Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Gesellschaft

Alte Menschen im Dilemma - Allein leben, aber niemanden zur Last fallen

20.08.2012 | 19:10 Uhr
Alte Menschen im Dilemma - Allein leben, aber niemanden zur Last fallen
Der Hospizverband fordert eine bessere ambulante Versorgung.Foto: dapd

Berlin.   Die meisten Deutschen wünschen sich, wenn sie alt und krank sind, von nahestehenden Menschen versorgt zu werden. Gleichzeitig wollen sie niemandem zur Last fallen. Dies hat eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Deutschen Hospizverbandes ergeben.

Die Mehrheit der Deutschen hofft am Lebensende nach wie vor auf Hilfe durch nahestehende Menschen: In einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Deutschen Hospizverbandes glauben 90 Prozent der Befragten, dass sich jemand um sie kümmert, wenn sie krank sind – aus der Familie, der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis. Auch bei den Alleinstehenden sind es kaum weniger.

Bestünde langfristiger Pflegebedarf, setzen immerhin noch mehr als zwei von drei Deutschen auf ihre Nächsten. Dies kann zu Konflikten und Enttäuschungen führen: Häusliche Pflege ist anstrengend. Besonders Schwerstkranke und Sterbende brauchen ein hohes Maß an Versorgung – ohne professionelle Unterstützung sind Angehörige oft überfordert.

Umfrage
Fast jeder fünfte Deutsche will im Hospiz sterben

Wie wünschen sich die Deutschen ihr Lebensende? Zwei von drei Befragten wollen einer aktuellen Umfrage zufolge zu Hause sterben. Zunehmend gehören aber auch Hospize zum Alltag. Fast jeder Fünfte wünscht sich, den Tod in einer Einrichtung für Schwerstkranke und Sterbende zu erleben.

Viele Ältere befinden sich jedoch in einem Dilemma: „Ich lebe allein, ich möchte eines Tages zu Hause sterben. Aber ich möchte niemandem zur Last fallen.“

Die Hausärzte sind die Anlaufstelle Nummer eins

Für den Hospizverband lässt sich der Widerspruch nur durch ein besseres Netzwerk aus ehrenamtlichen und professionellen Helfern lösen. „Kein alter Mensch sollte in eine Situation des Sich-überflüssig-Fühlens gedrängt werden“, mahnt Herta Däubler-Gmelin, ehemalige SPD-Justizministerin und Schirmherrin des Verbandes, mit Blick auf die aktuelle Diskussion über die Sterbehilfe . Der Deutsche Hospizverband lehnt Sterbehilfe als Beihilfe zur Selbsttötung ab. Ein Gesetzentwurf aus dem FDP-geführten Justizministerium sieht vor, gewerbliche Sterbehilfe zu verbieten, die Beihilfe zur Selbsttötung durch nahestehende Personen aber straffrei zu halten.

Der Hospizverband fordert, die ambulante Versorgung von Schwerstkranken und Sterbenden zu verbessern. Jeder müsse „begleitet, betreut und ohne Schmerzen“ seine letzte Lebensphase erleben können, so Däubler-Gmelin. Oft scheitert das jedoch schon an mangelnder Information: Laut Umfrage weiß nur jeder Zehnte, dass eine ambulante oder stationäre Hospizbetreuung für den Patienten kostenlos ist. Die Leistung erbringen Krankenkassen und ehrenamtliche Mitarbeiter der Hospizbewegung.

Eine wichtige Stellschraube zur Verbesserung der Lage von Sterbenden sind die Hausärzte: Sie sind Anlaufstelle Nummer eins für Patienten und Angehörige. Jedoch: „Für eine solide Beratung braucht ein Hausarzt Zeit, die er aber in der Regel nicht hat“, so der Hospizverband.

Julia Emmrich



Kommentare
Aus dem Ressort
Missbrauchskandal - Britische Behörden wussten Bescheid
Untersuchung
Nach dem massenhaften Missbrauch in Rotherham kommt heraus, dass die Polizei davon gewusst hatte. Auch die Sozialdienste schauten weg. Zwischen 1997 und 2013 wurden in der englischen Stadt mindestens 1400 Kinder sexuell missbraucht. Immer mehr grausige Details kommen ans Tageslicht.
Kunden empört - Kindershirt von Zara erinnert an KZ-Kleidung
Antisemitismus
Nach heftigem Protest hat das spanische Modeunternehmen Zara ein T-Shirt für Kinder vom Markt genommen. Nutzer werfen dem Unternehmen Antisemitismus vor. Denn das Oberteil erinnert stark an die Uniform, die Insassen in den Konzentrationslagern im Dritten Reich getragen haben.
Mädchen (9) tötet Schieß-Trainer mit Uzi-Maschinenpistole
Schießunfall
Ein neunjähriges Mädchen hat in den USA ihren Trainer am Schießstand erschossen. Das Mädchen hatte die Kontrolle über ihre vollautomatische Waffe verloren und traf den 39-jährigen Mann tödlich am Kopf. Es wird wohl keine strafrechtlichen Ermittlungen geben.
Polizei und Jugendamt schloss Augen vor Missbrauchs-Skandal
Missbrauch
Affären, Missbrauch, Leichenschändung — die Kette von Skandalen auf den britischen Inseln reißt nicht ab. Die Vergewaltigungen von Rotherham seien " kein Einzelfall", meint die eine britische Selbsthilfeorganisation für Missbrauchs-Opfer.
Bangkoks Polizei hilft als Geburtshelfer in Staus aus
Sondereinsatz
Eine Geburt ist selten planbar und wenn plötzlich die Wehen einsetzen, dann muss es oft schnell gehen. Auf Bangkoks Straßen ist das ein Problem. Die werdenden Mütter stecken oft im Stau fest. Bangkoks Lösung sind Polizei-Hebammen, die speziell für diesen Einsatz ausgebildet wurden.
Umfrage
Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

 
Fotos und Videos