Das aktuelle Wetter NRW 21°C
Verbraucher

Böse Überraschung bei der Wasserrechnung

09.07.2013 | 16:57 Uhr
Böse Überraschung bei der Wasserrechnung
Eine Protokollpflicht für den Monteur gibt es beim Einbau des Gerätes nicht.Foto: Thomas Nitsche / WAZ FotoPool

Duisburg.   Ärgernis der Woche: Beim Einbau eines neuen Wasserzählers sollten Verbraucher aufpassen. Im Zweifelsfall ist der Bewohner beweispflichtig. Daher: Zählerstand notieren.

Zwei Monate lang hatte Michael Hendrix seine zuvor gekaufte Wohnung für einen neuen Mieter herrichten lassen. In dieser Zeit wohnte niemand darin. Nur die sanitären Anlagen wurden gelegentlich von den Handwerkern genutzt. Umso erstaunter war der Duisburger, als die Wasserrechnung eintraf. Von Ende Oktober bis Anfang Januar soll er 72 Kubikmeter Frischwasser verbraucht haben. „Ich weiß nicht, wo diese Menge hin geflossen sein soll“, sagt der Bestattungsunternehmer. Einen Rohrbruch habe es jedenfalls nicht gegeben. Ein Vergleich zeigt, warum Hendrix stutzig wurde. Im Durchschnitt verbraucht ein Bundesbürger täglich 126 Liter Wasser. Das macht auf den Rechnungszeitraum bezogen rund 8000 Liter. Die Stadtwerke Duisburg wollten aber das Entgelt für 72 000 Liter.

Unangemeldet ausgetauscht

„Betreffend meines Wasserzählers kann es nicht mit rechten Dingen zugehen“, schreibt der 57-jährige daraufhin an die Stadtwerke Duisburg. Der Zählerstand soll bei 803 gelegen haben, als ein Monteur ihn einbaute. „Das war ein Überraschungsangriff“, erinnert sich Hendrix. Der Fachmann kam unangemeldet, wechselte im Keller die Geräte aus und verschwand wieder. Ein Protokoll über den Zählerstand bekam der Wohnungsinhaber nicht. Und nun mutmaßt er, dass der Zählerstand zu diesem Zeitpunkt schon deutlich weiter vorangeschritten war. Auf den Kosten von wohl mehr als 100 Euro bleibt der Unternehmer wohl sitzen. Da konnte auch unsere Redaktion nicht helfen.

Denn die Stadtwerke versichern, dass mit dem Wasserzähler alles in Ordnung war. Sie schickten Hendrix sogar ein Foto, das den Zählerstand dokumentiert, das allerdings bereits ein Jahr vor dem Einbau bei ihm aufgenommen wurde. „Der ausgebaute Zähler wird zerlegt, gereinigt, instand gesetzt, geeicht und verplombt“, erläutert Helmut Schoofs, der Sprecher des Versorgers. Danach könne er wieder eingebaut werden. So erkläre sich auch der lange Zeitraum zwischen der Aufnahme des Fotos und der Wiederverwendung des Zählers. Am Stand ändert dies nach Aussage der Stadtwerke nichts.

So steht Aussage gegen Aussage. Da Michael Hendrix beim Einbau keinen Blick auf den Zählerstand geworfen hat, kann er seine Vermutung nicht belegen. „Ich war zu gutgläubig“, sagt er rückblickend.

Denn eine Protokollpflicht für den Monteur gibt es beim Einbau des Gerätes nicht. „Bezweifelt der Mieter das Ergebnis des Wasserzählers, ist er grundsätzlich beweispflichtig“, erläutert Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB). Beim Einzug in die Wohnung sollten Mieter deshalb den aktuellen Zählerstand notieren. Der Mieterbund bietet dafür im Internet ein Wohnungsübergabeprotokoll an, in dem dies neben dem Strom- oder Gasverbrauchsstand vermerkt werden kann.

Ähnliche Fälle werden immer wieder bekannt. Mitunter geht es um große Wassermengen und entsprechend hohe Entgeltforderungen. Wo liegen die Fehlerquellen? „In den überwiegenden Fällen sind Leckagen wie Rohrbrüche, tropfende Wasserhähne, Toilettenspülungen oder ein geändertes Verbrauchsverhalten die Ursache für ungewöhnlich hohe Verbräuche“, erläutert Sprecher Schoofs. In den seltensten Fällen gehe dies auf fehlerhafte Wasserzähler zurück.

Sollte die verbrauchte Wassermenge zwischenzeitlich in die Höhe schnellen, ohne dass dies durch ein gebrochenes Wasserrohr oder einen aufgetretenen Mehrbedarf erklärlich ist, kommt eine so genannte Befundprüfung in Frage. Kunden können den Zähler vom Wasserlieferanten prüfen lassen. Ist das Zählwerk defekt, kostet es nichts. Anders sieht es aus, wenn die Prüfung keinen Fehler ergibt. Dann muss die Rechnung dafür vom Mieter oder Wohnungsbesitzer beglichen werden. Auf 100 Euro schätzen die Duisburger Stadtwerke den Aufwand dafür.

Wolfgang Mulke



Kommentare
12.07.2013
09:58
Böse Überraschung bei der Wasserrechnung
von Pit01 | #3

Die böse Überraschung wird erst noch kommen, nämlich dann wenn Gelsenwasser die Preise um 15 % erhöhen wird ( Quelle : WDR Nachrichten ).

1 Antwort
Böse Überraschung bei der Wasserrechnung
von Autobahnraser | #3-1

... und wann war die Letzte Erhöhung ?


Genau, 2004 !

11.07.2013
12:20
Böse Überraschung bei der Wasserrechnung
von siebert2 | #2

72000 liter da muss ein wasserhahn aber lange tropfen.

10.07.2013
00:52
Bei Aktenzeichen XY ungelöst
von Mopsi06 | #1

hieß es früher zurecht: Nepper, Schlepper, Bauernfänger!
Schlimm, dass dies inzwischen nicht "nur" für den "normalen" Betrüger steht, sondern inzwischen für, insbesondere börsennotierte Unternehmen.
Ausbeuterei der Mitarbeiter und Kunden im ganz großen Stil. Kriminell bis zum geht nicht mehr.
Und wer schaut weg? Genau....aber auch die ach so tollen Gewerkschaften.

Aus dem Ressort
Letzter Überlebender der "Hindenburg"-Katastrophe gestorben
Zeppelin-Absturz
In Frankfurt ist der letzte Überlebende des "Hindenburg"-Absturzes gestorben: Werner Franz wurde 92 Jahre alt. Als junger Mann war er an Bord des legendären Zeppelins, der 1937 auf dem Weg von Deutschland in die USA kurz vor dem Ziel in Flammen aufging. 36 Menschen starben bei dem Unglück.
Lieberberg darf sein Festival doch "Rock am Ring" nennen
Rock-Festival
Erfolg für Konzertveranstalter Marek Lieberberg: Der "Rock am Ring"-Macher darf sein Festival auch nach dem Weggang vom Nürburgring weiter so nennen. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz am Freitag entschieden. Wo das Festival im kommenden Jahr stattfindet, steht noch nicht endgültig fest.
Empörung über Selfies vor der Gaskammer in Auschwitz
Holocaust
Statt Holocaust-Opfern zu gedenken, nutzen viele vor allem junge Menschen Besuche in ehemaligen Todeslagern um sich selbst darzustellen - Kussmund vor der Gaskammer, Schlafzimmerblick unter dem Lagertor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei": Selfies an Orten des Schreckens sind ein trauriger Trend.
Britney Spears trennt sich von Freund David Lucado
Trennung
Sängerin Britney Spears hat sich nach rund einem Jahr Beziehung von ihrem Freund David Lucado getrennt. Das bestätigte nun ihr Sprecher am Donnerstag. Auch die Musikerin selber veröffentlichte ihr Liebesaus auf der Internetplattform Twitter. Spears und Lucado waren im Frühjahr 2013 zusammengekommen.
"Bang Boom Bang" - der Ruhrpott-Kultfilm feiert Geburtstag
Kultfilm
15 Jahre ist es her, das die Ruhrgebietskomödie „Bang Boom Bang“ auf den Kinoleinwänden gezeigt wurde. Als Kleinganove „Schlucke“ ist Martin Semmelrogge bei vielen Fans unvergessen. An die Dreharbeiten erinnert sich der Schauspieler, als ob es gestern gewesen wäre.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?
 
Fotos und Videos