Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Nachruf

Abschied von Fernsehjuwel Harry Valérien

14.10.2012 | 18:05 Uhr
Harry Valérien in einer Farb-Testsendung: (Juli 1967).Foto: ZDF/Georg Meyer-Hanno

München.   Der verstorbene Sportreporter konnte mehr als Fußball. Er kannte sich in nahezu jeder Sportart aus. Außerdem pflegte Harry Valérien eine Tugend, die heute im Fernsehen selten geworden ist. Eine Würdigung.

„Wosamma? Dosamma“, tönte es zuweilen aus dem Lautsprecher neben dem Bildschirm, wenn Harry Valérien im gelben Wollpullover mal wieder herauszufinden versuchte, in welche Kamera er im „Aktuellen Sportstudio“ blicken musste. Von diesem bayerisch gefärbten Ton und dem leicht verschleppten Tempo, das uns mit seiner Gemütlichkeit am Samstagabend so oft das Kaminfeuer im Wohnzimmer ersetzte, durfte man sich nicht täuschen lassen: Hinter der entspannten Fassade war ein hellwacher Verstand am Werk, ein engagierter Reporter, wie man ihn im Fernsehen so nicht oft erlebt.

Mehr als acht Jahrzehnte schlug Harry Valériens Herz für den Sport – seit Freitagabend steht es still. Es blieb einfach stehen, und er schlief friedlich ein auf einer Rückfahrt zu seinem Alterssitz am Starnberger See . Er kam von einem Treffen mit ehemaligen Kollegen und Skirennläufern. Seine Frau Randi saß mit im Auto, auch seine Tochter Tanja und ihr Mann, der Bergsteiger Stefan Glowacz. Ein Tod mit 88, wenn man das sagen darf, wie man ihn sich wünscht: schmerzlos im Kreis der Liebsten.

Erinnerungen an Harry Valérien

Natürlich haben ihn am Wochenende besonders die alten Kollegen gewürdigt, Dieter Kürten vor allem, selbst 77 mittlerweile und mit Valérien noch im Schwarz-Weiß-Fernsehen groß geworden. Oder Günther Jauch, der vor rund 25 Jahren Valériens Nachfolger im Sportstudio wurde. Auch Sportasse wie Skistar Markus Wasmeier, der den Journalisten „geradezu väterlich“ fand, oder Franz Beckenbauer, der 1965 auf seinen 20. Geburtstag mit Valérien im Sportstudio anstieß und seither vermutlich 100-mal von ihm befragt wurde.

Warmherziger Mensch mit feinen Humor

Aber es waren nicht nur die pflichtschuldigen Beileidsbekundungen, wonach ein außergewöhnlicher Sportjournalist mit großen Fachkenntnissen und handwerklicher Qualität gestorben sei. Stets war die Sympathie zu greifen für den warmherzigen Menschen mit seinem feinen Humor. Einen, der -- „Sappradi!“ -- mitfieberte auf den Skipisten und Golfplätzen, in den Leichtathletik-Arenen und Schwimmhallen dieser Welt. Einen mit Urteilskraft, der wusste, wovon er sprach, nicht nur weil er selbst ein glänzender Skiläufer war.

Nachruf
"Mr. Sportstudio" Harry Valérien ist gestorben

Für tausende war er das Gesicht der ZDF-Sendung "Das aktuelle Sportstudio". Jahrelang moderierte er die Fußball-Sendung. Nun ist Harry Valérien im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Journalist war nie um einen flapsigen Spruch verlegen, wusste aber auch genau, was er nicht wollte. Ein Nachruf.

Gewiss, manchmal schien die Distanz zu denen, die er interviewte, gefährlich zu schrumpfen. Doch Valérien schaffte seinen Gesprächspartnern erst die Wohlfühl­atmosphäre, um sie aufzulockern, und fragte dann hartnäckig nach. Wer ihn für einen charmanten Weichspüler hielt, ließ außer Acht, dass es Valérien war, der das Thema Doping im Sportstudio etablierte, als die Verantwortlichen beim ZDF noch die Nase rümpften.

Väterlicher Ratschlagan Paul Breitner

Aber er hatte eben diese unnachahmliche Art, Kritik so zu verpac­ken, dass man sie ihm nur schwer verübeln konnte. „Sie sollten etwas gelassener werden, darf ich Ihnen das mal sagen“, hielt er einem aufgebrachten Paul Breitner einst entgegen, und es klang wie der Ratschlag eines Vaters, der sich um die Gesundheit seines Sohnes sorgt. Valérien, und das war vielleicht seine größte Stärke, verwechselte Leidenschaft nie mit Aufgeregtheit, so wie all die Kerners dieser Welt. Die Ruhe war Valériens Kraft, man sehnt sie sich im heutigen Fernsehbetrieb geradezu herbei.

Über den „Münchner Merkur“ und den Bayerischen Rundfunk war er zum ZDF gekommen und wurde zum Mitbegründer des „Aktuellen Sportstudios“, durch das er in einem Vierteljahrhundert 283-mal führte. Gut möglich, dass die Bedeutung dieses Fernseh-Evergreens auch wegen der wachsenden Programmmenge der vielen anderen Sender über die Jahre nachgelassen hat.

Aber es liegt auch an den Typen, die die Sendung prägten und prägen. Einen wie Harry Valérien, den findest du nicht mehr.

Frank Preuß


Kommentare
14.10.2012
23:52
Abschied von Fernsehjuwel Harry Valérien
von dutsche | #3

Wieder hat uns ein "Großer" verlassen. Danke Harry Valerien!

14.10.2012
19:24
Abschied von Fernsehjuwel Harry Valérien
von wohlzufrieden | #2

Ich bin kein Freund des Sportes. Trotzdem meine persönliche Hochachtung vor einen Reporter, dem das heutige Blödel-TV, samt seiner "Reporter", die oftmals noch nicht einmal die Deutsche Sprache beherrschen, nie das Wasser reichen konnte. Danke, Harry!

14.10.2012
18:59
Abschied von Fernsehjuwel Harry Valérien
von artie_aus_essen | #1

Gut geschrieben, danke !

Aus dem Ressort
Reisende öffnen für uns am Flughafen ihre Koffer
Reise
Wir haben Reisende am Düsseldorfer Flughafen gefragt, welches (Lieblings-)Teil unbedingt in den Koffer muss, damit die Reise auch kein Reinfall wird. Auf ihre Zahnbürste möchten die meisten nicht verzichten. Aber es gibt noch persönlichere Dinge, die im Urlaub nicht fehlen dürfen.
"Mistaken for Strangers" - Doku über Rocktar Matt Berninger
Kino
Die Brüder Matt und Tom Berninger sind grundverschieden. Während Matt Sänger der Indieband The National ist, steht der jüngere Tom eher auf Metal. Ganz nebenbei ist Tom aber auch Amateurfilmer und plant, eine Doku über die Band seines Bruders zu drehen. Herausgekommen ist „Mistaken for Strangers“.
"Die Karte meiner Träume"- Die fabelhafte Filmwelt  Jeunets
Kino
Im Jahr 2001 überraschte der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet mit dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ die Kritiker. Nun möchte er mit „Die Karte meiner Träume“ – basierend auf dem Roman des US-Amerikaners Reif Larsen – das Kino-Publikum erneut verzaubern. Und das dürfte ihm gelingen.
Polizisten erschießen Kollegen - Ermittler suchen Motiv
Kriminalität
Elf Stunden Nervenkrieg, dann fielen die Schüsse. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) tötete am Freitagabend einen 46-jährigen Polizisten, der zuvor am Morgen auf seinem Grundstück in Asbach-Bäumenheim (Nordschwaben) um sich geschossen und im Haus verschanzt gehalten hatte.
Selfie mit Kampfstieren - Mann drohen 3000 Euro Strafe
Brauchtum
Die Selfie-Mode macht vor dem Volksfest und den traditionellen Stiertreiben in der nordspanischen Stadt Pamplona nicht halt. Ein junger Mann hatte sich unmittelbar vor den herannahenden Kampfstieren mit einem Handy selbst fotografiert.
Umfrage
Türkische Bürger, die zu ihrem Ehepartner nach Deutschland ziehen wollen, müssen nach einem EuGH-Urteil keine Sprachtests absolvieren. Eine richtige Entscheidung?

Türkische Bürger, die zu ihrem Ehepartner nach Deutschland ziehen wollen, müssen nach einem EuGH-Urteil keine Sprachtests absolvieren. Eine richtige Entscheidung?

 
Fotos und Videos
Pannen, Models und Trends
Bildgalerie
Fashion Week
Razzia gegen United Tribuns
Bildgalerie
Straßengang
Tagesbruch in Witten
Video
Video
Stierhatz im spanischen Pamplona
Bildgalerie
Blutiges Ritual