Abschied vom „Monitor“-Mann

Der stille Mahner: Klaus Bednarz, hier im Monitor-Studio im Februar 1991.
Der stille Mahner: Klaus Bednarz, hier im Monitor-Studio im Februar 1991.
Foto: dpa
Klaus Bednarz starb am späten Dienstagabend im Alter von 72 Jahren. Der Journalist galt als unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt.

„Journalismus“, hat er mal gesagt, „ist der schönste Beruf, den es gibt.“ Wahrscheinlich muss man so begeistert sein von der Arbeit, die man macht, wenn man sie über 40 Jahre so leidenschaftlich ausübt, wie er es getan hat: Klaus Bednarz, einer der profiliertesten und meinungsstärksten deutschen TV-Journalisten der Nachkriegszeit. Am Dienstagabend ist er im Alter von 72 Jahren in Schwerin gestorben.

Der am 6. Juni 1942 in Falkensee bei Berlin geborene promovierte Osteuropa-Experte gehörte zur „alten Schule“ des öffentlich-rechtlichen Fernsehjournalismus. 1967 heuert er bei der ARD an, wird erster Korrespondent des Senders in Warschau, später übernimmt er das Studio in Moskau. 1983 kehrt Bednarz zurück nach Deutschland, kommentiert kurz für die „Tagesthemen“, übernimmt dann das ARD-Politmagazin „Monitor“. „Macher, Mahner und Menschenrechtler“, hat ihn die damalige WDR-Intendantin Monika Piel mal genannt. Und für ihren Nachfolger Tom Buhrow war Klaus Bednarz „ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt“. Das ist alles richtig, für die meisten Deutschen aber ist er bis heute der „Monitor“-Mann. In 18 Jahren seiner Redaktionsleitung wird die Sendung zu einer Art Schule des investigativen Fernsehjournalismus, der bis heute viele Magazine nacheifern, ohne sie zu erreichen.

Bednarz ist allerdings auch der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Politische Magazine haben damals noch eine klare politische Ausrichtung. „Marx ist Murx“ wettert Gerhard Löwenthal im CDU/CSU-nahen „ZDF-Magazin“, Monitor dagegen wird das rote Tuch für alle Schwarzen. „Rote Reichsfernsehkammer“ nennt Franz Josef Strauß die Sendung. Eine Klassifizierung, gegen die sich Bednarz immer gewehrt hat: „Wir haben uns – wenn es sein musste – mit allen angelegt, egal ob Links oder Rechts. Als zeitkritischer Journalist legt man sich vor allem mit denen an, die die Macht im Land haben. Und wir hatten zu der Zeit nun mal gerade 16 Jahre Kohl.“

Skandale wurden aufgedeckt, nicht geliefert

Tatsächlich war Bednarz nie jemand, der bestimmten Politikern das Wort redet. Er teilte nach allen Seiten aus. Und er machte das auf eine Art, dass heutige Moderationstrainer entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Monoton und leise die Stimme, stets leicht anklagend der Blick sitzt er bewegungslos vor der Kamera, trägt seine altmodisch dickrandige Brille und listet die Missstände der Bonner Republik auf. Langweiliger geht eigentlich nicht, aber trotzdem schalten zu besten Zeiten im Schnitt neun Millionen Zuschauer ein. Weil sie wissen, dass bei „Monitor“ Inhalte zählen und nicht die Verpackung. Preise gibt es dafür auch. Vom BUND ebenso wie vom Adolf-Grimme-Institut oder der Jury der Goldenen Kamera.

Monitor ist eine Macht. Nicht nur in der Politik. Als die Sendung 1987 über Würmer im Speisefisch berichtet, bricht der deutsche Fischmarkt vorübergehend ein, auch wenn Experten immer wieder versichern, das Problem werde „übertrieben“.

So viele Skandale Bednarz auch aufgedeckt hat, selbst geliefert hat er nie welche. Aus seinem Privatleben ist ohnehin so gut wie nichts bekannt. 2002 hört er auf bei Monitor, bleibt bis zu seiner Pensionierung 2007 Chefreporter des WDR. Man wusste, dass er gerne reiste und ebenso gerne Bücher über diese Reisen schrieb, und dass er sich als Rentner seinen Lebenstraum, erfüllt hatte: Eine Hütte an einem mecklenburgischen See.

Seine Stimme wird fehlen

Ihm war das ganz recht so. „Es wird keine Homestorys von mir geben“, hat er mal gesagt und sich stets daran gehalten. Und auch selbst hat er sich in letzter Zeit nur noch selten zu Wort gemeldet. Obwohl ihn natürlich immer noch viele um seine Meinung gebeten haben. „Ich gehe“, hat er viele dieser Anfragen – anders als mancher Kollege – abschlägig beschieden, „nur dann in Talkshows, wenn ich zu dem Thema etwas Originäres zu sagen habe.“

Und so leise und unaufgeregt er das dann auch gesagt hat, ist er dennoch in Erinnerung geblieben. „Er war“, hat Sonia Seymour Mikich, die von Bednarz die „Monitor“- Moderation übernahm, gestern gesagt, „eine starke Stimme, die fehlen wird.“