Aktenzeichen XY – Was bringt die Suche nach Peggy noch?

Ein Gedenkstein mit dem Porträt von Peggy. Das Kind wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst.
Ein Gedenkstein mit dem Porträt von Peggy. Das Kind wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst.
Foto: Archiv/dpa
Was wir bereits wissen
Vor 14 Jahren verschwand Peggy (9). Was passiert ist, weiß die Polizei bis heute nicht. Nun greift "Aktenzeichen XY... ungelöst" den Fall erneut auf.

Lichtenberg/Bayreuth.. Würde Peggy Knobloch noch leben, wäre sie heute eine junge Frau im Alter von 23 Jahren. Doch 2001 kam Peggy in Lichtenberg (Bayern) nicht von der Schule nach Hause. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Dass sie noch lebt, glaubt eigentlich niemand mehr. Doch was mit ihr passiert sein könnte - auch darüber gibt es keine Gewissheit. Eine Leiche wurde nie gefunden. Ihr Verschwinden ist einer der größten ungelösten Kriminalfälle. Nun befasst sich die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" mit Peggys Schicksal.

In der Folge "Wo ist mein Kind?" am Mittwoch (3.6., 20.15 Uhr) wird der Fall aus Oberfranken nochmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Aber was bringt die Suche nach so langer Zeit noch?

Polizei will jede Chance nutzen

Man wolle diese Möglichkeit natürlich nutzen, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth. "Man muss sehen, ob noch Hinweise kommen, die weiterführen könnten." Euphorisch klingt das nicht gerade. Potzels Behörde ermittelt seit 2012 wieder in dem Fall, der Durchbruch blieb bislang aus. Etwa 4800 Hinweise habe es gegeben, sagt er. "Die sind inzwischen weitgehend abgearbeitet." Der Fall Peggy bleibt ein Rätsel.

Prozess Kurz nach dem Verschwinden der Schülerin begann eine großangelegte Suchaktion. Sogar Bundeswehr-Tornados waren im Einsatz. Hundertschaften der Polizei durchkämmten die Wälder rund um Lichtenberg. Vergeblich. 2002 präsentierten die Ermittler den geistig behinderten Ulvi K. als Tatverdächtigen. Er habe Peggy ermordet, um zu vertuschen, dass er sie sexuell missbraucht hatte. 2004 wurde er als Peggys Mörder verurteilt. Inzwischen wurde er jedoch im Zuge eines Wiederaufnahmeverfahrens freigesprochen.

Ermittler sollen Ulvi K. zu Geständnis gedrängt haben

Sein Verteidiger Michael Euler hatte den Ermittlern grobe Fehler vorgeworfen, unter anderem sollen sie den geistig behinderten Ulvi zu einem Geständnis gedrängt haben, das verblüffend einer Tat-Rekonstruktion ähnelte, die die Beamten zuvor erstellt hatten. Auch beim zeitlichen Ablauf der angeblichen Tat hatte es demnach Ungereimtheiten gegeben. Die Polizei soll zudem Zeugenaussagen, die Ulvi entlasteten, nicht ernst genommen haben.

In den vergangenen beiden Jahren gab es eine Reihe spektakulärer Untersuchungsaktionen der Polizei, um das Verschwinden der Schülerin doch noch aufzuklären. Zuletzt wurde im Frühjahr in einer Talsperre in Sachsen nach Peggys Schulranzen gesucht. Die Polizei räumte dabei unumwunden ein: Erfolgschancen hatte die Aktion mit Tauchern der Bereitschaftspolizei eigentlich nicht. Aber man wollte sich nicht vorwerfen lassen, eine Spur außer Acht gelassen zu haben.

40 Kilometer entfernte Talsperre wieder im Mittelpunkt

Immerhin hatte in den Monaten nach Peggys Verschwinden ein Zeuge gesagt, eine Schultasche in der 40 Kilometer von Lichtenberg entfernten Talsperre gesehen zu haben. Damals suchten die Ermittler aber nur am Ufer. "Wir mussten das jetzt nochmals überprüfen, hatten aber nicht mit einem Fund gerechnet", sagte Oberstaatsanwalt Potzel.

2013 war die Polizei fast eine Woche lang damit beschäftigt, ein Anwesen in Lichtenberg zu durchsuchen - sogar im Garten wurde gegraben. Die Ermittler fanden zwar Knochenreste, sie stammten aber nicht von Peggy. Ebenso erfolglos blieb eine Grabungsaktion am Lichtenberger Friedhof Anfang 2014. Zwischenzeitlich waren ehemalige Bekannte der Familie Peggys aus Halle/Saale ins Visier der Fahnder geraten, doch auch diese Spur brachte keinen Durchbruch. Sie gelten inzwischen nicht mehr als Verdächtige. (dpa)