Auf der Suche nach dem Motiv

Foto: NBC Universal/VOX

Ja, noch eine Krimiserie. Aber diese hier ist anders. Denn wer das Verbrechen begangen hat, ist bei „Motive“ in jeder Folge schnell klar. Die Frage ist, warum er es getan hat.

Ein Krimi also, bei dem der Zuschauer mehr weiß, als die Ermittler. Dass so etwas funktionieren kann, hat schon Peter Falk als Columbo gezeigt. Vergleiche sind dennoch nicht angebracht. Denn der zu Anfang bekannte Täter ist so ziemlich das Einzige, das diese beiden Serien gemeinsam haben.

Für die Mördersuche ist bei „Motive“ ein in Vancouver operierendes Team von Cops und Forensikern zuständig. Geleitet wird es von Angie Flynn (Kristin Lehman) und Detective Oscar Vega (Louis Ferreira). Ihnen zur Seite stehen die Gerichtsmedizinerin Dr. Betty Rogers (Lauren Holly) und der junge Polizist Brian Lucas (Brendan Penny). Eine nicht ganz unübliche Zusammensetzung in diesen Tagen. Allerdings konzentrieren sich diese Ermittler fast ausschließlich auf ihre Arbeit, statt sich mit privaten Problemen herumzuplagen.

Es geht nicht um Hightech-Labore oder DNA-Tests. Hier wird meistens noch ganz klassisch ermittelt. Und wenn man aufpasst als Zuschauer, dann kann man manchen Hinweis schon entdecken, bevor es die Ermittler tun. Ansonsten aber taucht der Zuschauer dank seines Wissensvorsprungs recht bald in die Gefühlswelt von Mörder und Opfer ein. Rückblenden und Zeugenaussagen beleuchten das Verhältnis von Täter und Opfer und vertiefen die Kenntnisse über den Tathergang. Das alles ist gekonnt in Szene gesetzt und wird manchmal sogar gewürzt durch eine kleine Prise Humor.

Abwechslungsreiches,neues Konzept

An eine Serie wie „Motive“ muss man sich gewöhnen. Nach zwei, drei Folgen allerdings merkt man dann, dass dieses Konzept viel abwechslungsreicher sein kann, als die klassische Tätersuche. Zumal die Gründe, die den Täter zur Tat getrieben haben in den meisten Fällen durchaus nachvollziehbar sind.

In der Auftaktfolge geht es um das Ableben des redegewandten Rohkost-Gurus Jack Bergin (Cameron Bancroft). Er liegt tot in seiner Badewanne, gerichtet durch eine Elektroschockpistole. Die Täterin, das weiß der Zuschauer, hatte sich zuvor Bergins Ehefrau als Freundin nahezu aufgedrängt. Aber warum? Erste Ermittlungen deuten auf einen Einbruch hin, denn das ganze Haus ist durchwühlt. Doch nichts fehlt! Den Ermittlern wird klar, dass der Täter auf der Suche nach etwas Bestimmtem gewesen sein muss. Was hat Chloe vor ihrer Tat im Haus gesucht? Und ist das der Schlüssel, um den Fall aufzuklären?

Schöpfer der Serie ist Daniel Cerone, aus dessen Feder auch Erfolge wie „The Mentalist“ oder „Dexter“ stammen. In Kanada und den USA ist das Konzept gut angekommen. Dort geht „Motive“ bereits in die dritte Staffel.

Fazit: Ungewöhnliche Idee, gekonnt umgesetzt. Eine Serie, die eine Chance verdient hat. Fraglich ist nur, ob sie direkt hinter den fantastisch angehauchten „Arrow“ und „Grimm“ wirklich gut platziert ist.

Vox, 22.10 Uhr