Brennende Fähre vor Korfu

Das havarierte Schiff inmitten der stürmischen See.
Das havarierte Schiff inmitten der stürmischen See.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Hunderte Menschen sitzen vor Korfu auf der havarierten Fähre „Norman Atlantic“ fest. Das schlechte Wetter erschwert den Rettungsmqannschaften die Arbeit. Bis zum Einbruch der Dunkleheit konnten erst 150 Menschen geborgen werden.

Athen/Rom..  Am Abend vor dem Unglück habe er noch mit der Reederei gestritten, erzählt Panagiotis Panagiotopoulos erbost dem griechischen Radiosender „Skai“. „Verantwortungslos“ nennt der Spediteur, der zwei seiner Fahrer an Bord hat, das Unternehmen Anek Lines – und das Schiff „nicht geeignet“. Tatsächlich sollen auf der Unglücksfähre „Norman Atlantic“, die seit Sonntagmorgen brennend und manövrierunfähig vor Korfu in der Adria treibt, bei einer Inspektion der Hafenbehörde von Patras am 19. Dezember Sicherheitsmängel festgestellt worden sein. Dem staatlichen griechischen Fernsehen zufolge sollen an Bord Rettungsmittel und Evakuierungspläne fehlen, Sicherheitstüren undicht und die Notbeleuchtung in schlechtem Zustand gewesen sein. Der Reederei sei eine zweimonatige Frist zur Behebung der Mängel eingeräumt worden.

„Niemand kann etwas machen“

Die Menschen, die am Sonntag an Bord der „Norman Atlantic“ um ihr Leben bangen, während Rauchsäulen den Himmel ver­dunkeln und der Wind die Wellen peitscht, wissen davon nichts. Sie erleben einen Alptraum. Vor Anbruch der Dunkelheit können erst 150 Menschen gerettet werden. Darunter ist nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa auch eine hochschwangere Frau, die zusammen mit ihren zwei Kindern ins Wasser gefallen war.

Verzweifelte Passagiere melden sich via Handy beim griechischen Radiosender Skai, berichten entsetzt, dass das Schiff immer wieder von Explosionen erschüttert werde. „Niemand kann etwas machen“, schildert ein Mann die Notlage. Die zur Rettung herbeigeeilten Schiffe kämen wegen der schweren See nicht heran. „Wir sehen fast nichts mehr vor Rauch.“

Jannis, der sich auf ein Containerschiff retten konnte, erzählt später: „Das ganze Schiff stand in Flammen.“ Seine Frau sei in einem anderen Rettungsboot als er selbst untergekommen. „Aber das ist hier nie angekommen...“ In Krankenhäusern warten Kinder auf Nachricht von ihren Eltern.

Die Lage ist unübersichtlich, die Angaben sind widersprüchlich. Sicher scheint, dass das Feuer im Morgengrauen auf der Fähre der griechisch-italienischen Reederei Anek Lines ausbricht. Vermutlich im Autodeck. 473 Menschen sind da nach offiziellen griechischen An­gaben an Bord, darunter auch 14 Deutsche. Viele der Passagiere sind Lkw-Fahrer.

Die „Norman Atlantic“ war seit Samstagnachmittag vom griechischen Hafen Patras über Igoumenitsa nach Ancona in Italien unterwegs. Zwar sagt am Morgen der griechische Minister für Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis, dass niemand vermisst werde. Aber er räumt ein, dass die Rettung alles andere als glatt läuft.

„Das große Unglück ist, dass das Wetter überhaupt nicht hilft“, sagt Pantelis Trikilis von der Reederei Kyklades Maritime, deren Schiff zu Hilfe geeilt ist, dem Sender Skai. Bei Windstärke neun könnten weder andere Schiffe noch deren Rettungsboote einfach an den Havaristen heranfahren und Menschen aufnehmen. Deshalb versuchen zunächst mehrere Schiffe am Unglücksort, eine Art schwimmende Barriere gegen die Wellen zu bilden. Das italienische Fernsehen zeigt, wie Schiffbrüchige per Hubschrauber aus dem rund 18 Grad kalten Wasser gezogen werden.

Doch weil auf der Unglücksfähre Maschine und Strom ausgefallen sind, wird die Rettungsaktion zu einem Wettlauf mit der Zeit. Versuche, das havarierte Schiff in Schlepp zu nehmen, scheitern. Den Rettern bleibt nur, vor Einbruch der Dunkelheit möglichst viele Passagiere zu bergen.