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Allein unter Frauen - Der einzige Mann im Strickcafé

24.11.2008 | 13:04 Uhr
Allein unter Frauen - Der einzige Mann im Strickcafé

Klemens Ketelhut aus Leipzig strickt, wann immer ihm danach zumute ist: in der Kneipe, auf Partys oder im Zug zur Arbeit nach Halle. Täglich mindestens drei Stunden verbringt der 33-Jährige mit seinem Lieblingshobby. Schon morgens nach dem Aufstehen schwingt er erst einmal seine Stricknadeln und trinkt dazu einen Tee. Da er mit einer solchen Leidenschaft strickt, war es nur eine Frage der Zeit, bis er auf das Leipziger Kreativ- und Strickcafé gestoßen ist.

In diesem bundesweit einmaligen Treffpunkt für Strickfans aller Couleur ist Ketelhut zwar der einzige Hahn «unter vielen verrückten Hühnern», doch das stört ihn absolut nicht. «Ich fühle mich nicht als Exot», sagt er junge Mann, schnappt sich seine halbfertige Socke samt Nadeln und mischt sich unters strickende Volk. Es ist Mittwoch, der Hauptstricktag in dem gemütlichen Café.

Klemens Ketelhut strickt im Strickcafe in Leipzig. Foto: ddp

So wie Ketelhut sind die meisten Gäste von dem Café total begeistert. «Wir werden glühend beneidet», berichtet Andrea Rolle, die den Treffpunkt für Strickfans im Mai 2007 gemeinsam mit Christine Manitz eröffnet hat. Seitdem ist es täglich montags bis samstags geöffnet. Es wird gequatscht, Kaffee oder Tee getrunken, gehäkelt, geschneidert - und natürlich vor allem gestrickt, was Nadeln und Hände hergeben. Finanziert wird das Ganze über Mitgliedsbeiträge, Strickkurse sowie den Verkauf von Wolle oder selbst gefertigten Sachen. «Wir sehen uns als Interessengemeinschaft», sagt Manitz, die seit ihrem fünften Lebensjahr diesem Hobby frönt und es alles andere als altmodisch findet. Schließlich gebe es immer wieder neue Trends.

Fusselwolle ist derzeit ein großer Renner

Derzeit ist die gerade entwickelte Hundertwasser-Wolle der neueste Schrei. «Das ist Wolle, die von den Farben her den Hundertwasser-Bildern nachempfunden wurde», erklärt Manitz. Sie zeigt ein Paar bunte Socken, deren Farben dem Bild «Straße zum Sozialismus» des österreichischen Künstlers entliehen wurden. Auch Fusselwolle sei derzeit ein großer Renner, sagt die Strickcafé-Initiatorin, die mit ihrem Projekt auch schon zweimal auf der Leipziger Messe «Modell, Hobby, Spiel» mit einem eigenen Stand vertreten war.

«Das Stricken wird teilweise belächelt, aber es wird immer beobachtet, wenn man strickt», weiß Andrea Rolle aus Erfahrung. Sie schreibt in einem eigens eingerichteten Internet-Blog ein Tagebuch mit Fotos, damit die Strickfans außerhalb Leipzigs immer wissen, was im Strickcafé los war. Dieser Blog werde sogar in Italien oder Schweden gelesen, denn Strick-Anhänger aus diesen Ländern hätten auch schon persönlich in dem kleinen, kreativen Laden vorbeigeschaut. In Köln gebe es zwar einen Strickladen, der Treffs anbietet, berichtet Rolle. Ein weiteres Strickcafé wie das in Leipzig sei ihr in Deutschland aber nirgendwo bekannt.

Socken scheinen - mit oder ohne Hundertwasser-Farben - der Renner in der illustren Strickrunde zu sein. Die meisten haben schon etliche Paare davon gefertigt, die gern von der Familie, Kollegen und Freunden getragen werden. Auch Klemens Ketelhut trägt nur selbst gestrickte Socken. «Ich finde das nicht schwer. Es ist nur ein Mythos, wenn man hört, dass die Ferse schwierig zu stricken ist», stellt er klar. Stricken - das sei ein bisschen wie Autofahren: Irgendwann hat man's raus. Da er bisher immer nur Socken, Schals, Stulpen und andere Kleinteile gestrickt hat, wolle er sich nun an etwas Größeres wagen, sagt der Mann mit den geschickten Fingern. Eine Strickjacke sei sein erklärtes Ziel. Die Wolle dafür habe er schon gekauft.

So weit ist Irena Stuckert noch lange nicht. Sie macht gerade einen Kurs und hält ein kleines Stück ihrer ersten Socke in den Händen. Seit September kommt die 23-Jährige ins Strickcafé und hat viel Spaß dabei. «Ich fand dieses Hobby eigentlich schon immer toll», sagt die junge Frau, die ihren Freunden aber vorsichtshalber nichts von ihren ersten Erfahrungen mit Nadeln und Wolle erzählt hat. Irgendwie habe das Stricken einen altmodischen Touch. «Es sieht aber total schön aus», schwärmt die junge Frau, die ganz fest an ein großes Comeback des Strickens glaubt. (ddp)

DerWesten

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