Absturz wirft weitere Fragen auf

Berlin..  Der Absturz der Germanwings-Maschine auf dem Flug 4U9525 wirft weiter Fragen auf. Das Luftfahrtbundesamt hatte nach eigenen Angaben bis zur Akteneinsicht beim Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nach dem Absturz „keinerlei Informationen“ über die medizinischen Hintergründe bei Co-pilot Andreas Lubitz, der nach bisherigen Erkenntnissen die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Wie berichtet, müssen Flugmediziner in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA als Aufsichtsbehörde einschalten – allerdings gilt dies erst seit April 2013.

Lubitz hatte 2009 als Flugschüler seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, wie die Germanwings-Mutter am 31. März einräumte. Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung unterzog sich der Copilot nach Informationen der „Welt am Sonntag“ noch zwei Tauglichkeitsprüfungen – im Sommer 2013 und im Jahr 2014.

Wie das Bundesamt mitteilte, wurde in Lubitz’ Fall das Flugtauglichkeitszeugnis 2009 vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa (Aeromedical Center, AMC) in Frankfurt ausgestellt und dem LBA übermittelt. Dieses Vorgehen habe der Rechtslage entsprochen, erklärte das LBA. Bei der Katastrophe vom 24. März besaß Lubitz nach früheren Lufthansa-Angaben „ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1“.

Nach „Spiegel“-Informationen durchsuchten Ermittler in der vergangenen Woche mehrere Arztpraxen, die der Copilot konsultiert haben soll. „Weiterhin wurden heute fünf Arztpraxen, die von dem Copiloten aufgesucht wurden, durchsucht und die Krankenakten des Kopiloten sichergestellt“, zitiert das Magazin aus einer Zusammenfassung der Ergebnisse. Lubitz suchte demnach sowohl Fachärzte für Neurologie als auch Fachärzte für Psychiatrie auf.

Am Wochenende waren erneut Angehörige der Opfer in der Unglücksregion eingetroffen. Die meisten der 150 Getöteten stammten aus Deutschland und Spanien. Die Unfallstelle in den französischen Alpen werde weiter gesichert, teilte die Präfektur am Sonntag mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Marseille wurden zahlreiche Handys gefunden.

In der kommenden Woche soll damit begonnen werden, große Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren. Für schweres Bergungsgerät hatten die französischen Verantwortlichen eigens einen improvisierten Weg für Geländefahrzeuge zu dem sonst nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbaren Ort präparieren lassen.