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Belästigung im Schwimmbad? Was an den Vorwürfen dran ist

19.03.2016 | 05:45 Uhr
Belästigung im Schwimmbad? Was an den Vorwürfen dran ist
Pädagogen bezweifeln, dass solche Hinweisschilder in Schwimmbädern hilfreich sind. Foto: dpa

Essen.  Berichte über Flüchtlinge, die in Schwimmbädern Frauen belästigen, verunsichern Badegäste. Ein Experte glaubt, dass es nicht nur um Einzelfälle geht.

Mitte März meldete die Polizei einen Vorfall, der sich in einem Oberhausener Schwimmbad abgespielt hat: Mehrere Männer sollen dort Mädchen belästigt haben . Laut Polizei handelt es sich bei den Männern um Asylbewerber.

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In Bornheim durften männliche Flüchtlinge nach Zwischenfällen vorübergehend nicht mehr ins Schwimmbad. Das Verbot wird am Mittwoch aufgehoben.

Die Leitung des Schwimmbades in Bornheim hatte Anfang des Jahres sogar ein Badeverbot für männliche Flüchtlinge ausgesprochen. Körperlich angegangen wurde zwar niemand, aber ein Flüchtling soll einige Tage vor dem Verbot eine Frau auf der Straße sexuell belästigt haben - das inzwischen wieder aufgehobene Badeverbot war die Konsequenz.

Werden männliche Flüchtlinge aus arabischen und nordafrikanischen Ländern wirklich besonders oft in Schwimmbädern übergriffig? Lässt sich ein Muster erkennen - oder ist die öffentliche Wahrnehmung seit den Silvester-Übergriffen von Köln besonders sensibilisiert? Sind männliche Flüchtlinge in Sachen Sex einfach grundsätzlich anders erzogen als Männer in Europa?

Jugendliche dürfen nicht über Sex reden

"Ich würde eher fragen, ob sie überhaupt eine Art von sexueller Sozialisation erfahren haben", sagt Professor Ahmet Toprak, Erziehungswissenschaftler an der FH Dortmund. Er beschäftigt sich im Rahmen seiner Forschung mit Rollenbildern bei Muslimen. "Sexualität wird in den Herkunftsländern der Flüchtlinge oft unterdrückt. Männer und Frauen haben außerhalb der Familie kaum Kontakt zueinander", sagt Toprak. Eine sexuelle Aufklärung wie in Europa gebe es nicht. Kinder und Jugendliche dürften nicht über Sex reden.

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Badbetreiber und Mitarbeiter sind für mögliche Probleme gewappnet. Bislang gab es jedoch keine kritischen Situationen wie andernorts in Deutschland.

Auch an Frauen in der Öffentlichkeit seien viele dieser Männer kaum gewöhnt: "Wenn in arabischen Ländern eine Frau alleine unterwegs ist, heißt das, dass sie auf der Suche ist. Dann dürfen Männer sie ansprechen und anfassen." Europäische Frauen würden sich außerdem selbstbewusster verhalten und nicht den Blick senken, wenn sie einen Mann sehen: "Dieser offene Blick wird häufig als Einladung interpretiert", erklärt Toprak.

Leichtbekleidete Frauen? "Für die ist das eine Sensation"

Flüchtlinge würden bisweilen auch gezielt in Schwimmbäder gehen, um sich dort leicht bekleidete Frauen anzusehen, glaubt Toprak: "Für die ist das eine Sensation. Die denken: Wow, was ist das denn?" Dass sich Frauen derart leicht bekleidet in der Öffentlichkeit aufhalten, könnten sie kaum verarbeiten. Toprak glaubt, dass es sich bei den Belästigungs-Vorfällen nicht um Einzelfälle handelt, stellt aber auch klar: "Es geht bei weitem nicht um alle Flüchtlinge. Viele muslimische Männer regen sich über solche Vorfälle ebenso auf wie Europäer."

Doch wie groß ist das Problem wirklich? Ein Blick auf die Zahlen: Von Juni 2015 bis Mitte März 2016 gab es insgesamt 26 Polizeimitteilungen zu Sexualdelikten in Schwimmbädern. 21 stammen aus der Zeit nach Silvester. In zwölf Fällen ist von Tatverdächtigen die Rede, die "südländisch" aussehen, "Migranten", "Nordafrikaner" oder "Flüchtlinge" sind. Insgesamt drei Mitteilungen stammen aus NRW. Für Sommer und Herbst 2015 gibt es nur einen Fall, in dem ein "Südländer" Frauen im Schwimmbad sexuell belästigt haben soll. Im selben Zeitraum gab es vier weitere Fälle, die nicht mit Migranten in Verbindung stehen.

Zahl der Anzeigen hat zugenommen - nicht die Zahl der Vorfälle

"Nach den Silvester-Übergriffen von Köln hat vielleicht die Zahl der Anzeigen zugenommen, nicht aber die Zahl der Vorfälle", sagt Ortwin Renn, Risikosoziologe am IASS in Potsdam. Er beschäftigt sich damit, wie Menschen Gefahren wahrnehmen. Das Problem der Flüchtlingskriminalität werde überschätzt, sagt Renn. "Gewalt und Kriminalität haben 2015 nicht zugenommen. Die Zahl der Vergewaltigungen war 2015 sogar rückläufig." Über "Grapschattacken" gebe es indes keine Statistik.

Trotzdem würden Vorfälle wie die Belästigung von Mädchen in Schwimmbädern als große Gefahr gewertet: "Das liegt auch daran, dass zwei sehr unterschiedliche Gruppen dieses Thema in der Öffentlichkeit platzieren." Zum einen seien es Frauenrechtlerinnen, die diese Vorfälle nutzen würden, um auf alltäglichen Sexismus aufmerksam zu machen. Zum anderen Menschen, die ohnehin gegen Flüchtlinge agitieren würden und diese Vorfälle für ihre Sache ausnutzen. "Das sorgt für ein Bauchgefühl, gegen das sich nur schwer argumentieren lässt", glaubt Renn.

Bei Google-Bewertungen tauchen immer wieder Bewertungen von Bädern in hetzerischem Ton auf. Über ein Bad in Düsseldorf etwa schreibt ein Nutzer: "Das ist kein Schwimmbad, das ist eine Ausländerkloake !!!". Eine Nutzerin, deren Name in kyrillischen Buchstaben angezeigt wird, schreibt: "Als Mutter mit Tochter ist es nicht ratsam, das Schwimmbad zu besuchen. Alles voller muslimischer Männer. Die glotzen, schleichen überall rum. (...) Nie wieder !!".

"Es handelt sich nicht um ein Massenphänomen"

"Das erzeugte Bild ist in der Fläche kaum haltbar. Es gibt zwar einige Vorfälle dieser Art, es handelt sich aber nicht um ein Massenphänomen", sagt ein Sprecher des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW in Duisburg.

Das sagen auch die meisten Polizeidienststellen in der Region. In Duisburg etwa sei in diesem Jahr kein Fall von sexueller Belästigung in Schwimmbädern bekannt. "Damit haben wir auch jedes Jahr eher in den Sommermonaten zu tun", so ein Sprecher.

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Das passt zur Einschätzung der Badbetreiber. "Im Sommer fallen meist Jugendliche auf, die sich daneben benehmen", sagt zum Beispiel Sabine Haas von den Stadtwerken Gelsenkirchen. Das seien keineswegs unbedingt Flüchtlinge. "Auch Jugendliche, die aus Gelsenkirchen stammen, wollen zum Beispiel in Unterhose ins Wasser oder versuchen, die Wasserrutsche nach oben zu rennen. Die werden dann mündlich ermahnt und erhalten im Extremfall Hausverbot." Bei Fällen von sexueller Belästigung - im Februar habe es einen solchen Fall gegeben - rufe man aber in jedem Fall konsequent die Polizei. "Da können wir nicht entscheiden, ob da einer ungeschickt geflirtet hat, oder ob wirklich was passiert ist", sagt Haas.

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen wegen Volksverhetzung

In einigen Fällen entpuppen sich die Vorwürfe später als haltlos. In Netphen etwa soll eine Gruppe von Migranten Teilnehmerinnen eines Aqua-Fitness-Kurses begafft und verfolgt haben: Das hatte eine Frau via Facebook behauptet. Demnach habe sie sich zu ihrem Schutz von ihrem Ehemann aus dem Umkleidebereich abholen lassen. Videoaufzeichnungen entlarvten die meisten Behauptungen als falsch . Die Staatsanwaltschaft prüft mittlerweile, ob sie gegen die Frau wegen Vortäuschung einer Straftat und Volksverhetzung vorgehen wird.

Anders in Norderstedt bei Hamburg: Dort sollen zwei Afghanen ein 14-jähriges Mädchen sexuell genötigt haben. Die Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

Während solche Straftaten Fälle für die Polizei sind, versuchen Bäderbetreiber seit einiger Zeit mit einer Bäderordnung in arabischer Sprache kulturellen Missverständnissen vorzubeugen. "Sexuelle Belästigungen, z.B. durch anzügliche Gesten, Äußerungen und körperliche Annäherungen sowie unerwünschte Berührungen, sind nicht erlaubt", heißt es etwa in einem Aushang, den die "Deutsche Gesellschaft für das Badewesen" ihren Mitgliedern zur Verfügung stellt. Daneben hat der Verband für seine Mitglieder auch kleine Kärtchen mit arabischen Sätzen als Übersetzungshilfe erstellt. Dort stehen dann Sätze wie "Bitte verlassen Sie die Sauna, Sie dürfen sich hier nicht kurz umsehen."

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Kommentare
18.03.2016
21:53
Belästigung im Schwimmbad? Was an den Gerüchten dran ist
von Moderation | #78

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2016-03-19 05:45
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