Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Panorama

Anonyme Erbgut-Spender sind identifizierbar

17.01.2013 | 19:58 Uhr

Das Erbgut von DNA-Spendern lässt sich häufig zurückverfolgen. Forschern ist es gelungen, 50 Teilnehmer des 1.000-Genom-Projekts mit öffentlich zugänglichen Mitteln zu identifizieren. Eine Debatte über den Datenschutz bei Erbgutanalysen sei dringend erforderlich, schreiben die Forscher im Wissenschaftsjournal "Science" (doi: 10.1126/science.1229566).

Washington (dapd). Das Erbgut von DNA-Spendern lässt sich häufig zurückverfolgen. Forschern ist es gelungen, 50 Teilnehmer des 1.000-Genom-Projekts mit öffentlich zugänglichen Mitteln zu identifizieren. Eine Debatte über den Datenschutz bei Erbgutanalysen sei dringend erforderlich, schreiben die Forscher im Wissenschaftsjournal "Science" (doi: 10.1126/science.1229566).

Die Genomforschung boomt. Ob es darum geht, genetische Hintergründe von Krankheiten zu erforschen oder die eigenen ethnischen Wurzeln zu bestimmen - immer mehr Menschen lassen ihr Genom analysieren und speichern. Bei vielen dieser Projekte sind die Daten öffentlich zugänglich, so auch beim 1.000-Genom-Projekt. Seit 2008 werden darin die Genome von rund 2.500 Teilnehmern analysiert, um die Variation im menschlichen Erbgut zu bestimmen. Für mehr als 1.000 Personen sind die Ergebnisse bereits veröffentlicht.

Die Spender der Genome beim 1.000-Genom-Projekt und anderen Forschungsvorhaben verlassen sich darauf, dass ihre Erbinformationen nur anonymisiert in die Datenbanken eingestellt werden. Schließlich könnten darin Hinweise auf Erbkrankheiten und gesundheitliche Risikofaktoren enthalten sein.

Wie unzulänglich die Anonymisierung ist, haben nun Forscher um Yaniv Erlich vom Whitehead-Institut für biomedizinische Forschung in Cambridge gezeigt. Die Biologen und Informatiker um Erlich analysierten zunächst die bisher veröffentlichten Genome der Teilnehmer des 1000-Genom-Projekts. Die Forscher bestimmten auf den Y-Chromosomen die Muster sogenannter kurzer Tandem-Repeats, Wiederholungen gleicher kurzer Buchstabenfolgen im genetischen Code.

Anschließend wandte sich das Team um Erlich den Genomdatenbanken der Genealogen zu. Für die Familienforscher ist das Y-Chromosom sehr wertvoll: Ebenso wie in den meisten Kulturen der Nachname wird es männlich vererbt, von Vater zu Sohn. Genealogen speichern daher die DNA-Information der Y-Chromosomen gemeinsam mit dem zugehörigen Nachnamen. Erlich und seine Kollegen glichen die Einträge dieser Datenbanken anhand der Tandem-Repeats mit den vollständigen Genomen des 1.000-Genom-Projekts ab. Auf diese Weise konnten sie den Genomen Nachnamen zuordnen. Die Recherche in weiteren freien Onlinequellen, darunter Gesundheitsdatenbanken, ermöglichte es den Forschern schließlich, die Besitzer von 50 der untersuchten Genome zu identifizieren.

Frühere Studien hatten die Möglichkeit einer genetischen Identifizierung in Betracht gezogen, wenn die DNA einer bestimmten Person in zwei Datenbanken vorhanden ist. Die neue Studie aber beweist, dass Individuen selbst dann identifiziert werden können, wenn lediglich ein entfernter Verwandter sein Erbgut öffentlich zugänglich macht.

"Wir zeigen, dass Sie identifiziert werden können, wenn beispielsweise Ihr Onkel Dave seine DNA an eine Datenbank für Familienforschung geschickt hat", sagt Melissa Gymrek, Hauptautorin der Studie. Tatsächlich könne man sogar identifiziert werden, wenn nicht Onkel Dave, sondern Patrick, der unbekannte Cousin vierten Grades, seine DNA online gestellt hat - solange er über die väterliche Linie verwandt sei.

Mit ihrem Ergebnis wollten sie weder Menschen davon abhalten, ihre Erbinformationen für medizinische oder andere Zwecke bereitzustellen, noch glauben sie, dass sich Missbrauch verlässlich verhindern ließe, schreiben Erlich und seine Kollegen. Wichtig sei aber, dass Menschen über die möglichen Risiken der Identifizierung aufgeklärt würden.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Oscar de la Renta – der Mann, der die Reichen anzog
Mode
Sein Gefühl für Farben war legendär. Oscar de la Renta galt als der Maler unter den Modemachern. Und er war der Hausschneider der First Ladys dieser Welt. Jetzt erlag der Star-Designer im US-Staat Connecticut den Folgen einer Krebserkrankung.
Freigelassene deutsche Geiseln auf Heimreise von Philippinen
Entführung
Vier Tage nach ihrer Freilassung auf den Philippinen haben die beiden deutschen Entführungsopfer die Heimreise angetreten. Der 72-Jährige und seine 55 Jahre alte Partnerin wurden am Dienstag in der Hauptstadt Manila geflogen. Das Paar wird am Mittwoch in Frankfurt erwartet.
Gelähmter kann nach Rückenmarks-Operation wieder gehen
Medizin
Britischen Forschern ist womöglich eine medizinische Sensation gelungen: Nach einer Operation hat ein von der Hüfte abwärts gelähmter Mann wieder Gefühl in den Beinen - und kann sogar wieder gehen. Ärzte hatten ihm Nasenzellen in die Wirbelsäule verpflanzt. So konnten Nervenzellen wieder wachsen.
US-Forscher melden globalen Temperaturrekord im September
Klima
Wissenschaftler der US-Klimabhörde NOAA haben im diesjährigen September Rekorddurchschnittstemperaturen gemessen. Zuvor waren bereits der Mai, Juni und August dieses Jahres die jeweils wärmsten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Jahr könnte auch insgesamt einen Temperaturrekord aufstellen.
Hinter Schock-Videos im Netz stecken oft Betrüger
Betrug
Insbesondere Kinder fallen oft auf sogenannte "Schock-Videos" im Internet rein. Die Initiative "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht" klärt Eltern darüber auf, wie die vermeintlichen Schock-Videos Nutzer ködern – sogar mit falscher Tatsachen wie dem Tod eines Prominenten.