Amerika zittert vor Hurrikan Sandy - dem „Frankenstorm“

Ein Ladenbesitzer schützt seine Schaufenster mit Brettern vor dem erwarteten Monstersturm.
Ein Ladenbesitzer schützt seine Schaufenster mit Brettern vor dem erwarteten Monstersturm.
Foto: ap
Was wir bereits wissen
Hurrikan "Sandy" wird spätestens Dienstag an der Nordostküste erwartet. Trifft er dort, wie Meteorologen sicher sind, auf einen Kaltluft-Wirbelsturm aus Kanada, droht eine Naturkatastrophe, von der 60 Millionen Menschen betroffen sein könnten.

Washington.. Tagelange Stromausfälle durch umgestürzte Bäume, Starkregen, Überschwemmungen, Windgeschwindigkeiten über 130 km/h, heftige Schneefälle und Schäden in Milliardenhöhe: Bis zu 60 Millionen Amerikaner in den Ostküstenstaaten Virginia bis Maine könnten nach Angaben von Meteorologen und Katastrophenschützern betroffen sein, wenn der tropische Hurrikan „Sandy“ auf Land trifft und sich mit einem Kaltluft-System aus Kanada zu einem „Monstersturm“ verbindet. Mehrere Bundesstaaten von Connecticut bis Virginia haben vorbeugend den Notstand ausgerufen und an die Bevölkerung appelliert, sich mit Lebensmitteln und Trinkwasser einzudecken.

Die Nationalgarde hat 60 000 Kräfte in Alarmbereitschaft versetzt, das Verteidigungsministerium in Washington arbeitet an Rettungsplänen. „Sandy“ hat in der Karibik in den letzten Tagen rund 60 Todesopfer gefordert. Das Unwetter, das sich im Laufe des Sonntags 400 Kilometer vom Land entfernt auf offener See in nordwestlicher Richtung fortbewegte und nach Regierungsangaben spätestens am Dienstag zwischen Massachusetts und Delaware die Küste berühren wird, gilt wegen seiner gewaltigen Ausmaße von über 1000 Kilometern bereits heute unter Wetterforschern als historisch.

US-Medien haben das Unwetter „Frankenstorm“ getauft

Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami erklärte, die Schäden könnten die Dimension des Hurrikans „Bob“ übertreffen, der 1991 an der Ostküste Milliardenschäden verursacht hatte. In Anspielung an den Gruselfilm Frankenstein und weil Halloween unmittelbar bevorsteht, haben die US-Medien das Unwetter „Frankenstorm“ getauft. Überall an der Nordostküste bereiteten sich die Städte gestern auf den möglichen Ernstfall vor. In New York bleiben seit gestern Abend auf Anweisung von Gouverneur Andrew Cuomo sämtliche Busse, U-Bahnen und Nahverkehrszüge im Depot. Bei erwarteten Windgeschwindigkeiten von über 120 km/h sind zudem Brückensperrungen fällig.

[kein Linktext vorhanden] Alle Bauarbeiten in Manhattan sind gestoppt. In vielen Ortschaften an der Küste wurden Tausende evakuiert. Anwohner verrammelten ihr Häuser mit Holzplatten und Sandsäcken. Fluggesellschaften rechnen ab heute mit dem Aus für Hunderte Flüge über den Atlantik. Die amerikanische Marine hat in ihrem wichtigsten Ostküsten-Stützpunkt Norfolk die Verlegung selbst großer Schiffe angeordnet. Stellvertretend für viele Bürgermeister rief New Yorks oberster Repräsentant Michael Bloomberg dazu auf, „nicht in Panik zu verfallen, die Sache aber auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“.

Zwischen sieben und zehn Tage Stromausfall

Nach letzten Berechnungen der Meteorologen erreicht „Sandy“ frühestens am späten Montagabend südlich von New Jersey das Land. Welchen Pfad der Sturm dann nehmen wird, ist nach Angaben von Rick Knabb vom Nationalen Hurrikan-Center „fast zweitrangig“. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte er, dass die „Konsequenzen selbst im glimpflichsten Szenario enorm sein werden“. Hoffnungen, dass die in den USA bei Extremwetter besonders anfälligen Stromleitungen dem Naturereignis Stand halten werden, sind gering.

New Jerseys Gouverneur Chris Christie erklärte, man müsse sich auf Stromausfälle „zwischen sieben und zehn Tagen einstellen“. In Washington baten Telefon-Konzerne und lokale Energie-Versorger ihre Kunden gestern per Anrufkette präventiv um Verständnis: „Wir werden nicht jedem zeitnah helfen können. Bitte haben Sie Geduld.“