Boston-Bomber sitzt entspannt im Gericht

Boston..  Dschochar Zarnajew, der Angeklagte, sitzt scheinbar entspannt auf seinem Stuhl. Weiße Hose, dunkler Pullover, die Lockenpracht hat der junge Mann behalten. Seit dem Terroranschlag auf den Boston Marathon vor zwei Jahren hat er sich allerdings ums Kinn herum einen Bart wachsen lassen, was den 21-Jährigen nicht mehr ganz so jungenhaft erscheinen lässt wie nach seiner Festnahme. Ruhig und seltsam unbeteiligt wirkt der Angeklagte an diesem Montagmorgen – dabei geht es für ihn buchstäblich um Leben oder Tod.

Es ist ein eigenartig unspektakulärer Auftakt eines spektakulären Prozesses. Drei Tote und über 260 Verletzte hat es bei dem mit zwei selbstgebauten Bomben verübten Massaker am 15. April 2013 gegeben - der schwerste Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Bereits zum Auftakt wird klar, dass dies ein ganz besonderes Verfahren ist: Sage und schreibe 1200 Juryanwärter sind aufgerufen – so viele wie noch nie in der Justizgeschichte von Massachusetts.

Doch an diesem Montag - und in den nächsten Tagen - müssen die Juryanwärter erst einmal Fragebögen ausfüllen. Es heißt, so solle ausdrücklich geklärt werden, ob sie auch bereit seien, die Todesstrafe zu verhängen. „Dieser Prozess unterscheidet sich von vielen anderen Prozessen“, betont auch der Richter George O’Toole.

Jury soll keine Zeitung lesen

Um ihre Unabhängigkeit zu wahren, so der Richter, sollen sie über den Prozess keine Zeitungen lesen, keine Nachrichten schauen, keine Webseiten anschauen. „Blättern sie die Seite um, wechseln sie den Sender.“ Plötzlich wird der Richter ganz ernst: „Das ist eine Anordnung des Gerichts.“ Geradezu eine Todsünde wäre es, aktiv übers Internet mehr über den Prozess zu erfahren. „Also, nicht googeln!“ Fast mutet es an, als sollten die Geschworenen in eine Art Konklave geschickt werden.