Böser Foto-Spott über United zeigt deutschen Sicherheitskurs

United-Passagiere, die sich aus Protest Helme angezogen haben? Das Foto zeigt etwas anderes, als viele Menschen in sozialen Netzwerken glauben oder glauben wollten.
United-Passagiere, die sich aus Protest Helme angezogen haben? Das Foto zeigt etwas anderes, als viele Menschen in sozialen Netzwerken glauben oder glauben wollten.
Foto: Krav Maga Street Defence
Passagiere mit Helmen im Flieger als Symbolbild des Ärgers über United Airlines: In Wahrheit ist eine Szene in Deutschland zu sehen.

Chicago/Essen.  Nach dem rabiaten Rauswurf eines Passagiers aus dem überbuchten United-Flieger kippte das Netz Wut, Hohn und Spott über die US-Fluggesellschaft. Eine besonders bissige Kritik zeigt aber in Wahrheit einen Lehrgang eines Essener Nahkampf-Ausbilders.

Fluggäste, die in den Ledersitzen Helme auf dem Kopf haben, dazu der Text „Passagiere auf einem Flug von United Airlines heute“: Manche Nutzer in sozialen Netzwerken erkannten das Foto in sozialen Netzwerken als Satire, einige fragten nach, ob das wirklich echt ist, und viele nahmen es tatsächlich für bare Münze: Fluggäste, die gegen die Unternehmenspolitik von United Airlines protestieren.

Verräterisches Condor-Logo im Bild

Auf Twitter und Facebook wurde es von vielen Accounts gepostet, auf fast 30.000 Retweets kam das Bild, als es vom meist ernsthafte Nachrichten teilenden Account „@TheSpectatorIndex“ verbreitet wurde. Auf Reddit wurde dieses Bild mehr als 3000-fach kommentiert.

Das Foto liefert aber schon einen deutlichen Hinweis, dass darauf keine ängstlichen oder spöttischen United-Passagiere zu sehen sind. Über der hinteren Sitzreihe ist „Condor“ zu lesen, hinter diesen Plätzen ist eine Wand, kein Durchgang nach hinten. Condor selbst kommentierte das Foto auf Twitter zwar mit einem Smiley, lieferte aber zunächst auf Nachfragen keine weiteren Erklärungen.

„War Scherz eines Freundes“

Die Suche nach der Quelle des Fotos führt zum Account eines französischen Twitterers, der das Bild bereits zwei Tage vor der großen Welle gepostet hat – mit vergleichsweise wenig Resonanz. Sein Kommentar dazu: „Die Passagiere von United sind jetzt vorsichtig.“ Unserer Redaktion schrieb er auf Nachfrage, ein Freund habe sich mit dem Bild einen Scherz erlaubt. Und er liefert einen Namen: Es sei entstanden bei einem Kurs des Deutschen Michael Rüppel.

Der ist als Coach für ein Seminar in Florida, als unsere Redaktion ihn erreicht. Rüppel war nach eigenen Angaben schon Personenschützer von Jean-Claude van Damme und führt das Krav Maga Street Defense Center Essen , ein Unternehmen, das die israelische Kampftechnik Krav Maga vermittelt. Krav Maga erklärt er so: „Keine Kampfkunst, ein effektives System für die Straße, um Menschen schnellstmöglich wehrfähig zu machen.“ Rüppel schult Sicherheitskräfte in aller Welt – und machte das auch in der Szene, die nun als United-Kritik um die Welt gegangen ist. Es ist ein Screenshot aus einem Video, aufgenommen vor zwei Jahren unweit des Frankfurter Flughafens im Trainingscenter von Condor. Ein Condor-Sprecher hat das zwischenzeitlich bestätigt. „Sicherheit ist ein wichtiges Thema, wir unterstützen solche Angebote.“

Video zeigt Umgang mit Terroristen an Bord

In dem Video geht es um den Umgang mit Terroristen in einem Flugzeug. 30 bis 50 Teilnehmer habe er in solchen Seminaren, Behördenvertreter ebenso wie Crew-Mitglieder aber auch Privatpersonen. Von der Verbreitung der Szene habe er durch einen Schüler erfahren. „Er hat mir den Link zu Twitter geschickt, und ich habe dann gesehen, dass es sich viral verbreitet.“ Etwas, was er mit einem lachenden und einem weinenden Auge registriert.

Einerseits sei es schön, wenn das eigene Foto so viel Anklang finde. „Aber die Leute, die so etwas benutzen, fragen nicht nach den Rechten. Und sie benutzen es ja, um sich über eine Szene lustig zu machen, die gar nicht so lustig ist.“

Inzwischen gibt es auch Prügel-Spiel

Kritik sei sicher berechtigt: Es sei ein „absolutes No-Go“, dass eine Fluggesellschaft so mit einem Passagier umspringt, nur weil sie selbst einen Fehler gemacht hat. Passagier Dr. David Dao hat nach Angaben seines Anwalts einen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung erlitten sowie Zähne verloren . Rüppel: „Der findet das sicher nicht spaßig.“

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Für die Fluggesellschaft wird der Zwischenfall durch die Reaktionen im Netz zur PR-Katastrophe. Neben solchen Bildern gibt es inzwischen sogar ein simpel gestricktes Spiel für Android, bei dem es Ziel ist, Fluggäste aus der Maschine zu kicken.

Im Spott für die Fluggesellschaft geht fast unter, dass das Unternehmen die Lektion inzwischen offenbar verstanden hat. Der Vorstandschef hat sich nach anfänglichen lahmen Erklärungen nun zu einem Fehler bekannt. United hat zudem über Ostern seine Regeln für mitfliegende Crew-Mitglieder geändert : Die dürfen sich nicht mehr bis zur Abflugzeit einbuchen lassen und damit bereits im Flieger sitzenden Passagieren die Plätze streitig machen. Nun gilt, dass sie nur bis 60 Minuten vor Abflug einen Platz beanspruchen können – damit keinem Passagier mehr sein bereits eingenommener Platz weggenommen wird. Das sei ein erster Schritt, wird eine Sprecherin zitiert.

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