Bier mit Walhoden-Aroma stößt auf Protest

Stockholm..  Dass die Isländer von ihrer Mentalität her ein ganz besonderes nordisches Völkchen sind, ist in ganz Skandinavien von Dänemark bis Schweden bekannt. Die Isolation der einstigen Norwegenauswanderer hat viele alte Gewohnheiten und Bräuche konserviert.

So gingen in Island auch heute noch jedes Jahr die „Thorri“-Feierlichkeiten mit dem Mittwinterfest „Þorrablót“. Zum großen Ärger von Tierschützern wirbt die Brauerei Stedji dazu mit einem Bier, das mit Hoden von Finnwalen aromatisiert ist. Die Walhoden sind zudem „auf traditionelle Weise“ mit getrocknetem Schafkot geräuchert. Der Verkauf beginnt am 23. Januar.

„Wir wollten eine authentische Thorri-Stimmung schaffen und benutzen deshalb die mit Schafkot geräucherten Finnwalhoden. Sie verbessern den Geschmack des Bieres“, begründete Brauereigentümer Dagbjartur Ariliusson.

Tierschützer sind zutiefst erbost über die Geschmacklosigkeit. Die Walindustrie stecke hinter diesem Werbetrick für Walfleisch, vermuten sie. Denn das zähe und eigentlich nur mit raffinierten Soßen genießbare Walfleisch verliert immer mehr Umsatz auf Island.

Walfleisch wurde in früheren Zeiten vor allem gegessen, weil es kaum preiswerte Alternativen gab. Fisch, Hühnchen, Schwein und Rind schmecken den Isländern heute aber anscheinend besser. Doch der weltweit verpönte Walfang bleiben für eine Vielzahl der Insulaner wichtige Zeichen ihrer Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Dem Vorgänger-Bier aus 2014 hatte eine kleine Brauerei im nördlich der Hauptstadt Reykjavik liegenden Örtchen Borgarfjördur Hvalur Finnwalmehl beigemischt. Das hat die Lebensmittelbehörde damals als bedenklich eingestuft. Die rund 5000 Liter, die bis zum Verbot in die Geschäfte gelangten, waren aber blitzschnell ausverkauft.