Beim "Polizeiruf" aus Rostock geht’s um windige Geschäfte

Die Kommissare Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) stellen einen Verdächtigen.
Die Kommissare Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) stellen einen Verdächtigen.
Foto: Christine Schroeder/NDR
Was wir bereits wissen
Das Rostocker Dream-Team wider Willen ermittelt wieder. Deshalb geht’s um windige Geschäfte. Und einer der Beteiligten leidet unterm "Sturm im Kopf".

Hamburg/Rostock.. Ein Krimi voller Rätsel: Warum musste der Chef einer Windkraft-Firma sterben? Stimmt das Mord-Geständnis eines verwirrten Ex-Mitarbeiters? Was hat ein Auto-Unfall mit dem Tod des Managers zu tun? Was weiß ein Mädchen, dem ein Mann am Unfallort eine Sporttasche in die Hand drückte? Und was enthält sie?

Viele Fragen, auf die der vom NDR verantwortete Rostocker "Polizeiruf 110" nach und nach Antworten gibt. Regisseur Christian von Castelberg und sein Drehbuch-Autor Florian Oeller setzen ihre Geschichte zusammen.

Aus Mosaiksteinchen wird allmählich ein Bild. Das allerdings verlangt vom Publikum aufmerksames Hinsehen – der Krimi ist alles andere als belangloses Bügelfernsehen.

Eine Art psychisches Niemandsland

Im Gegenteil: Der Episoden-Titel deutet auf schwere Kost. "Sturm im Kopf" klingt nach einem Psycho-Thriller – gewissermaßen "Neues aus der Anstalt" in der Krimi-Version. Der angebliche Mörder (beeindruckend: Christian Friedel) erweist sich als Mann in einer psychischen Ausnahme-Situation.

Mal ist er auf der Höhe der Situation, mal entflieht der offensichtlich Traumatisierte – gedächtnislos – in eine Art psychisches Niemandsland. Der IT-Experte der Windkraft-Firma ist ein Fall für die Psychiatrie.

Aber das Ausloten menschlicher Existenz im Grenzbereich zum Wahnsinn ist nur ein Teil der Geschichte. Sie bietet viel mehr als das.

Es geht auch um Gier und Korruption. Das Geschäftsgebaren des getöteten Managers und seines Partners (Ole Schloßhauer) bedient modische Vorurteile gegen windige Geschäftsmodelle mit Öko-Energie, und die unheilvolle Verstrickung von Wirtschaft und Politik kultiviert wohlfeile Vorbehalte gegen die Mächtigen.

Selbst die Ermittler gehen nicht immer den geraden Weg

Den Krimi zeichnet aus, dass er es nicht bei der billigen Perspektive „Wir da unten, ihr da oben“ lässt. Vielmehr verletzen auch Randfiguren des Dramas Regeln, mehr oder weniger stark – und selbst die Ermittler gehen nicht immer den geraden Weg.

Der Rostocker "Polizeiruf" erzählt, wie der "Tatort" aus Dortmund, Fahndung als Team-Arbeit. Die Mannschaft um Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) hat sich über mehrere Episoden hinweg entwickelt. Doch sie funktioniert keineswegs wie eine geölte Maschine.

Im Gegenteil: Es knirscht allerorten. Bukow hat immer noch Stress mit seiner Frau (Fanny Staffa), die eine Affäre mit seinem Kollegen Thiesler (Josef Heynert). Die Spannung zwischen den beiden entlädt sich handgreiflich. Bukow und König wiederum sind ein Duo, das wundersamer Weise trotz aller Disharmonie funktioniert. Gut, dass wenigstens der Chef (Uwe Preuss) die Nerven behält.

Klischeefreie Optik ohne Mätzchen

Das hilft im alltäglichen Dienst. Besonders wichtig aber ist die Standhaftigkeit des Vorgesetzten, als ein undurchsichtiger LKA-Kollege (Hansjürgen Hürrig) die Ermittlungen an sich ziehen will.

Krimi Der Ton des Krimis ist norddeutsch wortkarg, mal rau, mal herzlich und auch mal auf eine spezielle Art trocken humorvoll. Das passt zu Land und Leuten.

Was den Film im eigentlichen Wortsinn sehenswert macht, sind die hervorragend gestalteten Bilder von Kamera-Mann Martin Farkas. Er sorgt für eine zeitgemäße, klischeefreie Optik ohne unnötige Mätzchen.

Fazit: Einer der besten Sonntagskrimis im Ersten. Das Team ist mindestens genauso interessant wie der Fall.

Sonntag, 1. März, 20.15 Uhr, ARD