Abschied von James Last, dem Karajan des kleinen Mannes

James Last im April 2015 in Freiburg.
James Last im April 2015 in Freiburg.
Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
James Last, der mit 86 Jahren gestorben ist, war noch vor wenigen Wochen auf großer Tour. Ein Nachruf auf Deutschlands bekanntesten Bandleader.

Bremen.. Ans Aufhören hat er nie gedacht. „Ich mache weiter, bis ich umfalle“, hat er gesagt, wenn man ihn danach gefragt hat. Und das hat er auch getan. Vor wenigen Wochen erst, am 17. April, hat er auf der auf der Bühne Geburtstag gefeiert. Seinen 86. Denn er war auf Konzertreise, war auch in Oberhausen. Wieder einmal. „Andere gehen in Kur, ich gehe auf Tour“, hat er geflachst. Jetzt ist James Last tot. Gestorben in Florida, wo er seit 30 Jahren lebte, nach „kurzer schwerer Krankheit“, wie es offiziell heißt.

Man kann ihn Bandleader nennen. Aber das ist ungefähr so, als wenn man einen Rolls Royce als Auto bezeichnet. Es trifft es nicht. Vielleicht hat man ihm im Laufe der Jahrzehnte deshalb auch so viele andere Namen gegeben. Er war „Deutschlands Sonderbotschafter für gute Laune“ oder der „Gentleman Of Music“. Friedrich Nowottny hat ihn mal den „Karajan des kleinen Mannes“ genannt, und das war als Lob gemeint. Aber für die meisten Menschen zwischen Alpen und Nordsee, ach was in halb Europa, war er viele Jahre „James Last, Party-König“.

James Last kreierte den Party-Sound

„Musik ist mein Leben“, hat der gebürtige Bremer oft gesagt, der mit richtigem Vornamen Hans heißt. Und das war keine Floskel. Ausgebildet an Bass und Tuba in der Heeresmusikschule Bückeburg, gestählt durch Auftritte in amerikanischen Jazz-Clubs und mit den Tanzorchestern diverser deutscher Rundfunksender, gelang ihm Mitte der 1960er-Jahre der große Durchbruch mit einem ganz simplen Trick. Er mischt Geräusche in die Musik, mit der seine Band ohne Pause die Hits der jeweils letzten Monate nachspielt. Ein Lacher hier, ein Gläserklirren dort – das vermittelt den Eindruck von Stimmung, selbst wenn keine ist. Der Happy-Sound ist geboren.

Und er ist unglaublich erfolgreich. Wo immer die Deutschen in jenen Tagen Käseigel und Eierlikör auf die Bambustheke der Kellerbar stellen, tönt Lasts Klangteppich aus den Boxen. Ob Klassik, Shanties oder Volkslieder – nichts ist sicher vor Last und seiner Band. Immer wieder hagelt es Verrisse. „Fahrstuhlmusik“ und „weichgespült“ nörgeln die Kritiker und sprechen von „akustischem Milchbrei“. Last juckt das nicht: „Wenn ich mich ändern würde, dann wäre es nicht James Last.“

"Hansi" James Last brachte es auf 206 Goldene Schallplatten

Er hat aber auch leicht reden, denn die Deutschen kaufen seine Musik wie verrückt. Zeitweise ist er alleine für rund ein Drittel des Umsatzes der Plattenfirma Polydor verantwortlich, und im Laufe der Jahre kann er mit 206 Goldenen Schallplatten die Wände tapezieren. Längst ist er auch Stammgast im Fernsehen und den großen Hallen. Im weißen Anzug steht er da lässig vor seiner stets hervorragend besetzten Band und gibt mit locker schwingender rechter Hand den Takt vor. Schnipp, schnipp, schnipp.

Es regnet dann auch nicht rein im Hause Last, aber wirklich reich wird er nie. Der Musiker liebt schnelle Autos und teure Reisen. Vor allem aber vertraut er den falschen Leuten. Sie raten ihm zu windigen Abschreibungsmodellen mit Ölbohrtürmen und Baumwollfeldern und verbrennen damit Millionen. Auch die Schallplattenverkäufe brechen in den 1980er-Jahren ein. Nur seine umfangreichen Urheberrechte bewahren den Party-König vor dem Ruin. Ob Landarzt, Hitparade oder Traumschiff, ihre Titelmusiken stammen alle aus der Feder von James Last. Und dann sind da auch noch Dauerbrenner wie „Biscaya“.

Wiederentdeckt von Quentin Tarantino

20 Jahre später wird es wieder cool, James Last zu hören. Jüngere Menschen lernen ihn kennen, als Quentin Tarantino den Panflötenhit vom „Einsamen Hirten“ in den Soundtrack von „Kill Bill“ aufnimmt. Oder als Leute wie „Fettes Brot“, Xavier Naidoo oder Herbert Grönemyer ein Album mit ihm aufnehmen. „They call me Hansi“, nennt es Last und sieht auf dem Cover aus wie ein entfernter Verwandter von Johnny Cash.

Vor vielen Jahren schon hat er sich ein Haus in Florida gegönnt, inklusive Tonstudio. Dort zieht er sich zusammen mit seiner zweiten Frau Christina immer öfter zurück. Auch nach der jüngsten Tour will er sich dort erholen, will wieder zu Kräften kommen, die eine schwere Darm-Operation ihm im vergangenen Jahr geraubt hat. Stattdessen geht es ihm immer schlechter.

"Ich denke mehr daran, was morgen ist, als was gestern war"

Knapp eine Woche vor seinem Tod sei Last in eine Klinik gebracht worden, hat sein Manager und Arzt Bodo Eckmann gegenüber „Bild“ ausgeplaudert. Dort hätten die Nieren versagt, schließlich die Lungen. Last habe akzeptiert, dass es so weit sei und im Kreise der Familie „friedlich eingeschlafen“.

Im Hamburg, wo die Lasts nach wie vor einen zweiten Wohnsitz haben, ist eine öffentliche Trauerfeier geplant, aber noch nicht terminiert. Dort werden sie zurückblicken auf das Leben eines Mannes, der selber viel lieber nach vorne schaute. „Ich denke mehr daran, was morgen ist, als was gestern war.“

Obwohl Last nicht unzufrieden war mit den Jahren, die hinter ihm lagen. „Es war ein tolles Leben. Wenn man die Gabe hat, dass man Musik schreiben kann, die Millionen Menschen gefällt, was will man mehr!“