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Kapitalverbrechen

Bodenfelde steht nach Doppelmord unter Schock

23.11.2010 | 09:05 Uhr
Bodenfelde steht nach Doppelmord unter Schock
Spurensicherung am Tatort: Eine Polizistin sucht mit ihrem Spürhund nach Hinweisen auf den Täter.

Bodenfelde.Die Welt im niedersächsichen Bodenfelde ist nicht mehr die gleiche. Die Bewohner sind geschockt, mit einem solchen Verbrechen hatte niemand gerechnet. Alle machen sich Sorgen um die Kinder.

„Tobias, wir werden dich NIE vergessen“ – so steht es auf einem Zettel, den seine Klasse hier abgelegt hat. Daneben das Foto eines Mädchens, es lächelt. Es sieht aus, als hätte es Spaß gehabt, als die Aufnahme entstand. Es könnte Nina sein.

Am Sonntag wurden die Leichen der beiden Teenager im niedersächsischen Bodenfelde gefunden. Am Montag zeigen die Mitschüler ihre Trauer. Kerzen und Teelichter stehen rund um die beiden Zettel am Eingang der Heinrich-Roth-Gesamtschule. Davor stehen die Fahrzeuge am Nachmittag Schlange. Bis der Täter gefasst ist, will niemand mehr sein Kind allein laufen lassen. Die wurden zusätzlich am Montag von Psychologen betreut.

Die Polizei schützt die Bewohner vor den Kamerateams

„Schrecklich“, „furchtbar“ oder auch „Tragödie“ – diese Worte tauchen immer wieder auf, wenn man mit den Einwohnern von Bodenfelde spricht. Auch an der Mühlenstraße erinnern Kerzen und Blumen an Nina und Tobias. Hier, ganz in der Nähe wurden sie gefunden. Ein schmaler Fußweg führt von der Mühlenstraße hinunter zu einem Waldstück. Zwei Polizisten bewachen den Zugang. Hier darf heut niemand durch. Denn weiter unten arbeiten die Kollegen von der Spurensicherung immer noch auf Hochtouren. Vorne zeigen die Bodenfelder Trauer und Anteilnahme. Immer wieder bringen sie neue Blumen und Kerzen. Ein Bewohner des Hauses, vor dem sich die Andenken sammeln, zeigt sich nur kurz hinter einer Gardine. Die Kamerateams von WDR und NDR vertreiben den Mann schnell wieder. Einer der Polizisten, der den Zugang zum Fundort bewacht klärt die Journalisten auf: „Die Bewohner hier haben nichts damit zu tun. Hier hat definitiv keines der Opfer gewohnt.“

3500 Menschen leben in dem „staatlich anerkannten Ferienort“ im Weserbergland. Auf diese Auszeichnung sind die Bodenfelder durchaus stolz. Eine Tafel direkt hinter dem Ortseingangsschild verkündet es jedem Neuankömmling. Im Sommer lädt die Weserpromenade zum gemütlichen Flanieren ein, und selbst bei schmuddeligem Herbstwetter wirkt der beschauliche Ort durchaus idyllisch. Die alten Fachwerkhäuser haben eben Charme. „Gottes Segen, Schutz und Frieden sei’n dem Hause stets beschieden“, dieser Wunsch aus dem Jahre 1674 prangt auf einem der alten Häuser. Im Moment wünschen sich wohl alle Bodenfelder, dass Gott oder eine andere höhere Macht sie schützt. Denn sie machen sich Sorgen um ihre Kinder.

„Das Schlimme ist, dass sich in Bodenfelde alle kennen“

So geht es auch Götz und Selina Kleinschmidt. Mit ihren beiden Söhnen haben sie sich auf den Weg gemacht, sie haben Kerzen dabei, wollen zum Fundort, oder zumindest bis zur Polizeiabsperrung: „Wir wollen Anteilnahme zeigen, weil wir selbst zwei Kinder haben. Die hätten auch betroffen sein können.“ So genau mag Selina Kleinschmidt dann jedoch nicht darüber nachdenken. Die Eltern machen sich schon so genug Sorgen. Das unbeschwerte Spielen auf der kaum befahrenen Anwohnerstraße? Damit ist es wohl erst einmal vorbei. „Wir passen jetzt auf, dass kein Kind unbeaufsichtigt herumrennt“, sagt Götz Kleinschmidt. Mit den Nachbarn wollen sie sich absprechen, damit auch ja nichts passiert. Dass der Doppelmord für Misstrauen in dem kleinen Ort sorgt, soweit wollen die Kleinschmidts nicht gehen. „Das Schlimme ist, dass sich in Bodenfelde alle kennen. Und wenn es dann jemanden aus unserer Mitte trifft ... „ Götz Kleinschmidt kommt ins Stocken.

Eine andere Mutter erzählt, sie habe die ganze Nacht nicht geschlafen. „Meinen Kindern ging es genauso. Sie waren die ganze Nacht bei mir im Bett.“ Jetzt laufen die Absprachen mit den Nachbarn. Der Fahrdienst zur Schule muss organisiert werden

Im Gerätehaus der freiwilligen Feuerwehr hat sich derweil die Polizei einquartiert. Während vorne die Streifenwagen ankommen und abfahren, säubern einige Feuerwehrleute die Garage hinter dem Haus. Ob sie sich an der Suchaktion beteiligt haben? Was die Polizei in ihrem Haus macht? „Wir wurden verpflichtet, nichts zu sagen“, wehren sie die Nachfragen der Journalisten ab.

Matthias Düngelhoff

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Kommentare
24.11.2010
10:24
Blockierter Kommentar.
von kerg | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.11.2010
10:18
Bodenfelde steht nach Doppelmord unter Schock
von zuckowski | #2

iesem Schwein würde ich sofort die ganze Glidern abhaken un dann denn Kopf, das die anderen welche dazu neigen, Angst bekommen nur wenn sie sowas planen. Die Strfen sind nicht gerecht gegen die Opfern, und der Stadt schützt noch solchen, diese Perverser sollen gar nicht leben!!! Als Eltern würde ich ganzes Leben dafür setzen bis ich im nicht kriege .

22.11.2010
22:30
Bodenfelde steht nach Doppelmord unter Schock
von Timo Tasche | #1

Wer ist dieser unheimliche Killer?
Bodenfelde,- nur wenige tausend Einwohner. Wenn man aus einer größeren Stadt kommt, könnte man meinen, man kommt ans Ende der Welt. Kurvenreich schlengert sich sie Straße zu dem Ort. Es regnet. Wenige Dorfbewohner haben sich zu der Stelle aufgemacht, wo Blumen und Kerzen abgelegt wurden. Auf einem Schild steht: Warum? Ein Mann in grünem Anorak trauert ebenfalls, entzündet Kerzen: Es ist schon hart,- beteuert er- , vor wenigen Tagen hatten die beiden noch gelebt und jetzt sowas, sagt er mit ernster Mine. Es wird still in Bodenfelde. Der Schein der Kerzen erhellt etwas die Dunkelheit, wo sonst nicht viel Licht ist. Am Dienstag soll es einen Trauergottesdienst für die Opfer in der Kirche Bodenfelde geben. Währenddessen tappt die Polizei noch im dunkeln.

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