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Behinderungen wegen eines erneuten Zugunfalls am Stuttgarter Hauptbahnhof

09.10.2012 | 18:06 Uhr
Foto: /dapd/Michael Latz

Wegen eines erneuten Zugunfalls am Stuttgarter Hauptbahnhof müssen Bahnreisende mit Behinderungen im Fern- und Regionalverkehr rechnen. Nachdem am Dienstagvormittag bei einer Testfahrt drei Waggons eines Intercity (IC) entgleist waren, standen am frühen Abend nur 13 der insgesamt 16 Gleise zur Verfügung, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Stuttgart (dapd). Wegen eines erneuten Zugunfalls am Stuttgarter Hauptbahnhof müssen Bahnreisende mit Behinderungen im Fern- und Regionalverkehr rechnen. Nachdem am Dienstagvormittag bei einer Testfahrt drei Waggons eines Intercity (IC) entgleist waren, standen am frühen Abend nur 13 der insgesamt 16 Gleise zur Verfügung, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Gegner des geplanten Tiefbahnhofs "Stuttgart 21" sehen sich nach dem jüngsten Vorfall in ihrer Ansicht bestätigt, dass die Unfälle im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Bahnhofs stehen.

Der Vorfall am Dienstag war die dritte Entgleisung am Hauptbahnhof innerhalb eines Vierteljahres. Bereits Ende September und Ende Juli waren am Hauptbahnhof Intercity-Züge aus den Gleisen gesprungen. Mit dem Test am Dienstag sollten den Angaben zufolge diese Fahrten nachgestellt werden. Weil es sich um eine Versuchsfahrt handelte, befanden sich in dem Zug keine Reisenden. Verletzt wurde niemand.

Gleise erst am Dienstag wieder freigegeben

Am Samstag vor einer Woche waren die Lok und drei Waggons eines Intercity auf der Fahrt nach Hamburg-Altona kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs aus den Gleisen gesprungen. Die Ursache wird noch ermittelt. Bei dem Unfall wurden mehrere Fahrgäste leicht verletzt. Erst am Dienstag wurden alle 16 Gleise des Bahnhofs wieder für den Verkehr freigegeben. Zuvor waren beschädigte Oberleitungsmasten ersetzt und an der Unfallstelle eine provisorische Weiche eingesetzt worden.

Wegen des jüngsten Vorfalls kam es zu Behinderungen bei mehreren Fernverkehrsverbindungen, darunter viele Verbindungen von Süden in Richtung Norden. Einschränkungen soll es auch in den kommenden Tagen geben. Betroffen davon seien die IC-Linien zwischen Salzburg und Karlsruhe sowie zwischen Klagenfurt und Frankfurt am Main, erklärte die Bahn. In der Gegenrichtung fahren die Züge den Hauptbahnhof an.

Auch Intercity-Züge zwischen Tübingen und Düsseldorf halten nicht am Hauptbahnhof. Die Züge der drei Verbindungen stoppen dafür in Esslingen und Vaihingen (Enz). Alle anderen Fernverkehrszüge hielten in Stuttgart, hieß es. Betroffen von den Einschränkungen sind auch Regionalverbindungen in Richtung Karlsruhe, Heidelberg und Heilbronn. Die Züge beginnen und enden teilweise in Stuttgarter Vororten. S-Bahnen fahren den Angaben nach planmäßig, allerdings kann es vereinzelt zu Fahrplanabweichungen kommen, wie die Bahn mitteilte. Diese Regelungen sollten ab Mittwoch gelten.

Verkehrsclub VCD macht Bahnchef Grube verantwortlich

Gegner des neuen Tiefbahnhofs "Stuttgart 21" machen die Bauarbeiten für das Projekt für die Vorfälle verantwortlich. Der Sprecher der sogenannten Parkschützer, Matthias von Herrmann, sagte: "Die dritte Zugentgleisung an der gleichen Stelle zeigt, dass die Bahn nicht einmal ihr eigenes Kerngeschäft, den Zugbetrieb, im Griff hat."

Er warf dem Unternehmen vor, die Unfallursache nicht bekannt zu geben, obwohl unabhängige Bahnexperten die zu engen Radien als Ursache benennen würden. Von Herrmann rief Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und seinen baden-württembergischen Amtskollegen Winfried Hermann (Grüne) auf, die Notbremse ziehen.

Nach Ansicht des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) trägt Bahnchef Rüdiger Grube "mit seinem vehementen Engagement für das Milliardengrab in Stuttgart die Verantwortung für das aktuelle Fiasko". Der VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb sagte: "Der Dilettantismus der Deutschen Bahn bei der Umsetzung des Bauvorhabens 'Stuttgart' 21 ist erschreckend."

Bereits nach dem Unfall Ende September hatten Verkehrsminister Hermann und Experten der "S 21"-Gegner erklärt, dass ein Zusammenhang mit den Bauarbeiten für den geplanten Tiefbahnhof denkbar sei.

dapd

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