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Aktmodelle protestieren nackt auf der Straße

17.12.2008 | 21:45 Uhr

Unbekleidet zu posieren, ist ihr Job. Aber sich finanziell ausziehen zu lassen, kommt für Magali Aviet und ihre Kolleginnen nicht mehr in Frage

Paris. Von ihren Podesten in den städtischen Ateliers der schönen Künste sind sie auf die Straße gezogen, haben mit blanker Haut bei klirrender Kälte vor dem Pariser Kulturamt bibbernd demonstriert. "Nackt ja, ausgezogen nein", riefen 15 Künstler-Musen, die sich zu einer Protest-Skulptur formiert hatten, die jeden Bildhauer entzückt hätte. Studenten, Professoren und Gewerkschaftsabordnungen unterstützten sie in ihrer Forderung, fürs stundenlange Nackt-Posieren auch anständig bezahlt zu werden. Ausgelöst hatte den Striptease-Protest die Entscheidung der neuen Direktion der Pariser Kunstschule, den rund 100 Kunst-Musen das bislang übliche Trinkgeld nach einer Sitzung zu verbieten. Verboten war es zwar schon immer, nach der Pose-Stunde in den städtischen Ateliers ein gerolltes Zeichenblatt unter den Studenten herumgehen zu lassen, um dem Modell ein paar Extra-Euro zuzustecken. Aber bislang hatte die Stadt ein Auge zugedrückt. Damit ist nun Schluss, zumal sich auch Kunststudenten über diese Praxis beschwert haben sollen. In den Geldbörsen der Profi-Sitzer herrscht nun Ebbe. Magali, die parallel zum Studium posiert, beziffert den Verlust auf bis zu 200 Euro im Monat, ein Viertel der Einkünfte. Nicht allein ums Trinkgeld geht es der 27-Jährigen, sondern auch um die Anerkennung "unseres Berufs, der einer künstlerischen Handlung ähnelt".

Von Joachim Rogge

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