Anke Engelke: Eltern machen "nur dicke Backen"

In "Frau Müller muss weg" setzen sich Anke Engelke und ihre Schauspielkollegen ab dem 15. Januar im Kino komödiantisch mit dem Thema "Elternabend" auseinander. Im Interview spricht Engelke über ihr Dasein als Mutter, andere Erziehungsberechtigte und natürlich über Elternabende.

Im Film spielt sie eine Übermutter, im realen Leben sieht sie es etwas gelassener. Das erklärt Anke Engelke (49, "Ladykracher") im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Kindern fehle es demnach an "einer schönen Mixtur von Interesse, dass sich Familie und Gesellschaft wirklich mehr für die Belange der Kinder interessieren, ohne sie zu kontrollieren."

Heutige Eltern seien oft nicht engagiert, auch wenn sie nach außen hin so erscheinen. "Das sind doch nur dicke Backen. Die Eltern sind nicht interessiert. Die sind an sich interessiert, und das spielen sie über die Bande Kind. [...] Es geht da nicht um die Kinder. Und wenn es dann doch mal um sie geht, könnte ich auch schreien", erzählt Engelke: "Beispiel Käsetheke: Ein Kind, maximal sieben Jahre alt, sollte jeden Käse probieren, feinsten, französischen Rohmilchkäse von glücklichen Tieren. Und das arme Kind musste sich äußern, ob jetzt lieber mit Kumin oder mit Bockshornklee. Kinder werden zu kleinen Erwachsenen gemacht. Die dürfen nicht mehr einfach nur sieben sein."

Damals war es demnach zumindest in dieser Beziehung besser. "Wenn die Scheibe kaputt war, wurde das Kind einmal ordentlich zusammengefaltet und durfte eine Woche nicht Fußball spielen. Aber ansonsten hieß es: Mein Gott, ist halt ein Kind", meint Engelke. Heutzutage würde dagegen gleich "eine Riesendiskussion um Verantwortung entstehen. Da würde das Kind auch moralisch unter Druck gesetzt." So einen "Kontroletti-Alarm" habe es früher nicht gegeben.

Aber warum gibt es diese Entwicklung? "Uns geht's zu gut. Totaler Kackspruch, ich weiß. Aber wenn's einem richtig gutgeht, macht man sich Probleme, irgendwie. Gerade bei dieser Elternsituation ist das mein Eindruck. Wo so viele Türen aufgehen, wird die Tür unwichtiger, auf der 'Kind' steht", erklärt Engelke. Die Eltern seien nicht schlecht, nur hätten sie nicht "auf dem Schirm, was wirklich wichtig ist. Ob ich es auf dem Schirm habe, sei jetzt dahingestellt. Aber ich habe eine andere Einstellung zum Thema Kinder. Ich finde die wichtig. Ich finde mich nicht so wichtig wie meine Kinder."

Kein Wunder also, dass ein Elternabend für die Schauspielerin ein absolutes Pflichtprogramm ist. Dort sei sie auch nur Mutter und werde glücklicherweise "nie auf meinen Beruf reduziert". "Wir sind ja hier nicht in Hollywood, und ich bin kein Superstar. Ich gehe da ganz normal hin. Und ich bin kein Kasper. Ich war schon zu Schulzeiten nie Klassensprecher. Ich war noch nie die Nummer eins", erzählt sie. Deshalb sei auch eine Rolle als Elternsprecher nichts für sie: "Um Gottes willen. [...] Ich bin privat kein Redner."

Engelkes neue Komödie "Frau Müller muss weg" mit Justus von Dohnányi (54, "Männerherzen") und Alwara Höfels ("Fack ju Göhte") läuft ab dem 15.1. in den deutschen Kinos.