Angeklagter erschießt Richter

Mailand..  Ein Angeklagter hat in einem Gericht in Mailand drei Menschen erschossen, darunter auch einen Richter und einen Anwalt. Zwei weitere Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer, wie Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati gestern sagte. Insgesamt habe der Täter 13 Schüsse abgegeben. Der Mann versteckte sich nach der Tat zunächst in dem Justizpalast im Zentrum Mailands, bevor er mit einem Motorrad flüchtete und schließlich von der Polizei etwa zehn Kilometer nordöstlich der Stadt festgenommen wurde.

Geldnot als Motiv?

Der 57-Jährige war in einem Insolvenzverfahren wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. In der Verhandlung soll er eine Waffe gezogen und einen Mitangeklagten und einen Anwalt erschossen haben. Vier bis fünf Schüsse feuerte der Mann in dem Gerichtssaal Zeugenaussagen zufolge ab, ein weiterer Angeklagter wurde verletzt. Der erschossene Anwalt sagte als Zeuge in dem Prozess aus, hatte den Täter aber früher bereits verteidigt.

„Ich habe gesehen, wie Menschen getroffen wurden. Ich habe einen Zeugen vor mir sterben sehen“, sagte Staatsanwalt Luigi Orsi der Ansa. Nach den Schüssen im Gerichtssaal flüchtete der Täter vom dritten in den zweiten Stock des Gebäudes, wo er gezielt das Büro eines Richters der Konkursabteilung aufsuchte und diesen mit zwei Schüssen tötete. Für ein viertes Todesopfer, von dem zunächst die Rede gewesen war, gab es keine offizielle Bestätigung.

Anschließend verschanzte sich der Täter in dem Justizpalast, der evakuiert wurde. Einige Richter und Anwälte schlossen sich in den Büros ein, andere versteckten sich Medienberichten zufolge unter ihren Schreibtischen, bis es Entwarnung gab. „Wir haben uns sofort in unserem Gerichtssaal verbarrikadiert, als wir die Schüsse gehört haben“, sagte Anwalt Roberto Faletti.

Trotz eines enormen Aufgebots an Sicherheitskräften gelang dem Täter zunächst mit einem Motorrad die Flucht. Etwa eine halbe Stunde später wurde er in Vimercate nordöstlich von Mailand festgenommen, wie Innenminister Angelino Alfano mitteilte. Der Täter sei bereit gewesen, dort weitere Menschen zu töten, wenn die Polizei ihn nicht gestoppt hätte, sagte Alfano.

Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und Metalldetektoren am Eingang des Gerichts umging der Täter wohl mit einem gefälschten Ausweis, wie der Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati erklärte.

Über den Täter war zunächst wenig bekannt, Medienberichten zufolge soll er in enormen finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben. Sein früherer Anwalt Valerio Maraniello schätzte den Schützen gegenüber Ansa als psychisch gestört ein: „Er ist jemand, der gedacht hat, alle wollen ihn betrügen, er war paranoid.“