Adoptionswillige Amerikaner auf Haiti freigelassen
18.02.2010 | 10:37 Uhr 2010-02-18T10:37:00+0100
Port-au-Prince. Die zehn US-Bürger, die in Haiti wegen Verdachts auf Kindesentführung festgenommen worden waren, sind wieder auf freiem Fuß. Die Mitglieder einer Baptistengemeinde waren vor drei Wochen verhaftet worden. Die haitianischen Behördern ermitteln allerdings weiter gegen sie.
Knapp drei Wochen nach ihrer Festnahme in Haiti haben acht der zehn unter dem Verdacht der Kindesentführung stehenden US-Baptisten den Karibikstaat verlassen. Ein Richter in Port-au-Prince ordnete am Mittwoch (Ortszeit) die Freilassung der Männer und Frauen an, ohne jedoch die Beschuldigungen gegen sie fallen zu lassen. Die beiden Leiterinnen der religiösen Gruppe blieben zur weiteren Befragung vorerst in Haft.
Nach Angaben von Augenzeugen verließen die acht US-Bürger am Abend das Gefängnis in Port-au-Price und fuhren in einem Kleinbus zum Flughafen, wo ein Militärflugzeug mit Ziel Miami auf sie wartete. Das US-Außenministerium bestätigte, dass die Baptisten Haiti verlassen hätten.
Kein Unschuldsbeweis
Der haitianische Sicherheitsminister Claudy Gassant sagte, die Freilassung bedeute nicht, dass die acht Verdächtigen unschuldig seien. Sie müssten damit rechnen, im weiteren Verlauf des Verfahrens nach Haiti zurückzukehren. Das US-Außenministerium teilte hierzu mit, es respektiere „das souveräne Recht der haitianischen Regierung, ihre eigenen Prozesse zu führen“.
Weiter im Gefängnis befanden sich die Leiterin der Gruppe, Laura Silsby, sowie ihre Vertraute Charisa Coulter. Nach Angaben ihres Anwalts, Aviol Fleurant, will der Richter herausfinden, warum die beiden bereits vor dem Erdbeben vom 12. Januar nach Haiti gereist seien. Fleurant sagte, seine Mandantinnen hätten in einem Waisenhaus im Nordosten des Landes helfen wollen.
Versucht, 33 Kinder außer Landes zu bringen
Die zehn Baptisten waren Ende Januar bei dem Versuch festgenommen worden, mit insgesamt 33 haitianischen Kindern in die benachbarte Dominikanische Republik einzureisen. Die christlichen Missionare gaben an, bei den Kindern handle es sich um Waisen, doch stellte sich rasch heraus, dass etliche Kinder noch Angehörige hatten. Einige der Eltern gaben vor Gericht an, die Kinder freiwillig übergeben zu haben, weil sie hofften, ihr Nachwuchs habe so eine bessere Zukunft.
Haiti war am 12. Januar von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Mindestens 217.000 Menschen kamen nach offiziellen Angaben bei der Katastrophe ums Leben, die Hauptstadt Port-au-Prince und weitere Gebiete wurden schwer zerstört. Mehr als eine Millionen Menschen wurden obdachlos.
Angehörige der Baptisten reagierten erleichtert auf die Freilassung. „Es war schrecklich, aber wir haben Gott vertraut“, sagte Phyllis Allison, die Mutter eines der Mitglieder, dem Nachrichtensender CNN. Ihr Sohn habe nach dem Erdbeben die Menschen in Haiti beim Wiederaufbau unterstützen wollen. „Er wollte einfach nur helfen“, sagte sie. (afp)
0mitdiskutieren