Boykott-Aufruf gegen "Thomas Cook" nach tragischem Unfall

Das Reiseunternehmen Thomas Cook sieht sich derzeit einem „Shitstorm“ im Internet ausgesetzt.
Das Reiseunternehmen Thomas Cook sieht sich derzeit einem „Shitstorm“ im Internet ausgesetzt.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Shitstorm im Netz: Wegen des tragischen Todes zweier Kinder im Urlaub auf Korfu hagelt es reichlich Boykottaufrufe gegen den Reiseveranstalter "Thomas Cook".

London.. Das Reiseunternehmen Thomas Cook sieht sich zurzeit Boykottaufrufen und einem „Shitstorm“ im Internet ausgesetzt. Schuld daran ist die Art und Weise, wie das Unternehmen auf einen tragischen Vorfall reagiert hat, der sich vor mehr als acht Jahren ereignete.

Neil Sheperd machte im Oktober 2006 mit seinem sechsjährigen Sohn Billy und seiner siebenjährigen Tochter Christi Urlaub auf der Insel Korfu. In dem Hotelbungalow, in dem sie untergebracht waren, befand sich ein defekter Gasboiler. Das austretende Kohlenmonoxid vergiftete die drei im Schlaf. Als der Vater nach drei Tagen Koma im Krankenhaus aufwachte, erfuhr er, dass seine beiden Kinder gestorben waren.

Tourismus Ein Strafprozess in Griechenland fand im Jahr 2010 statt, bei dem vier Hotelangestellte zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verur­teilt wurden. Zwei Thomas-Cook-Mitarbeiter wurden damals freigesprochen. Der Reiseveranstalter verlangte dann vom Hotelier Schadensersatz und bekam ihn auch: drei Millionen Pfund. Die Eltern der beiden toten Kinder erhielten dagegen gerade einmal 350. 000 Pfund. Die berichten, die hätten in den letzten achteinhalb Jahren versucht, mit Thomas Cook in Verbindung zu treten, seien aber auf eine „Mauer des Schweigens“ gestoßen: keine Einlassung, keine Entschuldigung.

Thomas Cook hat seine Sorgfaltspflicht verletzt

In der letzten Woche fand in Großbritannien eine gerichtliche Untersuchung der Todesumstände statt. Eine Jury befand, dass Thomas Cook seine Sorgfaltspflicht verletzt habe. Während der Anhörung machten mehrere Cook-Manager von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Der Konzernchef Peter Fankhauser sagte zwar aus, wollte sich aber bei den Eltern nicht für den tragischen Vorfall entschuldigen – wohl auf Anraten seiner Anwälte, die vor ei­nem Schuldeingeständnis gewarnt hatten. Es gebe, sagte Fankhauser, „nichts, wofür er sich entschuldigen müsse.“ Kein Wunder, dass das zu negativen Schlagzeilen und wütenden Angriffen in der britischen Presse führen musste.

Als schließlich der Spruch des Gerichts auf „ungesetzliche Tötung“ lautete und eine Mitschuld von Thomas Cook feststellte, war die öffentliche Empörung in Großbritannien groß.

Sie wurde noch angeheizt, als erstmals bekannt wurde, dass das Unternehmen eine Entschädigung von drei Millionen Pfund erhalten hatte. Schnell stand das Unternehmen im Internet am Pranger. Man habe Profit aus dem Tod zweier Kinder geschlagen, hieß es. Der Konzern sei hartherzig und uneinsichtig, schrieb ein Kritiker. Thomas Cook soll „uns allen einen Gefallen tun und pleitegehen“, postete Jay Toffee, ausgerechnet auf der Facebook-Seite des Unternehmens.

Fast 4000 Unterschriften

Der „Shitstorm“ will kein Ende nehmen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde ein Account namens „Boycott Thomas Cook“ eingerichtet. Eine gleichnamige Kampagne auf der Internetpetitionsseite „38 Degrees“ erhielt in kurzer Frist fast tausende Unterschriften. Die Forderung „Buchen Sie nicht bei Thomas Cook“ findet immer mehr Resonanz in den sozialen Netzwerken. Und eine auf sensationelle Geschichten stets begierige britische Massenpresse facht den Sturm, der Thomas Cook ins Gesicht bläst, weiter an.

Schließlich rang sich Konzernchef Peter Fankhauser doch noch zu einer Entschuldigung durch. „Der Tod dieser beiden Kinder tut mir sehr leid“, sagte der Geschäftsführer. „Es ist offensichtlich, dass es in der Vergangenheit eine Menge Fehler in unserer Beziehung zu dieser Familie gab.“