An Krebs erkrankter Westerwelle tritt wieder öffentlich auf

Guido Westerwelle hat sich in den vergangenen Monaten kaum öffentlich gezeigt.
Guido Westerwelle hat sich in den vergangenen Monaten kaum öffentlich gezeigt.
Foto: dpa
Der frühere Bundesaußenminister und FDP-Politiker hat sich ein Jahr nach seiner schweren Leukämie-Erkrankung beim Reitturnier in Aachen gezeigt.

Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden seiner Krebserkrankung hat sich der frühere Bundesaußenminister Guido Westerwelle in der Öffentlichkeit gezeigt. Der 53 Jahre alte ehemalige FDP-Chef war am Sonntag Zuschauer beim Weltfest des Pferdesports in Aachen und sah sich den traditionsreichen Großen Preis an.

Sein Mann, Michael Mronz, ist Sportmanager und Chefvermarkter des Turniers. Schon im vergangenen Jahr hatte Westerwelle nach seiner Erkrankung das CHIO in der Aachener Soers besucht. Ansonsten waren öffentliche Auftritte von Westerwelle in den vergangenen Monaten rar.

Viele Kinder erkranken an Leukämie

Leukämie (Blutkrebs) ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die im Körper für die Infektabwehr zuständig sind. Sie entsteht im Knochenmark. Bei einer Leukämie kommt es dort zu einer explosionsartigen Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Das ruft unter anderem einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) hervor, die für den Sauerstofftransport im Blut sorgen.

Erste Anzeichen einer Leukämie sind eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte, Abgeschlagenheit und eine Neigung zu Blutergüssen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) rund 11.000 Menschen neu an Blutkrebs, darunter viele Kinder und Jugendliche.

Ohne medizinische Behandlung führt eine Leukämie zum Tod. Helfen kann eine Chemo- oder Strahlentherapie. Schlägt sie nicht an, ist die Übertragung von gesunden Stammzellen die letzte Chance, das Leben eines Patienten zu retten.

Bei Westerwelle war die Krankheit durch Zufall bei einer Voruntersuchung zu einer Routine-OP entdeckt worden. Er ging damit offensiv an die Öffentlichkeit, um Gerüchten vorzubeugen.

Krankheiten bei Politikern häufig ein Geheimnis

Früher waren Krankheiten in der Politik ein gut gehütetes Geheimnis. Heute kommt es immer häufiger zum Tabubruch, mitunter erzwungen – als mediale Vorwärtsverteidigung. So gab der frühere SPD-Chef Matthias Platzeck nach einem Schlaganfall ein Interview, weil er im Krankenhaus erfahren hatte, dass ein Blatt davon Wind bekommen hatte. Das Personal klagte über den „Nachfrageterror“.

In Amerika muss ein Präsident unentwegt Vitalität ausstrahlen: Kraftvoll, energisch, selbstredend unverwundbar. Dass ein John F. Kennedy Rückenprobleme hatte, haben die Amerikaner ebenso wenig erfahren wie vom Herzinfarkt Dwight D. Eisenhowers.

Willy Brandt litt als Kanzler unter Depressionen

In Bonn bekannte Willy Brandt erst nach seinem Rücktritt im Mai 1974, „in Wirklichkeit war ich kaputt“. Er litt unter schweren Depressionen, war oft tagelang nicht zu sprechen. Als Helmut Schmidt zum Ende seiner Kanzlerschaft im Jahr 1981 einen Herzschrittmacher bekam, wurde es geheim gehalten. Die frühere Kieler Ministerpräsidentin Heide Simonis hat jahrelang einen Brustkrebs verschwiegen.

Noch 2004 belog Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) die Öffentlichkeit: Einen lebensbedrohlichen Schlaganfall gab er als „Schwächeanfall“ aus. Das ist verständlich, weil sich schnell die Frage stellt, ob einer noch belastbar ist. Finanzminister Wolfgang Schäuble hat in einer Phase, als er schwer angeschlagen war, der Kanzlerin mehrmals den Rücktritt angeboten. Sie lehnte jedes Mal ab und riet ihm, sich auszukurieren.

Merkels Beckenbruch ließ sich nicht verheimlichen

Der Beckenanbruch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ sich ohnehin nicht verheimlichen. Aber unabhängig davon sind auch Alphatiere immer weniger zur Geheimniskrämerei bereit.

Der Grüne Jürgen Trittin verheimlichte nicht seinen Herzinfarkt, offen gehen seine Parteifreunde Hans-Christian Ströbele und der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach mit ihren Krebserkrankungen um. Der Linke Gregor Gysi gab kurz nach einem chirurgischen Hirneingriff gleich ein Interview dazu. Entscheidend ist, dass jeder selbst bestimmt, ob und wann er – wie Guido Westerwelle – an die Öffentlichkeit geht. (mit dpa)