"Arische Rinder" attackieren Bauern in Großbritannien

Gefährliche Rasse: Farmer Derek Gow mit seinen Rindviechern, die putzig aussehen, aber ordentlich zutreten können.
Gefährliche Rasse: Farmer Derek Gow mit seinen Rindviechern, die putzig aussehen, aber ordentlich zutreten können.
Foto: SOUTH WEST NEWS SERVICE LTD
Weil sie aggressiv wurden, musste ein englischer Farmer seine Tiere töten. Hinter der Rasse steckt eine Spezialzüchtung – das „arische Rind“.

London.. Britische Farmer geben ihren Kühe gerne Namen wie Daisy, Buttercup oder Ermintrude. Die klingen knuddelig und meistens passen sie auch zum Tier. Nicht im Fall der Rinder, die der Farmer Derek Gow auf der Weide stehen hatte. „Das waren Killer-Kühe“, sagte der Landwirt aus der Grafschaft Devon, „die haben versucht, dich anzugreifen, wann immer sie die Chance hatten. Das war kein Spaß.“

Jetzt musste der 49-Jährige die Hälfte seiner Herde schlachten lassen. Sein Problem: Bei seinen Wiederkäuern handelte es sich um „Nazi“-Kühe.

Nazis wollten perfekte Tiere

Vor fünf Jahren hatte Derek Gow ein gutes Dutzend sogenannter Heckrinder aus einem Naturreservat in Belgien zugekauft. Die Rasse wurde in den 20er und 30er Jahren von den Gebrüdern Heinz und Lutz Heck als Nachfahre des Auerochsen nachgezüchtet. Deren gemeinsamer Freund, der Reichsjägermeister Hermann Göring, schätzte die Rinder als den Idealtypus der „arischen Kuh“ und plante, sie in Polen auszuwildern. Auerochsen galten als Symbol germanischer Stärke. „Zu der Zeit glaubte man“, so Gow, „dass man Tiere mit spezifisch arischen Wesenszügen züchten könne. Die Nazis wollten perfekte Tiere, die von perfekten Menschen gejagt werden konnten.“

In die Blutslinie der Heckrinder wurden alte Rassen wie spanische Kampfstiere oder das korsische Rind eingearbeitet. Von denen übernahmen sie wohl auch ihr aggressives Verhalten.

Tiere griffen Traktoren an

Derek Gow war fasziniert von der Geschichte der Rasse. Heckrinder sind zwar deutlich kleiner als Auerochsen, sehen aber mit ihrem dunkelbraunen, zotteligen Fell und dem muskulösen Körper dem Ur-Rind gar nicht so unähnlich. Sie gelten als krankheitsresistent, widerstandsfähig und kältetolerant. Leider waren einige von ihnen, so Gow, „die angriffslustigsten Tiere, mit denen ich jemals gearbeitet habe“.

Auf die Weide konnte er sich nur noch im Landrover trauen. Und die Herde ließ sich nur zusammentreiben mit einem „großen Traktor, vor den wir einen Heuballen festschnallten - und selbst den haben sie angegriffen.“

Die Killer-Kühe wurden zur Gefahr für Bauer und Mitarbeiter und mussten vom Hof. Man versuchte, sie dem Zoo von Edinburgh anzubieten, aber deren Experten, die immerhin mit Löwen und Tigern zurechtkamen, fanden die Tiere zu schwierig. Sie wurden wieder zurückgeschickt. Da blieb nur noch der Schlachthof. Sieben seiner Heckrinder wurden zu Pasteten und Würstchen verarbeitet. „Das Fleisch ist hervorragend“, meint Gow, „ein Geschmack zwischen Rind und Hirsch. Kaum Fett und wenig Cholesterol.“

Manche von ruhiger Wesensart

Nicht alle seiner „Nazi“-Kühe hatten den Killerinstinkt. Sechs sind übrig geblieben. Sie sind von ruhiger Wesensart. Gow will sie behalten. „Ich weiß nicht, wie attraktiv Dritte-Reich-Würstchen sind“, juxte er, „aber sie schmecken sehr gut.“ Er ist froh, dass er die aggressivsten Wiederkäuer los geworden ist. „Jetzt herrscht Frieden auf der Farm.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE