Arztkosten sparen? Keine Kostenerstattung ohne Rezept

Nasenspray und Salbe gab es für 20 Euro aus der Apotheke. Auf diesen Kosten blieb ein Privatpatient sitzen – zunächst.
Nasenspray und Salbe gab es für 20 Euro aus der Apotheke. Auf diesen Kosten blieb ein Privatpatient sitzen – zunächst.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Unser Leser verzichtete auf den Arztbesuch, da er nur Salbe und Nasenspray brauchte. Die private Krankenkasse wollte die Medikamente nicht bezahlen.

Castrop-Rauxel.. Die Kosten für Ärzte, Krankenhäuser und Medikamente scheinen ständig zu steigen. Immer wieder muss die Politik eingreifen, und Krankenkassen haben Probleme, die nötigen Finanzmittel zu beschaffen. Deshalb wunderte sich unser Leser Michael Höller aus Castrop-Rauxel kürzlich sehr, als seine private Krankenversicherung es ablehnte, ihm beim Sparen zu helfen.

Der Fall: Höllers Ehefrau hatte für ihren Mann in einer Apotheke in Herne schmerzlindernde Salbe einer bekannten Marke und ein Nasenspray gekauft. Weil sie eine Kundenkarte des Geschäfts besitzt, reduzierte sich der Gesamtpreis um rund ein Drittel auf gut 20 Euro. Diese Summe wollte sich der 58-jährige Industriekaufmann von der Krankenversicherung Signal-Iduna in Dortmund erstatten lassen. Er schickte die Quittung ein.

Quittung nicht berücksichtigt

Die schriftliche Antwort, die dieser Zeitung vorliegt, erstaunte den Versicherten. Sie lautete: „Die Apothekenquittung können wir nicht berücksichtigen.“ Denn auf dem Beleg sei zu lesen, dass „die Präparate von Frau Jutta Höller“ gekauft wurden – also der Ehefrau des Versicherten und nicht von diesem selbst.

Arbeitsrecht Obwohl es nur um zehn Euro ging, wollte Privatpatient Höller die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Er rief die Versicherung an und erklärte den Sachverhalt. An der Ablehnung änderte das zunächst nichts. Nach Angaben des Lesers begründete die Signal-Mitarbeiterin am Telefon, dass das Unternehmen von Dritten bezahlte Auslagen nicht zurückerstatte, da es sich um Betrugsversuche handeln könne. Um dem vorzubeugen empfahl sie, die Versicherten sollten sich die Präparate grundsätzlich von Ärzten verschreiben lassen und sie zum Originalpreis in Apotheken erwerben.

Höller fragte sich daraufhin, ob dieses Finanzgebaren der Krankenversicherung in seinem eigenen Interesse und dem seiner Mitversicherten liege. „Für ein Nasenspray, eine Salbe und zwei Arztbesuche kann dann locker ein Betrag von mehr als 100 Euro zusammenkommen“, sagt er. Diese Kosten müssten die Versicherten durch ihre Beiträge finanzieren. Wobei sein Fall zeige, dass doch wesentlich preisgünstigere Lösungen existierten. Schließlich habe der sparsame Einkauf durch seine Frau nur 20 Euro gekostet und bei ihm trotzdem den erwünschten medizinischen Effekt erzielt, so Höller.

Grundsätzliche kein Erstattungsanspruch

Auch gegenüber dieser Zeitung blieb die Versicherung bei ihrer Position. „Grundsätzlich besteht kein Erstattungsanspruch für frei verkäufliche Medikamente, die nicht von einem Heilbehandler verordnet wurden“, schrieb ein Pressesprecher. Im Einzelfall Michael Höllers zeigte sich das Unternehmen nach der Presseanfrage allerdings entgegenkommend: „Auf Kulanzbasis haben wir nun nachträglich die Erstattung vorgenommen, da wir davon ausgehen, dass die Medikamente für unseren Versicherten gedacht waren“, heißt es im Schreiben der Signal-Iduna.

Auch sonst werde auf Basis von Kulanz erstattet, wenn aus dem Kaufbeleg klar hervorgehe, dass die Medikamente für die versicherte Person bestimmt seien. Wie ein Mitarbeiter des Ombudsmanns der privaten Kranken- und Pflegeversicherung in Berlin, der Branchenstelle für Streitschlichtung, bestätigt, ist das Dortmunder Unternehmen mit seiner Haltung auf der sicheren Seite. Grundsätzlich könnten die Versicherungskunden ihre Ausgaben nur dann zurückerhalten, wenn anerkannte Arzneien von Ärzten verschrieben und in Apotheken erworben würden. Das sei in den Geschäftsbedingungen der Versicherungen flächendeckend so geregelt, lautete die Auskunft der Ombudsstelle. Und nicht nur dort. Auch die gesetzlichen Krankenversicherungen übernähmen nur die Kosten für verordnete Medikamente, erläutert Kai Vogel, der Experte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv). Nicht verschreibungspflichtige Medikamente würden grundsätzlich nicht erstattet.

Größerer Personalaufwand

Zwar kann Vogel nachvollziehen, dass der Verzicht auf einen Arztbesuch Kosten spart. Andererseits verweist er auf die Schwierigkeiten der praktischen Umsetzung alternativer Regelungen. Binde man die Erstattung nicht an den Arztbesuch, müssten die Kassen in jedem Einzelfall prüfen, ob die freiverkäuflichen Medikamente medizinisch sinnvoll seien. Das dafür nötige Personal bei den Versicherungen würde ebenfalls erhebliche Kosten verursachen, die die Kunden tragen müssen, gibt der vzbv-Experte zu bedenken. Unter dem Strich hält Vogel das gegenwärtige Verfahren deshalb für in Ordnung. Denn die Arztpraxen nähmen dabei ihre Rolle als Entscheidungsinstanz wahr, welche Behandlungen medizinisch angezeigt seien und daher von den Versicherungen auch bezahlt würden.