Auf den Zinnen der Burg
04.09.2009 | 22:07 Uhr 2009-09-04T22:07:00+0200
In einer Welt voller Gefahren lebt es sich sicherer, wenn man eine Burg besitzt, fest gemauert und wehrhaft. Die Zwergmangusten haben eine: verlassene Termitenhügel.
Zoo: Duisburg
Helogale parvula
Familie: Mangusten (Herpestidae)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Die gewaltigen Bauten dieser Insekten erheben sich meterhoch über die Savanne im südlichen Afrika und bieten den neuen Burgherren eine weite Sicht, ob sich Wildhunde oder andere Raubtiere nähern. Ein Späher erklimmt die Warte und warnt die Sippe, so dass sie schnell in den unzugänglichen Bau fliehen können.
Im Duisburger Zoo ist die Termitenburg menschengemacht, aber ebenso wohnlich. Wie aus dem Ausguck einer Festung späht die Manguste in die Umgebung, bevor sie sich ins Umland wagt. Im Moment ist es noch eine recht große Festung, die Sippe klein: Nur zwei der Raubtiere leben hier. Sie kamen im Frühjahr als Übersiedler aus dem hessischen Opelzoo nach Duisburg, ein leerstehendes kleines Gehege sollte belebt werden. Es ist nicht groß, bietet aber doch mehr als zwei Mangusten Raum - vermehren sollen sie sich, die Kleinsippe begründen, in der diese Tiere in der Freiheit leben. Vielleicht zehn, zwanzig Mitglieder hat eine solche Gruppe und sie ist für Biologen etwas Besonderes. Eine derart straffe und komplex unterteilte Sozialordnung kennt man von Insekten, den staatenbildenden Völkern - nicht aber von Säugern. Nur das Alphapärchen darf sich vermehren - und das heißt in diesem Fall: Wirklich nur diese zwei Tiere haben Nachwuchs, nicht wie häufig ein rudelführendes Männchen mit mehreren Weibchen. Und die anderen? Halten sich daran. Entweder sie bekommen erst gar keinen Nachwuchs - oder ihre Jungen werden getötet. Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz hätten solch ein Verhalten noch als entartet bezeichnet - jedes Lebewesen will Nachwuchs, das ist einer der elementarsten Triebe, und kein Geschöpf will seinen Nachwuchs umbringen - eine solche Tierart würde nach kurzer Zeit aussterben. Und mit ihr das groteske Verhalten.
Die Zwergmangusten sind nicht ausgestorben. Nicht einmal gefährdet.
In ihrer Sippe kümmern sich alle Mitglieder um den Nachwuchs, als wäre es der eigene. Vier Würfe kann das Regentenpärchen pro Jahr haben, jedenfalls in Gefangenschaft. Die Lebenserwartung ist vergleichsweise hoch - 12 Jahre. Die putzigen Zwergmangusten sind Raubtiere, in erster Linie machen sie Jagd auf Insekten. Sie verschmähen aber auch Schnecken nicht und haben eine Methode erlernt, an den Inhalt zu kommen. Das harte Gehäuse knacken können sie nicht, dazu reicht ihr kleines Gebiss nicht aus - doch sie schleudern sie mit Schwung gegen Steine - ein Verhalten, das Forscher als indirekten Werkzeuggebrauch bezeichnen; ähnliches kennt man von zum Beispiel von Ottern, die Muscheln auf Steinen knacken.
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