Böhmermann spitzelt gegen Comedy-Szene

München..  Für das ZDF und die deutsche Humorgilde gilt er als Hoffnungsträger. Doch Jan Böhmermann schießt gegen seine Kollegen. Von der deutschen Comedy im Privatfernsehen halte er nicht allzu viel, sagte der Moderator. Da komme nichts heraus, „was ich in der Welt gerne als deutschen Humor vorzeigen würde“, so Böhmermann („Neo Magazin Royale“) zur „Süddeutschen Zeitung“. Die deutsche Comedy sei ein Versuch, mit den Mitteln des Karnevals Kabarett zu machen. Und Karneval findet Böhmermann „reaktionär“. „Der Humorprofi ist vom Karneval eher angewidert.“ Auch der Erfolg mancher Comedy-Sendung überzeugt den 34-Jährigen nicht. „Nicht alles, was erfolgreich ist, muss auch gut sein. Wenn wir in diesem Land eines aus der Geschichte gelernt haben sollten, dann ja wohl das.“

Das Problem der Deutschen mit dem Humor liege vor allem darin begründet, dass er immer einen Sinn haben soll. „Der Deutsche schiebt Kurt Tucholsky vor sich her und Goethe oder die spaßigen Momente der Frankfurter Schule“, sagte Böhmermann mit Blick auf den Intellektuellenzirkel um Theodor W. Adorno. „Gerne vergisst der Deutsche dabei aber, dass gerade die Geistreichsten unter den alten Humoristen absoluten Nonsens gemacht haben.“ Allem guten Humor liege der Quatsch zugrunde.