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Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen

16.09.2012 | 12:51 Uhr
Zwei Jahre lang war Hans-Peter Achatzi mit Bahn und Segway mobil - trotz einer 90-prozentigen Querschnittslähmung. Nun verbietet ihm die Bahn, seine Geh-Hilfe mitzunehmen. Der Architekt wünscht sich eine Lösung.Foto: Matthias Graben

Berlin/Köln.  Aus Sicherheitsgründen hat die Deutsche Bahn ein Pilotprojekt gestoppt, bei dem Segway-Nutzer ihre Elektro-Gehhilfe mit in den Zug nehmen durften. Betroffene sind entsetzt: Durch das Verbot sind sie nicht mehr mobil. Ein Kölner Architekt sucht gemeinsam mit dem Konzern nach einer Lösung.

Hans-Peter Achatzi ist verzweifelt. Als Architekt mit Büro in Berlin und Professur in Köln ist er viel unterwegs - und seit 10 Jahren partiell querschnittsgelähmt. Für diese Herausforderung hatte er die perfekte Lösung gefunden: Seine vielen beruflichen Fahrten legte er bis vor kurzem mit dem Zug und einem Segway zurück: einem Elektro-Gefährt, auf dem eine Person stehend fahren kann.

Doch nun ist die Mobilität des 57-Jährigen nicht mehr sicher gestellt. Anfang August teilte ihm die Deutsche Bahn mit, dass er den Segway ab sofort nicht mehr in ihren Zügen mitnehmen dürfe. Die Genehmigung war Teil eines Pilotprojekts, das nun gestoppt wurde. Das Verbot bringt Probleme mit sich, die nicht ihn allein treffen. Der Architekt weiß von fünf anderen Segway-Nutzern, die viel mit der Bahn unterwegs sind.

"Als Grund hat die Bahn Sicherheitsbedenken genannt", sagt Achatzi. "Dabei gab es in den zwei Jahren, in denen ich so unterwegs war, nicht einen einzigen sicherheitsrelevanten Vorfall." Das bestätigt eine Bahnsprecherin zwar auf Nachfrage, betont aber dennoch die Bedenken der Bahn gegenüber Achatzis Gefährt: "Die Sicherheit der Reisenden und der Bahnhofsbesucher hat oberste Priorität."

Segway ist laut Betroffenen einfacher zu händeln als ein Rollstuhl

Auf den ersten Blick erscheint ein Segway tatsächlich instabil, etwas wacklig, als könnte er umfallen. Genau das ist aber nicht möglich. Aus Sicht von Hans-Peter Achatzi ist das Steh-Gefährt weniger gefährlich als ein elektrischer Rollstuhl. Rollstühle sind in Zügen grundsätzlich erlaubt.

Auch sei ein Segway einfacher zu händeln, betont der Architekt: "Ich brauche keine Hilfe beim Ein- oder Aussteigen. Letztlich kann ich den Segway besser transportieren als einen schweren Koffer." Auf dem Bahnhofsgelände, wo Kraftfahrzeuge nicht erlaubt sind, hat er stets geschoben. Rund 100 Meter schafft Achatzi trotz seines Handicaps zu Fuß. In Belgien, Italien und sogar Moskau war Achatzi mit seinem rollenden Begleiter bereits unterwegs - und hatte auf knapp 6000 gefahrenen Kilometern nie Probleme.

Bahn sucht mit Segway-Fahrern nach gemeinsamer Lösung

Bis jetzt. Dass er als Segway-Benutzer von der Bahn anders behandelt wird als ein Rollstuhlfahrer, irritiert den Architekten: "Es kann doch nicht entscheidend sein, ob man auf dem Gerät sitzt oder steht", sagt er. Er habe dem Unternehmen angeboten zu demonstrieren, wie stabil und unkompliziert seine Geh-Hilfe eigentlich ist - bislang ohne Erfolg.

Die Bahn anzuprangern, ist jedoch nicht Achatzis Anliegen. Im Gegenteil: "Das war doch eine klasse Lösung. Ich hoffe, dass wir wieder zusammenkommen", sagt er. Die Bahn bestätigt, dass gemeinsam nach einer Lösung gesucht werde. Achatzi gerät ins Träumen, wenn er darüber nachdenkt: "Ich war zu hundert Prozent mobil. Die Bahn könnte mit so einem Konzept doch sogar Vorreiter werden, was Reisestandards für Menschen mit Handicap angeht."

Segway-Tour am See

Paula Konersmann



Kommentare
17.09.2012
00:02
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von HPAch | #40

... und noch ein Hinweis: auch elektrische Rollstühle sind Kraffahrzeuge nach STVO - die dürfen jedoch weiterhin mitgenommen werden. Es geht hier nicht um Sonderlösungen - sondern darum ein gut funktionierendes System gegen Vorurteile weiterhin durchführen zu können.....
Grüße
HPA

16.09.2012
23:56
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von HPAch | #39

Fortsetzung meines Kommentars:
DIe DB AG hat sich ja mit dem Pilotprojekt sehr offen und freundlich gezeigt. Deswegen - und weil es nicht ein Problem gab und keinerlei Mehraufwand damit verbunden ist, hoffe ich dass es wieder ermöglicht wird.
Der Segway wurde vom Amerikaner Dean Kamen erfunden - nachdem er zuvor besondere elektrische Rollstühle für Behinderte entwickelt hatte - der lebt noch. Verunglückt war der neue Eigentümer ein gutes halbes Jahr nach dem Kauf der Firma - ein 63-jähriger Brite der mit einem Prototyp gerollt sein soll. Genaues weiß man nicht in der Öffentlichkeit.
Ich freue mich auf weitere Kommentare und werde auch weiter antworten.
Beste Grüße
Hans-Peter Achatzi

16.09.2012
23:48
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von HPAch | #38

Ich freue mich über das Interesse an meiner Lage. Ich möchte einiges richtig stellen. In den zwei Jahren bin ich im Schnitt zumindest 3x wöchentlich mit der DB AG durch Deutschland gefahren - mit allen Zugarten die es gibt. Ich bin immer alleine in die Züge rein und wieder raus gekommen. Der Segway rollt beim Einsteigen leicht mit, so dass das Gewcicht sehr gut zu händeln ist. Damit erspare ich der DB AG Kosten, denn sonst hätte ich einen eRolli, der nur mit Hilfe in und aus dem Zug zu bewegen ist. Der Segway ist vollkommen unproblematisch in der Anwendung und benötigt keinerlei Sonderlösung. Er ist eigentlich wie ein großer und schwerer Koffer im Zug. Ich bin damit auch problemlos in den Zügen in den Nachbarstaaten gefahren - auch im Thalys - und wurde immer freundlich aufgenommen worden.

16.09.2012
21:33
dkmmaal | #36
von dummmberger | #37

Das ist aber doch das Problem von Herrn Heseldes. Ein 90% querschnittgelähmter fährt damit, wie man dem Artikel entnehmen kann, seit 2 Jahren unfallfrei.

Übrigens ist der Erfinder der Rollschuhe im Jahr 1760 bei der ersten öffentlichen Vorführung in eine Spiegelwand gekracht und hat sich schwer verletzt.
Wird Zeit, dass man die Diger endlich verbietet.

3 Antworten
Sehr geehrte/r Mit-Kommentator/in dummmberger - #37
von TreuerLeser | #37-1

Mein Hinweis auf die „schweren Schlachten“ gilt auch Ihnen.

Bevor man die Kanonen füttert, sollte man aber auch „Freund- und Feindbeobachtung“ unter Berücksichtigung von Änderungen der aktuellen Gefechtslage vornehmen!

Konkret: „Ein 90% querschnittgelähmter fährt damit, wie man dem Artikel entnehmen kann…“ So schreiben Sie.

Der Prozentsatz mag stimmen, aber auch von diesen 90 Prozent ist dem Artikel mittlerweile nichts mehr zu entnehmen!

Und ich habe ihn mir inzwischen drei Mal durchgelesen.

TreuerLeser | #37-1
von dummmberger | #37-2

Ob 90 oder sonstwas-Prozent, darum geht es gar nicht.

Es geht um Kommentatoren wie Seraquael, die bei solchen Berichten immer auftauchen und mit Vorliebe Schwächeren, in diesem Fall einem Behinderten Vorwürfe machen.

Ich kann mich damit auch nach jahrelangem Lesen dieser Kommentare hier nicht abfinden und werde weiter Leute hier in Schutz nehmen, die völlig unberechtigt angegriffen werden.

dummmberger - #37-2 - Gut, dann habe ich das verstanden.
von TreuerLeser | #37-3

M. E. ist der Artikel inhaltlich so dürftig, dass er von wem auch immer, nicht zu persönlichen Attacken genutzt werden braucht.

Das zeigt auch noch mein folgendes Beispiel:

Das Bild zeigt Herrn Professor Achatzi auf dem Bürgersteig vor dem Hotel Handelshof. Ob er fährt, weiß ich zwar nicht. Lt. Wikipedia gilt für Segways aber:

„Das Fahren des Segways ist nach der Verordnung nur auf Schutzstreifen, Radfahrstreifen, Radwegefurten und Radwegen zulässig. Wenn solche nicht vorhanden sind, dann darf innerorts auf der Fahrbahn gefahren werden, außerorts nur auf der Fahrbahn, wenn die Straßen nicht Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen sind (§ 7 MobHV)“.

Da haben sich die, die solche Dinge ins Programm nehmen, vorher über nichts Gedanken gemacht.

Aber solche Beiträge lösen nach meiner Erfahrung mehr Kommentar-Resonanz aus als jedes zentrale Thema.

16.09.2012
21:14
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von dkmmaal | #36

@ dummmberger | #34

Das heißt, dass noch nicht einmal der Erfinder des Segways unfallfrei damit fahren, bzw. dieses Teil beherrschen konnte und der hatte wirklich Zeit und Geld für seine Fahrübungen…

16.09.2012
20:32
Nun - nachdem sich einige Mit-Kommentatoren verbal bereits…
von TreuerLeser | #35

…„schwere Schlachten“ austragen - nimmt der Artikel ja Konturen an:

Die Schlagzeile hat sich schon geändert, und ich glaube, auch im Text (bereits beginnend mit der fettgedruckten Einleitung) hat sich einiges getan.

Leider habe ich nicht zuvor den Artikel kopiert, um vergleichen zu können.

Aber das Wort „Geh-Hilfe“, was das Segway ja eher mit einem Stock oder Rollator als mit einem Rollstuhl gleichsetzt, meine ich vorher nicht gefunden zu haben (Bin mir aber nicht sicher). Eine „Geh-Hilfe“, wie sie das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Europäische Hilfsmittel-Klassifikationsnorm EN ISO 9999 definieren, ist dort aber etwas anderes als Rollstühle und Segways.

Also weiter so! Vielleicht lässt sich noch mehr klarstellen.

Der zweite Halbsatz von „Auf dem Bahnhofsgelände, wo Kraftfahrzeuge nicht erlaubt sind…“ deutet m. E. nun auch darauf hin, wo die Bahn unabhängig von diesem Einzelfall Probleme sehen könnte.

16.09.2012
19:49
dkmmaal | #32
von dummmberger | #34

Und was hat das mit dem Fall zu tun?

Darf Herr A. das Ding nicht mitnehmen, weil die Gefahr besteht, am Hbf über einen Felsen in einen Fluss zu stürzen?

1 Antwort
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von dkmmaal | #34-1

@ dummmberger | #34

Das heißt, dass noch nicht einmal der Erfinder des Segways unfallfrei damit fahren, bzw. dieses Teil beherrschen konnte und der hatte wirklich Zeit und Geld für seine Fahrübungen…

16.09.2012
19:32
Seraquael | #28
von dummmberger | #33

Wenn Sie den Artikel aufmerksam gelesen (und verstanden) hätten, würden Sie nicht so einen Unsinn schreiben.

Sie schreiben, Herr A. könne sich doch beim Aussteigen helfen lassen. Dabei geht es nicht um das Ein- oder Aussteigen, sondern um die anschließende Fortbewegung.

Sie schreiben von verursachten Kosten, auf meinen Hinweis, dass der Transport des Segways nichts kostet, gehen Sie nicht ein.

Sie unterstellen Herrn A., hier Forderungen zu stellen, dabei stehet oben nur, dass er gemeinsam mit der Bahn nach einer Lösung sucht.

Sie verlangen, dass ein Mann, der aufrecht stehen kann, sich gefälligst wie Ihre gelähmte Tante in den Rollstuhl zu setzen hat. Sie denken, weil Sie eine behinderte Tante haben, kennen Sie die Thematik. Ich kenne jemanden, der stumm ist. Soll ich jetzt verlangen, dass Herr A. den Mund hält?

16.09.2012
19:29
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von dkmmaal | #32

Meldung vom 27.09.10

Jimi Heselden, Besitzer und Erfinder der Segway-Firma und Multi-Millionär, verstarb, nachdem er mit einem Segway über einen Felsen in einen Fluss gefahren ist.

Der 62-jährige erkundete mit seinem zweirädrigen Gefährt sein Grundstück in North Yorkshire, als das Unglück passierte.

Dem ist nichts hinzuzufügen

16.09.2012
18:45
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von iceing | #31

rictik,segways gehören auf strass und nix in bahn. bin noc nicht sehr langee in deutshlant,aber immer fiel ban fahren müsse unt dann die segways nur stören

1 Antwort
Bahn verbietet Schwerbehinderten, Segways mit in den Zug zu nehmen
von Dirk72 | #31-1

Soll das jetzt witzig sein ?

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