BGH prüft Lehrerbewertung bei spickmich.de
19.03.2009 | 07:49 Uhr 2009-03-19T07:49:00+0100
Karlsruhe/Köln. Der Bundesgerichtshof wird sich mit dem Internetportal www.spickmich.de befassen. Dort können Schüler ihren Pädagogen Noten geben. Eine Lehrerin hatte gegen das Angebot geklagt. Verhandelt wird am 23. Juni.
Der Bundesgerichtshof (BGH) prüft am 23. Juni, ob Schüler ihre Lehrer im Internet namentlich bewerten dürfen. Das kündigte der BGH am Mittwoch in Karlsruhe an. Der 6. Zivilsenat verhandelt über die Revision einer Lehrerin, deren Unterlassungsklage gegen das Internetportal www.spickmich.de vor dem Landgericht und Oberlandesgericht Köln gescheitert war.
Noten von 1 bis 6
Die Bewertungen der namentlich genannten Lehrer auf «spickmich» entsprechen den Schulnoten 1 bis 6 und orientieren sich an Kriterien wie «cool und witzig», «beliebt», «motiviert», «menschlich», «gelassen» und «guter Unterricht». Aus dem Durchschnitt der von registrierten Schülern der entsprechenden Schule anonym abgegebenen Bewertungen wird eine Gesamtbewertung errechnet. Außerdem können die Schüler angebliche Zitate der Lehrer einstellen.
Die klagende Lehrerin, deren Name und Funktion auch der Homepage ihrer Schule entnommen werden kann, erhielt für das Fach Deutsch eine Gesamtbewertung von 4,3. Zitate von ihr wurden bisher nicht eingestellt.
Vorinstanzen hatte Klage abgewiesen
Die Pädagogin hatte zunächst eine Unterlassungsverfügung gegen die Gestalter der Seite erwirkt, die dann aber auf deren Widerspruch aufgehoben wurde. Mit ihrer Klage will sie erreichen, dass ihr Name, der Schulname und die unterrichteten Fächer im Zusammenhang mit einer Gesamt- und Einzelbewertung auf der Homepage www.spickmich.de gelöscht werden. Das Gleiche gelte für die Zitat- und Zeugnisseite.
Die Vorinstanzen hatten die Klage abgewiesen, weil die Bewertung bei «spickmich» keine Schmähkritik darstelle. In der Revisionsverhandlung will sich der BGH nach eigenen Angaben grundsätzlich «mit der Frage des Persönlichkeitsschutzes bei Veröffentlichungen im Internet» befassen.
Aktenzeichen: VI ZR 196/08
(ddp)
09:45
Ich kenne spickmich.de nur vom Hörensagen.
Wenn es so anonym ist, kann jeder Schüler mit und ohne Grund was auch immer bewerten. Was soll daran korrekt sein. Diese Schüler werden im späteren Berufsleben erschreckt erkennen müssen, dass sie ihre Existenz täglich neu erkämpfen müssen, dass schon in der Ausbildung von den meisten Unterordnung erwartet wird. Sie wollen und müssen lernen, nicht die Ausbilder.
Das deutsche Schulsystem hinterfragen? Die 16 Schul/Kultusministerien reden soooo lange, bis nichts passiert.
00:15
Vielleicht sollte man auch allgemein mal das deutsche Bewertungssystem hinterfragen?
00:10
Ich kann nur sagen: die Lehrer tun mir leid! Alles, was in unserer Gesellschaft schief läuft, wird auf ihren Rücken abgeladen und soll in den Schulen wieder glatt gebügelt werden - jüngstes Beispiel: der Amoklauf von Winnenden. Kaum jemand macht sich darüber Gedanken, was für einem psychischen Stress Lehrer Tag für Tag ausgesetzt sind in der Schule. Selbst vor ihrem Privatleben macht der Beruf nicht halt: Eltern scheren sich einen Dreck darum, ob Wochenende ist oder nicht, da wird auch knallhart am Sonntag beim Lehrer angerufen und sich beschwert, wenn Junior nicht die gewünschte Note nach Hause gebracht hat. Und wer fragt mal nach einer Bewertung der Eltern?
Ich erinnere mich selbst an meine Schulzeit und kann jetzt im Nachhinein betrachtet sagen, dass es viele strenge Lehrer gab, die ich am liebsten gefeuert hätte. Wenn ich damals eine Möglichkeit gehabt hätte, sie zu bewerten bzw. Ihnen eins reinzuwürgen, dann hätte ich ihnen bei spickmich.de so einige 6er reingedrückt. Dass ich aber eben bei diesen Lehrer rückblickend gerade viel gelernt habe, das wurde mir erst während des Studiums klar. Deshalb finde ich Plattformen wie spickmich.de absolut unseriös. Die Bewertungen werden nicht hinterfragt und oftmals sehr engagierten Lehrern wird der Eindruck gegeben, ihre Arbeit wäre totaler Mist.
Ich glaube, unsere Gesellschaft muss mal davon wegkommen, sich andauernd irgendwelche Sündenböcke zu suchen, auf denen herumgehackt werden kann. Wir sollten uns mal insgesamt fragen, was hier schief läuft, zum Beispiel in den Medien, in der Erziehung von Kindern seitens der Eltern oder im Umgang mit Vielfalt in unserer Gesellschaft und wo die Probleme genau liegen.
20:44
Ich hatte mel einen Lehrer, der einen Spickmichscreenshot genommen hat und noch weitere Fragen und Platz für Begründungen zu einem Arbeitsblatt zusammengestellt hat. Da konnten wir ihn beurteilen und Verbesserungsvorschläge machen. Da das ganze am PC war konnte er auch keine Schriften erkennen. Aber leider machen sich diese Arbeit eh nur die Lehrer die schon gut sind und diese pfeilen dann am letzten Schliff. Die Lehrer, die schlechten Unterricht machen, machen auch keine Umfragen. Einige weitere lehrer haben das Arbeitsblatt auch verteilt und ausgewertet, die Auswertung wurde besprochen. Ich fand das gut.
19:35
zu #13
Lehrer wehrt Euch anonym!
17:31
#13 RobinChildhood
Ich kann mich Ihrem Beitrag nur anschließen.
Eltern, die ihre Kinder aufgrund von spick-mich Informationen nicht an einer Schule anmelden, haben m.E. selbst ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Schulzeit. Welch armseliges Kriterium!
Wie entsteht denn so eine Lehrerbeurteilung bei spick-mich? Ein Schüler ist sauer, weil er bei irgendeinem Fehlverhalten erwischt und zur Rechenschaft gezogen wurde. Aus Wut rächt er sich mal eben im Internet, anonym natürlich. Subjektiver geht es ja wohl nicht mehr!
Soviel zur allgemeinen Aussagekraft dieser Beurteilungen.
Übrigens... an jeder Schule gibt es gute und schlechte Lehrer (die guten sind der Mehrzahl).
@ hanjin: Viel Glück bei der Wahl Ihrer Schule!!!
17:14
@Cuewalda,
vielen Dank für den Hinweis - es geht natürlich um die Benotung für Pädagogen. Und wie gut, dass wir schon so ne Art Spickmich in Form der Kommentarfunktion haben ; - )
Beste Grüße
Das Team von DerWesten
16:58
Die anonyme Benotung von Lehrern und Lehrerinnen ist nicht selten ein Instrument des Mobbings von Schülern gegen ihre Lehrer. Erst die Anonymität macht diese Benotung bedenklich.
16:55
@Redaktion: Dort können Schüler ihren Eltern Noten geben. Sachlich falsch. Setzen sechs oder einfach berichtigen.
Aber vielleicht kommt die Benotung der Eltern und deren Retourkutsche (Benotung der Kinder) auch noch ...
16:54
#12 hanjin
Für eine Veröffentlichung der Schülernoten interessiert sich keiner? Das glauben Sie doch wohl selbst nicht!
Damit könnte die Neugier vieler Menschen ( missgünstige Verwandtschaft, Nachbarn , mögliche Arbeitgeber usw. ) befriedigt werden.
Ich denke, wenn der so hoch geschätzte Datenschutz für Lehrer nicht mehr gilt, sollte auch für Schüler ein persönliches Profil erstellt werden, in dem unentschuldigte Fehlzeiten, Tadel, nicht gemachte Hausaufgaben, Verspätungen , Vergehen wie Rauchen auf dem Schulgelände, Verwicklungen in Mobbing, Prügeleien etc, neben der Klassenarbeitsnote ins Netz gestellt werden.
Auf die Reaktionen der Schüler wäre ich dann mal gespannt.