Auch Biergarten-Besucher müssen Benimm-Regeln einhalten

Prost! Der Himmel ist blau, das Bier schön kalt. Alles perfekt. Doch Vorsicht: Auch im Biergarten muss man sich an Regeln halten.
Prost! Der Himmel ist blau, das Bier schön kalt. Alles perfekt. Doch Vorsicht: Auch im Biergarten muss man sich an Regeln halten.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Richtiges Benehmen an Tischen und Bänken. Darf ich eigenes Essen mitbringen? Kann ich mich überall hinsetzen? Auch im Biergarten, diesem Sammelplatz der guten Laune, kann die Stimmung kippen. Hier die wichtigsten Tipps von Knigge-Fachmann Dr. Hans Michael Klein.

Essen.. Ein gut gefülltes Glas, dazu etwas Leckeres vom Grill in gemütlicher Runde. Herrlich! Einer der schönsten Wege des Sommers ist der Abstecher in den Biergarten. Aber aufgepasst! Auch an diesem Sammelplatz der guten Laune kann die Stimmung kippen.

Wie weit darf ich fremden Menschen auf die Pelle rücken? Ist es erlaubt, die eigene Stulle mitzubringen, weil ich Rostbratwürstchen nicht mehr riechen kann? Und wer gewinnt das Rennen um die schönsten Plätze? Ein Fall für Dr. Hans-Michael Klein. Als Leiter der Knigge-Akademie in Essen kennt er die Antworten auf knifflige Fragen im Umgang mit den lieben Mitmenschen.

Ist es okay, sich zu Fremden an den Tisch zu setzen?

Da muss man differenzieren. Es gibt zwei Arten von Tischen. Die kleineren, oft sind es Vierertische, sind die intimeren Bereiche. Die größeren, oft sind es Bierzeltgarnituren, die freizügigeren. „An den langen Bänken geht es kommunikativ zu. Sie sind dazu gedacht, Fremde kennen zu lernen“, sagt Hans-Michael Klein.

Bei den kleineren Tischen sei viel Fingerspitzengefühl gefragt. „Wenn ich sehe, dass da ein Paar sitzt und Sternchen in den Augen hat, sollte ich mich zurückhalten“, rät der Benimm-Experte. Grundsätzlich gilt: Nicht einfach hinsetzen, sondern zuerst fragen.

Und wie frage ich nach einem freien Platz?

Oberstes Gebot: „Freundlich, mit Herzenswärme“, empfiehlt der Fachmann. Er schlägt folgende Formulierungen vor: „Hallo, ist der Platz noch frei?“ oder „Hätten Sie etwas dagegen, wenn wir uns dazu setzen?“ Auch ein schlichtes „Darf ich?“ sei in Ordnung, sofern man das mit einem Lächeln begleitet.

Wie laut darf ich im Biergarten reden?

Darf ich mich auch setzen, wenn meine Anfrage abgelehnt wird?

Kommt drauf an. „Es spielt zum Beispiel eine Rolle, wie voll der Biergarten ist“, sagt Hans-Michael Klein. Es gilt als unhöflich, sich in einem leeren Biergarten an den einzigen besetzten Tisch zu drängen und anderen Gästen auf die Finger zu schauen. Aber auf der anderen Seite gehört es sich, enger zusammenzurücken, je voller es wird.

Noch etwas: Wenn sich nach Tagen voller Regen endlich wieder die Sonne zeigt, ist es nur allzu verständlich, wenn es viele Menschen in die Sonnenzone zieht und die Schattenplätze leer bleiben. „Dann würde ich mich trotz eines ,Neins’ zu fremden Menschen an den Tisch setzen.“

Wie laut soll ich reden?

Empfohlen wird eine mittlere Lautstärke. Gerade so, dass Gesprächspartner entspannt zuhören können, aber nicht so laut, dass der komplette Biergarten beschallt wird. Der Leiter der Knigge-Akademie rät dringend, auf heikle oder intime Themen zu verzichten. Fußpilz oder Details aus der letzten Liebesnacht sollten lieber im kleinen Kreis besprochen werden. „Das gehört nicht an diesen Ort. Genau so wie es sich in einem ICE nicht gehört, einen Porno anzuschauen.“

Wie sieht es mit dem Handy im Biergarten aus

Am besten ist es für die anderen Gäste, wenn das Handy aus bleibt. Denn sie wollen lieber den Klang von aneinanderstoßenden Biergläsern, von rauschendem Blattlaub oder der Musik hören. Wenn das Handy unbedingt anbleiben muss und dann auch noch klingelt: Leise reden!

Darf ich eigenes Essen mitbringen?

Wenn Sie in München unterwegs sind, ja. Wenn Sie in Dortmund, Düsseldorf oder Hagen ausgehen, nein. Man muss ganz klar sagen, dass es bei den Gepflogenheiten in Biergärten regionale Unterschiede gibt. In Bayern erscheinen die Besucher mitunter schwer bepackt. In bester Rotkäppchen-Manier bringen sie ihre gefüllten Körbchen mit, darin finden sich Wurstsalat, Käse, Rettich, Brot und Butter.

Nicht zu vergessen: die karierte Tischdecke (am besten rot-weiß). Die Getränke werden an Ort und Stelle dazugekauft. In Nordrhein-Westfalen käme dieses Verhalten gar nicht gut an. Taucht hier so ein Rotkäppchen-Körbchen auf, ist es gut möglich, dass der Wirt zum bösen Wolf wird.