Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Kriminalität

Alpenmord - War der Radfahrer das Ziel des Anschlags?

22.10.2012 | 19:02 Uhr
Alpenmord - War der Radfahrer das Ziel des Anschlags?
Der britische Familienvater soll sich mit seinem Auto bei dem Versuch, vor dem Schützen zu fliehen, festgefahren haben.Foto: Solo Syndication LTD London

Annecy.   Musste die britische Familie in den französischen Alpen sterben, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war? Die Schilderungen der siebenjährigen Tochter der Familie, die das Attentat überlebte, lassen den Schluss zu, dass das eigentliche Ziel des Schützen der Radfahrer am Tatort war.

Für die Polizei war Sylvain Mollier bisher ein „Zufallsopfer“. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Weil er mit seinem Fahrrad vorbeikam, als ein Unbekannter in den französischen Alpen Saad al-Hilli, dessen Frau Iqbal und deren Mutter Suhaila erschoss. Ein unerwünschter Zeuge, der sterben musste, damit er nicht reden konnte.

Doch nach sechs Wochen gibt es Zweifel an dieser Theorie. Nach Berichten englischer und französischer Zeitungen und TV-Sender war es genau umgekehrt. Von „Bewegungsprofilen“ ist die Rede und von „unterschiedlichen Einschusswinkeln“, die auf den Radfahrer als erstes Opfer hinweisen. Die Spuren, heißt es, zeigten ein „unorganisiertes Verhalten“. Nichts, was ein Profi-Killer an den Tag legen würde.

Spekulationen über Doppelleben

Der „Daily Telegraph“ will außerdem Zugang zu den Aussagen der siebenjährigen Tochter Zainab gehabt haben, die die Tat überlebt hat. Sie soll in ihrer Befragung erzählt haben, der unbekannte Schütze habe zunächst auf den Radfahrer geschossen. Sie selbst und ihr 50-jähriger Vater hätten sich, so die Zeitung weiter, außerhalb des Autos aufgehalten, seien dann aber sofort zum Rest der Familie gelaufen. Saad al-Hilli habe die Türen verriegelt und versucht, wegzufahren. Doch dabei, meldet der Sender „France 3“, habe er den bordeauxroten BMW-Kombi rückwärts in die Böschung gesetzt und festgefahren.

Meldung vom 18.9.2012

Gut zwei Wochen nach dem Vierfachmord von Annecy in den französischen Alpen geht die dortige Polizei einer neuen Tatversion nach. Was, wenn nicht die britische Familie das Ziel der Killer war, sondern der Radfahrer, der bis dato als zufälliger Zeuge galt? Der Mann arbeitete in der Nuklearbranche.

So habe der Killer Gelegenheit gehabt, ihre Eltern und ihre Oma zu erschießen. Das Kind selbst wurde an der Schulter verletzt und niedergeschlagen, überlebte die Tat aber. Genau wie ihre vierjährige Schwester, die sich im Fußraum des Autos hinter den Beinen ihrer Mutter verstecken konnte. Anschließend, zitieren französische Medien, sei der Mörder zum niedergeschossenen Mollier zurückgekehrt und habe den 45-Jährigen mit fünf Schüssen in den Kopf förmlich hingerichtet, bevor er ihn in die Nähe des Autos schleifte.

Angebliches Mordmotiv

Auch ein Motiv für den Mord an Mollier gibt es angeblich. Der dreifache Vater arbeitete für ein Unternehmen des französischen Atomkonzerns Areva, der vor einigen Jahren angeblich gegen das UN-Embargo verstoßen und angereichertes Uran an den Iran geliefert haben soll. Auch Ermittlungsleiter Benoît Vinnemann hatte im Fernsehen über ein Doppelleben Molliers spekuliert, ohne allerdings Einzelheiten zu verraten.

Meldung vom 7.9.2012
Alpenmord trägt Handschrift von Auftragskillern

Nach dem Massaker in französischen Alpen ist den Ermittlern klar: Es handelt sich um Profi-Killer. Die Ursache könnte ein Familienstreit sein. Die wichtigste Zeugin, ein siebenjähriges Mädchen, das die Bluttat überlebte, ist bislang nicht vernehmungsfähig.

Von einer Wende im Fall will Vinnemann dann auch jetzt offiziell nicht sprechen. Bislang gebe es „nichts, das gestatten würde, die genaue Reihenfolge der Morde festzulegen“, behauptet er. Und der zuständige Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, sekundiert: „Die Experten haben dem Untersuchungsrichter erklärt, dass sie nicht in der Lage seien, die Reihenfolge der Schüsse festzustellen.“

Angehörige fühlen sich bestätigt

Allerdings bestätigte der Staatsanwalt, dass Familienvater Al-Hilli zeitweise aus dem Auto ausgestiegen war. Die Angehörigen der ermordeten britischen Familie fühlen sich durch die neuen Berichte bestätigt. „Sich nur auf die Familie zu konzentrieren, ist nicht angemessen“, sagte Ahmed al-Saffar, der Onkel der erschossenen Ehefrau, am Montag dem britischen Radiosender BBC.

Bisher hatte die Polizei Spuren im Umfeld der Familien verfolgt und war auf eine illegale Waffe, Streit unter Brüdern und eine größere Summe Geld gestoßen. Für Ahmed al-Saffar alles „kein Grund“, weshalb die Familie ins Visier geraten sein könnte. Die französische Staatsanwaltschaft, forderte er, solle „professionelle Ermittlungen“ führen und „keine Spur ausklammern“.

Andreas Böhme


Kommentare
Aus dem Ressort
An Ebola erkrankter Arzt aus Westafrika erliegt Krankheit
Ebola
Ebola breitet sich in Westafrika aus. Auch Ärzte haben sich schon bei Patienten angesteckt. Ein Mediziner, der möglicherweise in Hamburg hätte behandelt werden können, ist nun gestorben.
Fahnder setzen Belohnung nach Mord an Armani (8) aus
Mord
Nach dem Mord an Armani (8) haben die Staatsanwaltschaft und ein weiterer Geldgeber eine Belohnung von insgesamt 10.000 Euro ausgesetzt. Die Leiche des Jungen war vor einer Woche in Freiburg gefunden worden — einen Verdächtigen gibt es bislang nicht.
Senioren-Freizeitpark erntet Kritik - noch vor der Eröffnung
Seniorenfreizeit
Elvis-Imitator, Weltkriegs-Care-Pakete und eine nachgebaute Terracotta-Armee: Deutschlands erster Senioren-Freizeitpark eröffnet am Sonntag. Statt mit wilden Fahrgeschäften lockt der Park mit kulturellen Attraktionen. Wissenschaftler kritisieren das Konzept.
Esoterik-Anhänger aus ganz Deutschland pilgern zu Kornkreis
Kornkreis
Tausende Esoterik-Anhänger sind in der letzten Woche zu einem Kornkreis in Bayern gepilgert. Waren es Außerirdische, die uns eine Botschaft hinterlassen haben, oder gibt es eine natürliche Erklärung? Einige Besucher sind sicher: Aliens wollten den Erdenbürgern ihre Liebe zeigen.
Nature One 2014 - Tickets für das Festival sind ausverkauft
Nature One
Mit 72.000 Besuchern wird das Elektro-Festival Nature One erstmals ausverkauft sein. Zum Line up gehören Star-DJs wie Axwell, Carl Cox, ATB, Paul van Dyk und Robin Schulz. Im Netz wird ein Livestream von dem zweitägigen Open-Air-Festival angeboten. Festival Nature One feiert 20-jähriges Jubiläum.
Umfrage
Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?