Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Entführungsdrama

Acht Millionen Dollar Kaution für mutmaßlichen Entführer

09.05.2013 | 19:01 Uhr
Acht Millionen Dollar Kaution für mutmaßlichen Entführer
Der Hauptverdächtige im Entführungsdrama von Cleveland, Ariel Castro, bei der ersten Gerichtsanhörung.Foto: rtr

Cleveland.  Das Gericht will offenbar mit allen Mitteln verhindern, dass der Tatverdächtige im Entführungsdrama von Cleveland noch vor Prozessbeginn auf freien Fuß kommen. Deshalb wurde bei der ersten Gerichtsanhörung die Kaution auf acht Millionen Dollar, rund 6,1 Millionen Euro, festgesetzt.

 Im Entführungsdrama von Cleveland soll durch eine besonders hohe Kaution vermieden werden, dass der Hauptverdächtige Ariel Castro vor oder während des Prozesses auf freien Fuß kommt. Bei der ersten Gerichtsanhörung, die der 52-Jährige schweigend und mit gesenktem Kopf verfolgte, setzte Richterin Lauren Moore am Donnerstag eine Kaution von acht Millionen Dollar (6,1 Millionen Euro) fest. Castro soll drei Frauen jahrelang in seinem Haus festgehalten und vergewaltigt haben, zwei seiner Opfer konnten inzwischen zu ihren Familien zurückkehren.

Castro wird vorgeworfen, drei Frauen entführt sowie jahrelang gefangen gehalten und missbraucht zu haben. Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight waren am Montag aus seinem Haus in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio befreit worden, nachdem Berry einen Nachbarn alarmiert hatte. Die Frauen waren zwischen 2002 und 2004 verschwunden. Die 27-jährige Berry brachte in der Gefangenschaft offenbar ein Kind zur Welt, die sechsjährige Jocelyn.

Der Verdächtige sagte vor Gericht kein Wort

"Zwei der Opfer erlitten mehr als ein Jahrzehnt lang eine grauenhafte Tortur, ein drittes wurde fast ein Jahrzehnt gequält. Und die Tortur führte zu einem kleinen Mädchen, das offenbar in der Gefangenschaft geboren wurde", sagte Staatsanwalt Brian Murphy vor Gericht. Nach Angaben von Castros Pflichtverteidigerin Kathleen DeMetz wird dem früheren Busfahrer in drei Fällen Entführung und Vergewaltigung vorgeworfen sowie in einem Fall - dem des Kindes - Entführung. DeMetz forderte, dass ihr Mandant im Gefängnis "in eine Einzelzelle mit Selbstmord-Überwachung kommt, wo niemand Zugang zu ihm hat".

Richterin Moore ordnete ihrerseits an, dass Castro keinerlei Kontakt zu seinen mutmaßlichen Opfern haben dürfe. Der ehemalige Busfahrer sagte während des Gerichtstermins kein Wort, die meiste Zeit hielt er seinen Kopf gesenkt und kaute am Kragen seiner Gefängniskleidung herum.

Verdächtiger soll sich als "sexuelles Raubtier" bezeichnet haben

Bei der Durchsuchung des Hauses von Castro fand die Polizei laut einem Medienbericht eine Notiz, in der er sich als "sexuelles Raubtier" bezeichnet. Offenbar mit Blick auf seine Opfer schrieb er laut einem Reporter des lokalen Fernsehsenders WOIO: "Sie sind hier gegen ihren Willen, weil sie den Fehler begangen haben, zu einem völlig Fremden ins Auto zu steigen." Die Notiz stammt offenbar aus dem Jahr 2004, in ihr spricht Castro den Angaben zufolge auch davon, sich selbst zu töten und seine Ersparnisse seinen Opfern zu hinterlassen.

Während Michelle Knight am Donnerstag zunächst weiter im Krankenhaus behandelt wurde, kehrten die anderen Entführungsopfer zu ihren Familien zurück. Berry fuhr mit ihrer Tochter vor dem Haus ihrer Schwester Beth Serrano vor. Serrano dankte der Öffentlichkeit und den Medien für ihre Unterstützung "in den vergangenen Jahren", bat aber zugleich um den Schutz der Privatsphäre, "damit meine Schwester und meine Nichte und ich Zeit zur Erholung haben". Serranos Haus war mit Blumen, Ballons und Willkommensplakaten geschmückt.

Auch DeJesus kehrte am Mittwoch in ihr Familienhaus zurück, das mit Ballons geschmückt war. "Das ist mein schönstes Muttertagsgeschenk", sagte ihre Mutter Nancy Ruiz. (afp)


Kommentare
Aus dem Ressort
Mehr Tote bei Fährunglück - Überlebende kritisieren Kapitän
Fährunglück
Die Zahl der Toten bei dem Fährunglück in Südkorea ist weiter gestiegen. Bislang konnten Taucher keine Überlebenden aus dem Rumpf der gekenterten Fähre bergen. Das schlechte Wetter behindert die Rettungsarbeiten. Fast 300 Menschen, unter ihnen viele Schüler, werden vermisst.
Nokia warnt Kunden davor, das Lumia 2520 aufzuladen
Verbraucherwarnung
Bei Ladegeräten des Nokia-Tablets Lumia 2520 kann sich die Abdeckung lösen. Deshalb warnt Nokia Kunden davor, das Ladegerät zu verwenden, man könne sich einen Stromschlag einfangen. Betroffen seien etwa 30.000 Ladegeräte des Typs AC-300, darunter 600 Reise-Stecker.
Kanadier wegen Datendiebstahls mit "Heartbleed" festgenommen
Sicherheit
Im Zusammenhang mit der "Heartbleed"-Sicherheitslücke im Internet ist es in Kanada zu einer Festnahme gekommen. In der Provinz Ontario wurde ein Student in Gewahrsam genommen, der die Sicherheitslücke in der Software OpenSSL ausgenutzt haben soll - um an Sozialversicherungsnummern zu kommen.
Anzeigen wegen Vergewaltigung haben immer seltener Erfolg
Justiz
Eine Vergewaltigung anzuzeigen, kostet viele Frauen ohnehin schon viel Überwindung. Eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen könnte ihnen die Entscheidung jetzt noch schwerer machen. Sie zeigt, dass die Aussichten auf eine Verurteilung stark gesunken sind.
Zalando zeigt RTL-Reporterin wegen Undercover-Bericht an
Zalando
Nach dem Enthüllungsbericht einer RTL-Reporterin, der die Missstände im Zalando-Logistiklager in Erfurt kritisiert, wehrt sich der Online-Versandhändler rechtlich gegen die Vorwürfe. Die Nutzer von Facebook und Twitter wetterten bereits gegen den Online-Händler.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

 
Fotos und Videos