Das aktuelle Wetter NRW 6°C
Panorama

Blut an Pistorius’ Cricketschläger

18.02.2013 | 00:18 Uhr

Johannesburg/Essen. Es sollte ihr erster gemeinsamer Valentinstag werden, und Reeva Steenkamp war geradezu aufgeregt. „Get excited“, meldete die 29-Jährige via Twitter, und: „Es soll ein Tag der Liebe für alle werden.“ Doch die schöne Südafrikanerin sollte ihn nicht mehr erleben. Am Wochenende verdichteten sich die Anzeichen, dass ihr neuer Freund, der Spitzensportler Oscar Pistorius, seine Freundin in den frühen Morgenstunden des 14. Februar keinesfalls aus Versehen getötet hat, wie es anfangs hieß: Die örtlichen Zeitungen übertreffen sich mit immer grausameren Details.

So berichtete die „City Press“ am Sonntag, im Haus des beinamputierten Sprinters im Nobelvorort von Pretoria sei ein blutverschmierter Cricketschläger gefunden worden. Unter Berufung auf Ermittlerkreise ergänzt das Blatt, der Schädel des Todesopfers sei eingeschlagen gewesen. Hat Steenkamp versucht, sich zu wehren? Hat Pistorius mit dem Sportgerät die Badezimmertür eingeschlagen? Denn auch das wird gemeldet: Von den vier Schüssen, die das Model laut Polizei in den Kopf, in die Hüfte und einen Arm trafen, soll nur einer im Schlafzimmer gefallen sein.

Schüsse im Badezimmer

Bei den drei anderen habe sich die Frau im Bad befunden, hieß es. Die Zeitung „Beeld“ will erfahren haben, die Frau habe auf der Toilette gesessen. Gefunden wurde sie später im Erdgeschoss; eine Nachbarin will beobachtet haben, wie Pistorius seine Partnerin im blutigen Nachthemd die Treppe hinunter trug. Um 3.20 Uhr, heißt es, habe der 26-Jährige seinen Vater angerufen und gebeten, schnell zu kommen. Die noch später alarmierten Rettungskräfte konnten Reeva Steenkamp nicht mehr helfen. Vor Gericht, das bereits Mordanklage erhoben hat, sprach Oscar Pistorius von einer schrecklichen Tragödie. Der Goldmedaillen-Gewinner der Paralympics 2012 gilt angeblich als selbstmordgefährdet und wird in der Haft rund um die Uhr bewacht. Er sei „vor Schock benommen“, erklärte ein Onkel des Verdächtigen am Wochenende, der im Namen der Familie Pistorius eine Stellungnahme abgab: „Wir trauern alle um Reeva.“ Sein Neffe sei privat „so glücklich wie seit langem nicht mehr“ gewesen, das Paar habe gemeinsame Pläne gehabt.

Reevas eigene Pläne hatten sich zuletzt auf eine Karriere im Fernsehen ausgerichtet. Einige kleinere Filmrollen standen an, als Model und Moderatorin stand die 29-Jährige erst vor wenigen Wochen in der Reality-Show „Tropika Island of Treasure“ vor der Kamera, der südafrikanischen Variante des „Dschungelcamps“. Den Staffelauftakt strahlte der Sender am Samstag trotzdem aus, keine 48 Stunden nach seinem Tod sollte so angeblich des Stars gedacht werden. Die Zuschauer sahen eine fröhliche junge Frau im Bikini, die lachend Handküsse in die Luft wirft.

Die Fernsehstation schickte aber auch noch ein weiteres Filmchen über den Äther, offenbar vorab gedreht für den Fall, dass Reeva Steenkamp aus der Show ausscheiden würde. Sie sitzt dort unter einer Palme auf Jamaika und sagt bewegende Worte, die nun eine ganz andere Bedeutung bekommen haben: „Die Art, wie man geht und seinen Abschied nimmt, ist so wichtig.“ Es geht nur um die Heimreise nach Südafrika, aber wie anders klingen diese Sätze: „Entweder hat man auf positive oder auf negative Weise einen Eindruck hinterlassen“, sagt Reeva da. „Ich werde euch alle so sehr vermissen.“

Am Dienstag will das Gericht in Pretoria über eine mögliche Freilassung ihres mutmaßlichen Mörders gegen Kaution entscheiden. Es ist der Tag, an dem Reeva Steenkamp im über 1000 Kilometer entfernten Küstenort Port Elizabeth beigesetzt werden soll.

Annika Fischer



Empfehlen
Themenseiten
Lesen Sie auch
Kommentare
Kommentare
autoimport
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song
 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Jugendmesse startet in Dortmund mit Sport, Mode und Musik
Messe
Die Jugendmesse You ist nach 14 Jahren zurück in Dortmund. Am heutige Freitag startet sie in den Westfalenhallen. Wir zeigen, was die Jugendmesse bis zum Sonntag (30.11.) für die Besucher zu bieten hat. Der BVB ist mit einem Soccer Court dabei. In der Rapschool geht's ums Tanzen und um Graffiti.
Westminster für Moschee gehalten - Spott für Ukip-Partei
Twitter-Fauxpas
Der britischen Ukip-Partei ist ein peinlicher Fauxpas auf Twitter passiert: Ein Account der Rechtspopulisten hielt ausgerechnet die weltbekannte Westminister-Kathedrale zunächst für eine Moschee. Die Netzgemeinde reagierte mit Spott und twittert seitdem unter dem Hashtag "#thingsthatarenotmosques".
"Traumschiff"-Weltreise abgesagt - Kein neuer Investor
Traumschiff
Das ZDF-"Traumschiff" gerät in immer schwierigere Gewässer. Nach zwei Kurzreisen musste jetzt auch die geplante mehrmonatige Weltreise gestrichen werden. Es fehlt das nötige Geld für die Werft. Der Insolvenzverwalter hofft jetzt, das Schiff im Frühjahr wieder flott zu kriegen
"Charity Porn" - Patrice distanziert sich von "Band Aid 30"
Ebola-Charity
"Do they know it's Christmas?" schmettern Teilnehmer von "Band Aid 30", um Geld für den Kampf gegen Ebola zu sammeln. "Do they know it's scheiße?", fragt Jan Böhmermann und kritisiert die Aktion mit beißender Ironie. Und auch Patrice distanziert sich vom Projekt, an dem er selbst teilnahm.
Private Drohnen werden in den USA zum Sicherheitsrisiko
Drohnen
Immer häufiger kommt es im US-amerikanischen Luftraum zu Beinahe-Unfällen. Unbemannte Drohen rasen auf Flugzeuge zu und bringen deren Piloten in lebensbedrohliche Situationen. 200 solcher Vorkommnisse wurden seit Januar registriert.