Bahn AG schiebt Englisch-Ausdrücke aufs Abstellgleis
16.02.2010 | 21:07 Uhr 2010-02-16T21:07:00+0100
Berlin.Counter sollen wieder Schalter heißen, aus Hotlines werden Service-Nummern: Die Deutsche Bahn AG will weniger englische Ausdrücke verwenden. Das hat Bahnchef Rüdiger Grube auf eine Beschwerde von CSU-Politiker Ernst Hinsken jetzt zugesichert.
Franz Aschenbrenner aus Cham war verwirrt. „Hinsken für Küssen und Reiten?“, fragte sich der Niederbayer verwundert, als er Ende Oktober das „Straubinger Tagblatt“ las. „Hinsken für Kiss&Ride“, war da zu lesen, und erst der Untertitel brachte Aufklärung: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken hatte sich für eine kostenlose Kurzzeitparkzone am Bahnhof seiner Heimatgemeinde Straubing starkgemacht.
Der Vorstoß Hinskens hatte zwar Erfolg, die Deutsche Bahn ließ es sich aber nicht nehmen, die Parklätze in einem Brief als „Kiss&Ride“-Zone zu bezeichnen, was der CSU-Politiker prompt in seinen Sprachschatz übernahm. Der Begriff - frei übersetzt „Küss und fahr“ - weckte bei manchem Bürger jedoch offenbar ganz andere Assoziationen.
Leser Aschenbrenner wandte sich direkt mit einem Hilferuf an Hinsken. Schließlich sei der Begriff eine amerikanische Erfindung und komme sogar in England äußerst selten vor: „Soll das niederbayerische Straubing sprachlich englischer sein als England?“, fragte er in einem Leserbrief und bat den Wahlkreisabgeordneten, bei der Bahn zu intervenieren. Das tat dieser denn auch - mit Erfolg.
„Mietrad-Angebot“ statt „Call-a-bike“
Bahnchef Rüdiger Grube hat dem früheren Tourismusbeauftragten der Bundesregierung jetzt zugesichert, dass die Deutsche Bahn künftig weniger englische Ausdrücke verwenden will. Man habe die Notwendigkeit erkannt und empfehle inzwischen ausdrücklich den Verzicht auf Anglizismen, heißt es in einem Brief von Mitte Januar.
„Es werden keine Begriffe wie Flyer für Handzettel oder Broschüren, Highlights für herausragende Leistungsaspekte oder Counter für unsere Schalter mehr verwendet. Hotlines wurden zu Service-Nummern“, erläutert Grube in dem Schreiben. Ausgenommen seien lediglich etablierte Markenbezeichnungen wie „BahnCard“ oder „Intercity“. Die Dienstleistung „Call a bike“ werde künftig „Mietrad-Angebot“ heißen.
Die Bahn werde sich weiter dafür einsetzen, für alle missverständlichen und überflüssigen Anglizismen alternative Begriffe zu finden, verspricht Grube, plädiert aber gleichwohl für eine differenzierte Betrachtung: Dass die wohl dosierte Verwendung englischer Begriffe durchaus positiv sein könne, „hat nicht zuletzt die CSU erfolgreich bewiesen, indem sie die bayerische Symbiose aus heimatlichem Verwurzeltsein und weltoffener Aufgeschlossenheit treffend mit „Laptop und Lederhose“ charakterisiert hat“, schreibt der Bahnchef. „Dem habe ich aus Sicht der Bahn nichts hinzuzufügen.“ (apn)
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