Matthieswird zu seiner Paraderolle

„Ob ich Schauspieler werden will? Das wusste ich schon mit zehn“, verriet Fedder einmal im Gespräch mit dieser Zeitung. Als Meister der Anekdote schob er mit trockenem Hamburger Humor nach: „Das haben die schon beim Arbeitsamt begriffen. Als ich mit 18 da war, schrieben die: Jan kann eigentlich nur Schauspieler werden. Wir aber empfehlen eine kaufmännische Lehre.“

Der Rat half wenig. Fedder folgte seiner Berufung. Mit 13 schon stand er vor der Kamera. So richtig tauchte er in der Szene aber erst mit dem „Boot“ auf. Die 15-monatigen Dreharbeiten zu Wolfgang Petersens Kino-Klassiker hat Fedder nicht vergessen. Der überwiegende Teil der Crew war nicht bei der Bundeswehr. Nach nur wenigen Drehtagen entstand eine Klassengesellschaft, geordnet nach Dienstgraden. Und der Regisseur arbeitete mit „Zuckerbrot und Peitsche“. Fedder: „Ich hab’ oft die Peitsche gekriegt.“

Aber die Rolle seines Lebens sollte erst noch kommen. Seit 1990 ist Fedder Kiez-Polizist Dirk Matthies im „Großstadtrevier“. Was ihn auszeichnet: Er spricht seine Texte, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, mit breitem Hamburger Akzent. Das wirkt alltagsnah. Zudem trägt Fedder die Uniform so beiläufig wie seine zweite Haut. Obendrein verkörpert er den brummigen Macho mit Herz, den Anwalt der kleinen Leute ohne Angst vor großen Tieren. Dafür liebt ihn sein Publikum so sehr, dass Fedder unter lauter Vorabend-Sternchen der einzige Star wurde.

Ähnlich wie sein Münchner Kollege Fritz Wepper gelang Fedder eine zweite Serien-Karriere. Seit 2001 erzählt er als Bauer Kurt Brakelmann „Neues aus Büttenwarder“ – gemeinsam mit Peter Heinrich Brix als Arthur Tönnsen. Die beiden spielen Bauern-Theater in bestem Sinn. Sie zeigen ihrem Publikum, dass die scheinbar schlichten Land-Leute in Wirklichkeit ziemlich bauernschlau sind. Kein Wunder, dass die Serie aus dem Dritten Programm des NDR inzwischen eine bundesweite Fan-Gemeinde hat.

Ein Schauspieler als Teamspieler: „Ehrgeiz kenne ich nicht“

Fedders Stadt- und Land-Rolle verbindet eines: Der Schauspieler zeigt sich stets als Teamspieler. „Ehrgeiz“, sagte Fedder einmal, „kenne ich nicht.“

Das stimmte – zum Teil. Tatsächlich wollte der Volksschauspieler aus dem Korsett seiner Erfolgsrollen ausbrechen. Er wollte zeigen, dass er auch mal vielschichtigere Rollen spielen kann – und nutzte seine Chance auf dem „Feuerschiff“ so gut, dass er der Parade-Darsteller von Figuren aus dem Universum von Siegfried Lenz wurde. „Das passt wie die Faust aufs Auge,“ sagte Fedder einmal.

Nach dem Sechzigsten kehrt er wieder zu seinen TV-Erfolgen zurück. Fedder muss ins „Großstadtrevier“ und nach „Büttenwarder“. Nebenher kümmert er sich als „Hafenpastor“ um seine Schäfchen: die kleinen Leute im Kiez.

Dort kennt er sich übrigens bestens aus. Er wuchs nämlich auf als Sohn eines Kneipenwirts in St. Pauli.