Australierin wird Multi-Millionärin – für 48 Stunden

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Was wir bereits wissen
Susan Lamb traute ihren Augen nicht. Sie hatte zehn Millionen Dollar auf dem Konto. Ein Bank-Irrtum. Es sollte nicht der einzige bleiben.

Labrador.. Susan Lamb schlägt sich so durch. In einem Einkaufszentrum im australischen Labrador verkauft die 49-Jährige selbstgemachte Lampen. Das reicht der alleinerziehenden Mutter, um sich und ihr Kind durchzubringen, große Sprünge aber sind nicht drin. Deshalb ist sie auch völlig perplex, als sie Ende vergangener Woche ihre Kontoauszüge zieht. Zehn Millionen australische Dollar hat die ANZ-Bank ihr darauf gutgeschrieben. Das sind umgerechnet knapp sieben Millionen Euro. „Ich habe“, sagt Lamb, „meinen Augen nicht getraut.“

Anfangs macht sie noch Witze, nennt die Millionensumme eine „kleine Aufmerksamkeit zum Valentinstag“, für eine „alleinstehende, hart kämpfende, aber heiße Mutter“. „Sehr nett“ findet sie das im Kollegenkreis und scherzt: „Ein wenig Schokolade und ein paar rote Rosen hätten es doch auch getan.“ Und gemeinsam mit Kollegen überlegt sie, was sie mit all dem Geld machen könnte. „Es wären wohl 30 Kreuzfahrten auf der Queen Mary 2 geworden.“

Prozess Die Bank kann keinen Fehler entdecken

Nachdem der erste Schock sich gelegt hat, fragt sich Lamb, was passiert sein könnte. Dann fällt ihr an, dass sie neulich den Kreditrahmen ihres Geschäftskontos hat erhöhen lassen. Von 25 000 auf 50 000 australische Dollar. „Dabei muss der Bank ein Fehler unterlaufen sein“, mutmaßt sie und ruft bei ANZ an. Dort stößt sie aber auf Unverständnis. Es sei alles in Ordnung, man habe keinen Fehler gemacht; „Sie könne über die Summe verfügen“, sagt ein Bankangestellter. „Es ist Ihr Geld.“

„Ist es nicht“, sagt Lamb, stellt ein Foto von sich und eines von dem Auszug beim Internet-Kurznachrichtendienst „Twitter“ ein und wendet sich an die Presse. Auch weil sie Sorge hat, der Versuchung, die Millionen abzuheben und zu verschwinden, auf Dauer nicht widerstehen zu können. So wie der Neuseeländer, von dem sie gelesen hat, der es in einer ähnlichen Situation so gemacht hat. „Den haben sie schnell verhaftet.“ Das soll ihr nicht passieren. „Ich will nicht immer in Angst leben, die Polizei könnte an meine Tür klopfen.“

Das Geld macht Susan Lamb Angst

Doch die Sorge vom Pfad der Tugend abzukommen ist nicht alles. Lamb hat auch Angst, dass jemand sie entführen, ihre Kreditkarte stehlen, den Geldrahmen ausnutzen und sie dann töten könnte. „Schon bei dem Gedanken daran zittere ich.“

Deshalb gibt sie keine Ruhe, tritt im Fernsehen auf, protestiert in Sozialen Medien wie Facebook. Schnell bekommt sie online erste Heiratsanträge, noch schneller sind nur die Bettelbriefe. Da reagiert die Bank, bucht das Geld zurück – angeblich ohne die Kundin vorher zu informieren. Schlimmer noch: Es werden auch 7500 Dollar zu viel abgebucht. Jetzt hat Lamb Schulden.

Einladung zum Essen als Entschädigung

Wieder geht sie in die Öffentlichkeit, und dieses mal ist ANZ schneller. Eine Sprecherin der Bank räumt gegenüber der Zeitung „Gold Coast Bulletin“ einen Fehler ein, schiebt die Schuld aber auf „Geldautomaten einer Drittfirma“, ohne in Details zu gehen. Miss Lamb, sagt sie aber, müsse das fälschlich zu viel abgebuchte Geld natürlich nicht zurückzahlen. Doch das reicht der 48-Stunden-Millionärin nicht. All der Stress, die ganze Aufregung: „Das hätte ich nicht gebraucht.“

Das sieht man bei ANZ mittlerweile offenbar ähnlich. „Wir entschuldigen uns für alle Unannehmlichkeiten“, sagt die Sprecherin. Selbst materieller Schadensersatz ist geplant, wenn auch in bescheidenem Umfang. „Die Bank“, erzählt Lamb, „hat mich nächste Woche zum Mittagessen eingeladen.“